Algarve
Europas westlicher Zipfel
von Heiko Nolting
Es macht mir immer noch jeden Tag Spaß, morgens aufzustehen und zur Arbeit zu gehen,“ sagt João in gebrochenem Deutsch. Der 43-Jährige vermietet Liegestühle am Strand von Albufeira, einem großen Touristenzentrum an der portugiesischen Algarve. Wir sitzen zusammen im „A Ruina“, einer ehemaligen Zisterne, direkt an der Praia dos Pescadores, mit herrlichem Blick über den feinsandigen Strand. Es geht jetzt auf acht Uhr am Abend zu. João ist mit seinem Job fertig, und wir gönnen uns bei angenehmen 20 Grad einen leckeren Hauswein. Der ist hier in jeder Lokalität immer gut und dazu auch noch günstig. João hat bis vor fünf Jahren selbst noch in der Gastronomie gearbeitet, in Köln, ist dann aber in seine Heimat zurückgekehrt. „Die Wärme, der Fisch, das Meer – das hat mir doch alles sehr gefehlt“, sagt er. Die Algarve ist die südlichste Region Portugals und in erster Linie bekannt für ihre herrlichen Strände. Davon gibt es reichlich auf einer Küstenlänge von knapp 160 Kilometern. Nicht nur rund um Albufeira. Das einstige Fischerdorf hat sich im Laufe der Jahre zu einem großen Touristen-Magneten entwickelt. Morgens rollt die Urlauber-Lawine durch einen Tunnel an den Strand Praia do Penedo. Und abends wieder zurück in die Stadt. Wo das schrillste Nachtleben im ganzen Land tobt. Viele mögen sowas ja …

Wesentlich ruhiger sind die Strände um Sagres im Südwesten Portugals. Besonders die Praia da Mareta, direkt am Ort gelegen. Und windgeschützt! Wer nach einem sonnenreichen Tag ein bisschen Spaß und Unterhaltung sucht, sollte ins „Dromedario“ direkt neben dem Tourismusbüro in der City gehen. Hier kann man gut essen und die Stimmung ist immer bestens. Es wird unglaublich viel gelacht. Ach übrigens: Da ich selbst längere Zeit mit einer Portugiesin zusammen war und auch ihre Verwandtschaft kennengelernt habe, weiß ich aus eigener Erfahrung: Portugiesen gehören zu den tolerantesten Menschen auf der Welt. Sie sind Fremden gegenüber mehr als aufgeschlossen und helfen, wo sie nur können. Eine 60 Kilometer lange Kette aus feinsandigen Dünen Aber zurück zu den Stränden. Da gibt es im Osten den Ort Tavira. Hier bin ich mit Carlos (43) verabredet. Sein Vater besitzt dort das Restaurant „Patio“ – in einer alten Stadtvilla, Rua Cabreira 30. Ich kenne Carlos schon seit über 20 Jahren aus Hamburg. Er hat mal als Kellner in der Hansestadt gearbeitet, und wir fahren mit seinem kleinen Peugeot zum Praça Da Republica in der City. Von hier aus nehmen wir einen Bummelzug nach Quatro Auguas, einer kleinen Hafenstadt. Und weiter geht es zur Ria Formosa, einem der schönsten Naturschutzgebiete in Europa.
Eine 60 Kilometer lange Kette aus feinsandigen Dünen trennt die Ria Formosa vom Atlantik ab. Am bezaubernsten ist wohl die zehn Kilometer lange
Düne Ilha de Tavira –landschaftlich fantastisch. Wer hier mal einen Spaziergang in abendlicher Stille am Strand gemacht hat, kann sich kaum etwas Schöneres vorstellen. Es sei denn, er ist in Olhao, etwa 20 Kilometer südwestlich von Tavira. Das Örtchen mit etwa 15.000 Einwohnern hat einen nordafrikanischen Charme. Und ist – trotz zahlreicher Touristen – irgendwie klein geblieben. Auf den Dächern flattert bunte Wäsche zum Trocknen. Große Fischernetze liegen am Hafen für den nächsten Tag aus. Carlos erklärt mir, als wir vor einer Kapelle stehen, in der zauberhaftes Licht zu sehen ist: „Das sind Kerzen. Die brennen bei Tag und Nacht. Die Angehörigen der Fischer bitten damit um die sichere Rückkehr ihrer Lieben.“ Nur wenig westlich von Olhao liegt Faro. Ein Ort mit 40.000 Einwohnern, der auch als Hauptstadt der Region bezeichnet wird. Algarve-Urlauber landen in aller Regel hier mit dem Flieger, um dann an ihr gebuchtes Ziel zu kommen.
Wer in der Nähe sein Urlaubsdomizil hat, sollte mal eine Bustour in die Hauptstadt buchen. Oder sich einen Mietwagen nehmen. Faros Altstadt, die Cidade Velha, ist ein wahres Prunkstück. Teils römisch, teils maurisch. Wenn man durch die Eingänge in den Stadtmauern geht, hat man das Gefühl, eine andere Welt zu betreten. Carlos und ich fahren weiter nach Vilamoura. Ich kenne den Ort noch von früher als recht beschaulich, wo man sich auf der Straße gegrüßt hat. In der Zwischenzeit ist Vilamoura ein quicklebendiges Ferienzentru Vor 2000 Jahren wurden Sardinen nach Rom verschifftm geworden. Dutzende Restaurants, Bars und Shops reihen sich an der Uferpromenade aneinander. Das ist nicht mehr nach meinem Geschmack. Was allerdings sehenswert ist: An der Westseite des Yachthafens wurde eine Ausstellung mit Ausgrabungen einer Römischen Villa eröffnet. Und gleich nebenan gab es mal eine Fischfabrik, in der schon vor 2000 Jahren Sardinen gepökelt und nach Rom verschifft wurden. Da steht man dann doch recht staunend davor. Die nächste Station meiner Reise mit Carlos ist Silves, ein wenig im Hinterland gelegen. Wir setzen uns ins „Café Ingles“ hoch oben über der Stadt, und Carlos bestellt für uns beide eine bica com Cheirinho. Das ist ein Espresso mit einem Schuss Brandy. Hatte ich zuvor noch nie getrunken – muss aber sagen: köstlich! Carlos erzählt mir, dass Silves früher eine viel größere wirtschaftliche Bedeutung hatte als Lissabon, die heutige Hauptstadt von Portugal. Das hätte ich nie vermutet. Auch aus dem Grund nicht, weil Silves heute den Charme eines ruhigen Landstädtchens hat.
Wer schon mal in der Gegend ist, sollte nach Algoz fahren, ca. 14 Kilometer östlich von Silves. Besonders dann, wenn man Lust auf was Süßes hat. Denn an der Straße nach Ferreiras liegt die Quinta dos Avos, ein Süßspeisen-Tempel aus einer mittelalterlichen Klosterküche. Wieder zurück an die Küste, nach Cavoeiro. Was hier auffällt, ist der gemütliche Dorfstrand sowie die bunten Fischerboote, die so in der Sonne liegen, als wollten sie sich vom morgendlichen Fischfang ausruhen. Also eine richtig harmonisch romantische Atmosphäre. Allerdings, und das muss man auch sagen: Abends geht es hier ganz schön hoch her. Unter anderem in „Manoels Bar“, einem gleichermaßen belebten wie beliebten Jazzkeller mit Livemusik. Etwas ruhigere Töne sind in Portimao angesagt. Auch wenn hier immer mehr Touristen zu sehen sind, hat sich die Stadt eine ureigene Atmosphäre erhalten. Carlos Tipp lautet: „Miete Dir in Portimao ein Boot und fahre entlang der Felsenküste bis nach Lagos. Die Stadt hat ein wunderbares historisches Zentrum. Sie wird auch ,Perle der Algarve‘ genannt.“
Reiseangebot
Beste Reisezeit: Im Frühjahr oder im Herbst.
Klima: Gemäßigt mediterran und vom Atlantik geprägt. Zudem schützen im Norden und Nordwesten Gebirgszüge die Region vor dem Einfluss allzu kühler Witterung. Deshalb sind die Winter relativ mild. Im Sommer herrschen bei Temperaturen um 30 °C geradezu nordafrikanische Verhältnisse. Zudem fallen extrem wenig Niederschläge.
Zeit: MESZ minus 1 Stunde.
Sprache: Portugiesisch. Englisch und Französisch werden in Touristengebieten verstanden.
Geld: Landeswährung ist der Euro.
Dokumente: Personalausweis.
Gesundheit: Impfungen sind nicht erforderlich. Mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) erhalten Sie erforderliche Leistungen zu denselben Bedingungen wie die Einheimischen.
Essen & Trinken: Die portugiesische Küche ist reich an frischem Gemüse, an Fisch und Meeresfrüchten, Reis und auch Kartoffeln. Deftige Suppen gehören ebenso auf die Speisekarte wie die ausgezeichneten Desserts. Alle Gerichte sind eher gute Hausmannskost anstelle international bekannter Gerichte. An der Algarve, erst spät von den Christen zurückerobert, hinterließen die Araber ihre Einflüsse hauptsächlich bei den im ganzen Land bekannten Süßspeisen.
Restaurants: Club Naval in Faro. Hier genießen Sie in angenehmem Ambiente Firstclass-Fischgerichte. Tel: 289 82 38 69.
Sehenswert: Ferragudo – Hübscher ist an der Algarve kein Fischerort. Und die Krönung ist die Burg São João an der Mündung des Rio Arade. Armona und Culatra: Mit der Fähre in eine autofreie Inselwelt gondeln, Muscheln sammeln, traumhafte Ruhe genießen.
Unbedingt machen: Geschichte auf Esels Rücken erleben: Erlebnispfad durch die maurische Silber- und Kupfermine Cova dos Mouros/ Parque Mineiro.
Unbedingt vermeiden: Für wildes Grillen im Freien werden sehr hohe Geldstrafen verhängt. Das gilt auch, wenn man Kippen aus dem Auto wirft. Brandgefahr!
Literatur: DuMont direkt „Algarve“, 7,95 €; MARCO POLO Reiseführer „Algarve“, 9,95 €.
Auskünfte: Portugiesisches Fremdenverkehrsamt, Kaiserhofstr. 10, 60313 Frankfurt. Tel: 01805/004930 (14 ct/Min).
Reiseinformationen
Reiseangebot: Romantik-Hotel Vivenda Miranda in Lagos.Vom Schweizer Besitzer persönlich geführtes, mit Stil renoviertes, familiäres Hotel. Salon, Bar, Restaurant mit Panorama-Terrasse. Im Garten ein beheizter Pool mit integriertem Jacuzzi und Massagedüsen. Reichhaltiges Frühstücksbuffet. Im Rahmen der Halbpension verwöhnt Sie der Schweizer Chef an vier Abenden mit Feinschmeckermenüs. Wellness: Sauna und Dampfbad sind inklusive. Gegen Gebühr: SPA mit Meerblick, diverse Beauty-Anwendungen sowie Massagen. Eine Woche ab 1.185 € pro Person im DZ, inkl. Flug.
Fotos: Maurice de Abreu, José Manuel / Regiao de Turismo do Algarve
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