Kuba

Lektionen in Lebenslust

von Brigitte Eilert-Overbeck

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Raus aus dem Flieger, rein ins Ferienresort und dann nur noch Sonne, Sand und Meer! Kubas berühmte Strandhalbinsel Varadero lockt mit einem breiten, weißen, von Palmen gesäumten Sandstrand, mit türkisblauem Wasser und mit einer ganzen Reihe von Hotelanlagen, die – all inclusive! – alles bieten, was sich der sonnen-, erholungs- und erlebnishungrige Mitteleuropäer nur wünschen kann. Wer nichts anderes sucht als Sun & Fun, findet hier seinen absoluten Traumurlaub. Und verpasst doch so viel … Also besser raus aus dem Liegestuhl, rein ins Land und alles anschauen, was an Kuba sehenswert ist? „Imposible!“ hatte uns Raùl gewarnt. Dafür würde auch der längste Urlaub nicht reichen. Er muss es wissen. Schließlich stammt er von der Insel. Und er weiß auch, was man als Reisender dort unbedingt gesehen und erlebt haben muss. Seine Antwort kommt schnell: „Die Kubaner natürlich! Ihr Lebensgefühl.“ Kubanisches Lebensgefühl wirkt in Zeiten gefühlter und realer Krisen wie eine Kur. Kubaner kennen Krisen nur zu allzu gut: Mal mangelt es in der sozialistischen Republik an diesem, mal an jenem. Und immer an Geld. Klagen hilft dagegen gar nichts. Also wurschtelt man sich durch – improvisiert, hält sich an die Vorschriften und unterläuft sie dabei doch gekonnt. Und man lässt sich seine Lebensfreude nicht nehmen. Raùl hatte es so auf den Punkt gebracht: „Stell dir vor, es ist Krise und keiner jammert …“

Stattdessen gibt es für neugierige Kuba-Entdecker Lektionen in Lebenskunst. Wozu übrigens unbedingt der Spaß am Essen gehört. Kubanische Küche ist bodenständig: Fleisch – meist vom Schwein, viel Geflügel, weniger Rindfleisch. Reis, Bohnen. Kochbananen, gern frittiert. Alles gut (und auch gerne scharf) gewürzt und mit einem Schuß Wein abgeschmeckt. Highlight für Fisch-Freunde: Reis mit in Rum getränktem Fisch, gewürzt mit Pfeffer und Nelken. Salsa, Rumba, Mambo- der Soundtrack für den Urlaub Und wenn mal die eine oder andere Zutat gerade nicht zu kaufen ist, wird halt improvisiert: Nicht nur zur Not schmecken Reis und schwarze Bohnen – auf Kuba „moros y cristianos“ (wörtlich: Mauren und Christen) genannt – mit den richtigen Gewürzen auch ohne Fleischzugabe. Mögliche Versorgungsengpässe sind übrigens der Grund dafür, dass ein Hotelfrühstück mitunter karg ausfallen kann. Zum Ausgleich wird es mit besonderem Charme serviert. Und der Kaffee lässt nichts zu wünschen übrig. Kein Grund also, die Krise zu kriegen … Im alten Havanna mit seinen teils sorgfältig instand gesetzten, teils immer noch vom Verfall bedrohten Prachtbauten aus verschiedenen Epochen ist das kubanische Lebensgefühl besonders gut zu spüren. Und nicht zu überhören. Musik liegt in der Luft. Überall. Salsa, Rumba, Mambo – neben Rum und Zigarren die erfolgreichsten Exportartikel Kubas – liefern den Soundtrack der Stadt. Während aus den Lobbys der Luxushotels die dem älteren Publikum so vertrauten Rhythmen des Buena Vista Social Club erklingen, hört die Jugend lieber auf einen anderen Beat: Reguetón oder Reggaeton ist eine wilde, provokative, ziemlich sinnliche und extrem tanzbare Mischung aus Salsa, Reggae, Rock und Hip-Hop. Und getanzt wird in Havanna nicht nur in Clubs, Bars und anderen Lokalen, sondern auch auf den Straßen und in den Gassen …

Ein paar Dinge muss man als Tourist in Havanna einfach tun: Ein Stück über die Uferstraße Malecón schlendern. Am besten bei Sonnenuntergang! Auf der Pimagelaza de la Catedral einen Café cubano trinken – schwarz, stark und süß! In der „Bodeguita del Medio“ den Mojito probieren, einen Cocktail aus Rum, Minze und Limetten. Oder im „El Floridita“ den Daiquiri (Rum, Limettensaft und Zuckersirup). Mit einem Toast auf Ernest Hemingway, den berühmtesten ehemaligen „Regular“ beider Lokale. Und schauen, schauen, schauen: Wo gibt es sonst noch diese Mischung aus kolonialem Barock, Klassizismus, Jugendstil und Art déco? Wer tiefer eintauchen will ins Lebensgefühl von Havanna, nimmt sich Zeit, lässt sich treiben, wagt sich auch mal abseits der Touristenpfade. Leute, die zum eigenen Vergnügen Musik machen, fröhliche und freundliche Menschen trifft man überall. Wer Spanisch spricht, kommt leicht mit ihnen ins Gespräch, auf Englisch geht es vielleicht etwas mühsamer. Wie auch immer – die meisten erweisen sich als gut informierte, interessierte und gebildete Gesprächspartner. Ein Gewinn! Pflastermüde Füße? Dann bitte einsteigen ins Bici-Taxi (Fahrrad-Taxi) und sich für relativ wenig Geld durch die Altstadt chauffieren lassen! À propos chauffieren: Nirgendwo sonst gibt es so viele liebevoll gepflegte und glanzvoll polierte Oldtimer aus den 50-er Jahren wie in Havanna – alles Originalmodelle, die schon vor der Revolution im Lande waren. Mit geradezu genialer Autobastelkunst werden sie seither fahrtüchtig erhalten. Und meist als Taxi genutzt. Absoluter Luxus: eine dreistündige Fahrt durch Havanna im Original-Straßenkreuzer, selbstverständlich mit Chauffeur. Verglichen mit Havanna sind – von Santiago im Osten der Insel mal abgesehen – die meisten anderen kubanischen Städte kleine Fische. Aber reizvolle. Cienfuegos zum Beispiel, einst der wichtigste Umschlagplatz für Zucker. Neben den Spaniern haben Siedler aus Louisiana das Stadtbild stark geprägt: Reminiszenzen an „Vom Winde verweht …“. Dank der gut erhaltenen neoklassizistischen Altstadt steht Cienfuegos seit 2005 auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO. Noch nostalgischer wirkt Trinidad, 1513 von Velasquez gegründet und während des Zuckerbooms im 19. Jahrhundert zu Reichtum gekommen. Mit Kopfsteinpflaster und restaurierten Kolonialbauten ist die kleine Stadt ein Museum vergangener Jahrhunderte und seit 1989 in der Welt-Kulturerbe-Liste aufgenommen. Kaum minder malerisch und nostalgisch: die Kolonialstädtchen Sancti Spiritus und Remedios, beide mit sehr sehenswerten Kirchen.

Nostalgie ganz anderer Art hält Santa Clara bereit: Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz ist ein zentraler Punkt der kubanischen Revolution: Unter dem Kommando von Che Guevara stürmten die Rebellen der Guerilla-Armee Fidel Castros dort im Dezember 1958 den gepanzerten Waffenzug des Diktators Batista und nahmen die Stadt ein. Der Rest ist Geschichte. Und Santa Clara eine Che-Guevara-Gedenkstätte mit Mausoleimageum, Memorial und Munitionszug. Wer mit Kubanern ins Gespräch kommt, wird die eine oder andere kritische Bemerkung über Castro, Che & Co. zu hören bekommen. Vorsicht, da lauert ein Fettnapf! Lieber nicht ins gleiche Horn stoßen! Kubanische Patrioten fühlen sich leicht in ihrem Stolz verletzt. „Commandante Che Guevara,“ Held und Märtyrer der sozialistischen Revolution, wird nach wie vor besungen und verehrt. Sein Bild ist auf der Insel allgegenwärtige Ikone. Keinen Mangel hat Kuba an landschaftlichen Schönheiten: Es gibt reizvolle Bergregionen, Wasserfälle, Fels- und Sandstrände, stille und weniger stille Buchten… Unbedingt einen Besuch wert ist der Nationalpark Valle de Viñales in der Tabakprovinz Pinar del Rio. Der Blick geht über Palmen, rot blühende Feuerbäume und weite, sattgrüne Tabakfelder, zu denen die rote Erde einen scharfen Kontrast bildet. Aus ihr erheben sich bucklige, grün überwucherte Kalkfelsen. Mit etwas Fantasie betrachtet wirken sie wie eine urweltliche Herde von Riesentieren, die durch das Tal zieht. „Elefantenbuckel“ haben die Kubaner sie getauft. Commandante Che ist noch immer allgegenwätig Die Felsbuckel haben es buchstäblich in sich: ein verzweigtes Höhlensystem, einst von indianischen Ureinwohnern als Zuflucht genutzt und im 19. Jahrhundert von den Cimarrónes, entlaufenen Sklaven. Die „Cueva del Indio“, die vom unterirdischen Rio San Vicente durchströmt wird, lässt sich heute vergnüglicher nutzen. Mit organisierten Bootsausflügen. Ganz anders aber nicht weniger beeindruckend: Ciénaga de Zapata, die von Flüssen und Lagunen durchzogene Halbinsel mit ihrer dichten Mangrovenvegation, Heimat unzähliger Vogelarten, selten gewordener Krokodile und Seekühe – Kubas ökologisch wichtigstes Feuchtgebiet. Ein Biosphären-Reservat, das unter kundiger Führung entdeckt werden will. Vielleicht beim nächsten Kuba-Urlaub? Oder schaut man sich dann lieber den Osten der Insel an, lässt sich durch Santiago treiben? Wie Havanna eine Stadt voller Musik und Lebensfreude, Wiege des Son, Hort afrokubanischer Kultur. Reizvoll wäre das schon. Oder lieber tauchen und schnorcheln in den paradiesischen Unterwasser-Revieren vor der karibischen Küste? Isla de la Juventud, Jardines del Rey, Maria la Gorda – wie verheißungsvoll die Namen schon klingen … Irgendwann taucht er auf, dieser Gedanke: „Nächstes Mal in Kuba …“ Raùl hatte es vorausgesagt.

Reiseangebot

imageBeste Reisezeit: die trockenen Monate November bis April.
Klima: Auf Kuba ist das ganze Jahr Sonnensaison. Von Juni bis Oktober herrscht Regenzeit mit hoher Luftfeuchigkeit. Tagestemperaturen bis 30 °C.
Zeit: MESZ minus 6 Stunden.
Sprache: Spanisch. Englisch ist an den Schulen erste Fremdsprache.
Geld: Landeswährung ist der Peso Cubano (CUP). Für den Außenhandel und den touristischen Zahlungsverkehr gilt der Peso Convertible (CUC). Wird gegen Euro-Bargeld 1:1 getauscht. Bei der Benutzung von Kreditkarten fallen 11 Prozent Tauschgebühren an.
Dokumente: Reisepass (mindestens noch sechs Monate gültig), dazu eine Touristenkarte –beim Reiseveranstalter oder bei der Kubanischen Botschaft für 25 Euro.
Gesundheit: Impfungen werden nicht verlangt. Nur abgekochtes Wasser trinken, um Magen- oder Darmverstimmungen zu vermeiden.
Essen & Trinken: Kreolische Küche mit Fisch und vielen tropischen Früchten bis hin zu internationalen Spezialitäten. Unbedingt probieren: tropische Cocktails!
Restaurants: Castillo de Farnés, Havanna, Tel. 07/867 10 30, tgl. 12-24 Uhr. El Mesón, Pinar del Rio, Tel. 082/75 28 67, Mo.-Sa. 12-22 Uhr. El Morro, Santiago de Cuba, Tel. 022/69 15 76, tgl. 12-21 Uhr. Trinkgeld: Das Servicepersonal lebt vom Dollar-Trinkgeld. Üblich sind etwa 10 %.
Sehenswert: Die Altstadt von Havanna: Gut restaurierte Straßen und Plätze. Museo Hemingway in Cojimar. Cayo Largo: 25 Kilometer feinster Sandstrand.
Unbedingt machen: Wandeln auf den Spuren der Revolutionäre, in der Comandancia de La Plata, dem Rebellenversteck beim Pico Turquino. Süße Verführung: Im Museo de Chocolate in Alt-Havana werden „bombones“ (Pralinen) vor den Augen der Zuschauer hergestellt. Es darf probiert werden.
Unbedingt vermeiden: Drogen nehmen. Erlaubt ist nur Alkonhol und Musik. Wer anderes genießt, landet schnell im Gefängnis. Geld für bettelnde Kinder. Betteln ist auf Kuba verboten, Eltern haften für ihre Kinder. Baden oben ohne, außer an reinen Touristen-Stränden.
Beliebte Mitbringsel: Kubanischer Rum oder handgerollte Zigarren gleich vom Hersteller. CDs mit Mambo, Salsa & Co.
Literatur: Marco Polo-Reiseführer „Kuba“, 9,95 €; Polyglott on tour Reiseführer „Kuba“, 9,95 €; ADAC Reiseführer „Kuba“, 6,50 €.
Auskünfte: Kubanisches Fremdenverkehrsamt, Kaiserstr. 8, 60311 Frankfurt. Tel. 069/28 83 22, E-Mail: info@cubainfo.de Kubanische Botschaft im Internet: http://emba.cubaminrex.cu/

Reiseinformationen

Reiseangebot: 11-Tage-Rundreise mit Bus und Schiff. Havanna, Piñar del Rio, Guama, Cienfuegos, Ancon, Trinidad, Jaguay, Cayo Santa Maria, Varadero u. a. Ab 1.619 € pro Person im DZ inklusive Flug und Hotel. Information und Buchung

Fotos: Cubanisches Fremdenverkehrsamt

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