Oslo
Norwegische Lebenslust
von Jürgen Römer
Man kann mit dem Flieger kommen. Auch per Bahn. Oder sogar mit dem Auto. Doch dann stimmt die Dramaturgie nicht. Oslo ist auf das Wasser ausgerichtet, auf den Fjord. Wenn man die norwegische Hauptstadt von ihrer Sahneseite kennen lernen will, muss man mit der Fähre fahren. Die passiert morgens früh die enge Durchfahrt bei der Festung Oscarsborg, gleitet vorbei an hohen, dunklen Fjordufern. Dann treten die steilen Wände zurück, der Fjord weitet sich und die Fähre gleitet direkt ins Zentrum von Oslo. Im Morgenlicht liegt die ganze Stadt vor uns: Oben auf den Bergen ist die kühne Konstruktion der Holmenkollen-Skischanze zu erkennen, links die Museumsinsel Bygdø, rechts die alte Stadtfestung Akershus. Vor uns Oslos Hafencity Aker Brygge, gleich dabei die zwei charakteristischen Türme des mächtigen Backstein-Rathauses. Und dann zur Rechten: der schönste Musiktempel nördlich von Sydney – die 2008 gebaute Oper von Oslo. Wie eine gigantische, gekippte Eisscholle liegt sie vor der Stadt im Fjord. Ein architektonisches Wunderwerk aus 38.000 einzelnen computerberechneten Marmorblöcken. Ihr größter Saal entspricht in seinen Abmessungen der Semper-Oper in Dresden. Die akustischen Eigenschaften des Raums gelten als überragend. Hier zeigen die Osloer, was sie haben: Sinn für kulturelle Großprojekte. Und viel Geld. Das sprudelt reichlich aus den norwegischen Ölquellen und hat – da reichlich ausgegeben – Oslo zur teuersten Metropole des Planeten gemacht. 14 Jahre lang führte Tokio den Titel, nun haben die Norweger die Japaner überholt.
Das sollte interessierte Besucher nicht abschrecken. Es sei denn, sie wollten eine schicke Loft-Wohnung in Aker Brygge kaufen. Das ist die hochmoderne Hafen-City von Oslo – mit zum Teil recht mutiger Architektur, prachtvollen Promenaden und teuren Yachthäfen. Ströme von Touristen bevölkern hier Cafés und Restaurants und zahlen mehr für die dargebotene Aussicht auf den Hafen als für die Qualität auf ihren Tellern. Vier große Museen warten auf die Besucher Gehaltvolleres gibt es nebenan. Auf der Museumsinsel Bygdø, mit einem Fährschiff zu erreichen – zum Preis eines Straßenbahntickets. Es geht auch preiswert in Oslo. Gleich vier große Museen warten hier auf Besucher. Das Norsk Folkemuseum, eine Art Disneyland für Heimatforscher, zeigt (Holz-)Baudenkmäler aus ganz Norwegen. Etwas für Abenteurer ist das Kon-Tiki-Museum mit dem gleichnamigen Holzfloß und dem Schilfboot „Ra II“ des Forschers Thor Heyerdal. Auch die „Fram“, das Segelschiff, mit dem sich Fridtjof Nansen im Eis des Nordpolarmeeres einschließen ließ, liegt auf Bygdø. Größter Touristenmagnet aber ist das Wikingerschiff-Museum mit zwei gut erhaltenen Langschiffen aus dem 9. Jahrhundert. Sie stammen aus Häuptlingsgräbern, waren u.?a. mit Waffen und Schmuck ausgestattet und zeigen den Reichtum, den die Wikinger damals durch Handel oder unorthodoxeres Vorgehen angehäuft hatten.
Zurück in die moderneren Zeiten. Etwa auf den Spuren von Edvard Munch. Sein Bild „Der Schrei“ malte der Künstler gleich in vier Versionen. Nr. 1 wurde dauerhaft aus dem Munch-Museum entwendet, Nr. 2 wurde vor Jahren gestohlen, fand sich aber nach kurzer Zeit in einem Hotelzimmer wieder und hängt in der Nationalgalerie, Nr. 3 besitzt ein Sammler und Nr. 4 ist leider nur ein Entwurf. Trotzdem: Eins der Bilder werden Sie mit Sicherheit in Oslo ansehen können. Aus schwerwiegenden Gründen weniger vom Schwund bedroht ist das Werk des Künstlers Gustav Vigeland. Im Vigeland-Park stehen 200 lebensgroße Figuren aus Granit und ringen – mit Vater, Mutter, miteinander oder mit dem Schicksal. 20 Jahre lang arbeitete Vigeland an seinem Gesamtkunstwerk unter freiem Himmel. Und der ist an den langen Sommertagen – mit rund 40 Prozent Sonnenstunden und Temperaturen bis zu 30 Grad – den Osloern sehr gnädig gesonnen. Kein Wunder, dass dann vor den kleinen Läden und Cafés in Grünerløkka die Kinderwagen in Zweierreihen stehen und das Leben im Freien stattfindet. In diesem ehemaligen Arbeiterviertel im Nordosten Oslos entstand in den letzten Jahren der Prenzlauer Berg Oslos. Bewohnt von Designern, Medienmenschen, Lebenskünstlern oder begüterten Studenten, die sich die stolzen Preise selbst für kleine Wohnungen hier leisten können. Wer Souvenirs jenseits von Wurzeltrollen oder Zinn-Wikingerschiffen sucht, wird hier fündig. In schrägen Designerläden, feinen Boutiquen oder in einem der kleinen Fair-Trade-Läden. Das Viertel ist eine echte Alternative zur Aker Brygge am Hafen. Und bietet an sonnigen Tagen die größte Caféstuhl-Dichte der ganzen Stadt.
Reiseangebot
Beste Reisezeit: Ganzjährig. An Bord sind alle Jahreszeiten schön. Gleiches gilt für Norwegens Hauptstadt. Der Golfstrom führt milde Luft- und Wassermassen in den Atlantik und sorgt damit für angenehmeres Klima in Oslo, als es dem nördlichen Breitengrad entsprechen würde. Im Winter wird es durchschnittlich bis minus 4 C° kalt, im Sommer (Juli-August) durchschnittlich 16 C° warm.
Sprache: Norwegisch. Englisch und Deutsch sind weit verbreitete Fremdsprachen.
Zeit: MEZ/MESZ.
Geld: Norwegische Krone (NOK), 1 EUR = 8 NOK. EC- und Kreditkarten werden überall akzeptiert.
Gesundheit: Behandlungskosten werden durch die Europäische Krankenversicherungskarte abgedeckt. Beim Zahnarzt muss evtl. noch bar bezahlt werden.
Essen & Trinken: Die Kreuzfahrtschiffe Color Magic und Color Fantasy haben acht sehr unterschiedliche Restaurants an Bord, die keine Wünsche offen lassen. In Norwegen sollten Reisende unbedingt Pølser-Hot-Dog probieren – ein leuchtend rot eingefärbtes Würstchen (Røde Pølser) im Brötchen mit Soßen und Zutaten nach Wahl.
Sehenswert: Im Kon-Tiki-Museum sind Wasserfahrzeuge und Gegenstände der Expeditionen von Thor Heyerdahl wie das Original-Floß von 1947 ausgestellt. Im Wikingerschiffmuseum (Viking-skipshuset) werden die am besten bewahrten Wikingerschiffe der Welt gezeigt. Sie stammen aus dem 9. Jahrhundert. Die Akershus festning (Festung) ließ König Håkon V. 1299 errichten, im 14. Jahrhundert wurde die Burganlage weiter ausgebaut. Der Vigeland Skulpturenpark (Vigelandsparken) mit mehr als 200 Skulpturen in Bronze, Granit und Schmiedeeisen über den Zyklus des Lebens ist eine der beliebtesten Attraktionen Norwegens – mit über einer Million Besucher jährlich. Er ist das Lebenswerk des Bildhauers Gustav Vigeland (1869-1943). Der Park ist ganzjährig geöffnet.
Literatur: „Iwanowski’s Norwegen“, Tipps für individuelle Entdecker, mit Landkarte, 22,95 €.
Auskünfte: Königlich Norwegische Botschaft, Rauchstr. 1, 10787 Berlin. Tel.: 030 - 50 50 50. Internet: www.norwegen.no und www.visitnorway.de; Color Line GmbH, Norwegenkai, 24143 Kiel, Tel. 0431/73 00-300, www.colorline.de.
Reiseinformationen
Wie wäre es mit einer Stippvisite in Oslo? Angebot: Sie fahren mit der M/S Color Fantasy oder M/S Color Magic die Strecke Kiel-Oslo-Kiel, übernachten zweimal in einer 3-Sterne-2-Bett-Innenkabine. Der Tag beginnt mit einem reichhaltigen Frühstücksbuffet an Bord. Ihr Domizil für den Aufenthalt in Oslo ist das „Park Inn Hotel“. Sie übernachten im komfortablen Doppelzimmer inkl. Frühstück. Das „Park Inn Hotel Oslo“ ist sehr zentral gelegen, nur wenige Gehminuten von der Karl Johans Gate entfernt. Preis: ab 219 € pro Person. Info und Buchung: Color Line GmbH, Norwegenkai, 24143 Kiel, Tel. 0431/73 00-300, www.colorline.de.
Fotos: Innovation Norway; Color Line GmbH
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