Tobago
Sweet, soft & lazy
von Alexander Beyler
Hätte Kolumbus gewusst, wie gut man sich auf diesem Tropen-Eiland erholen kann, wäre er sicher nicht daran vorbei gesegelt. „Bella Forma“ nannte er 1498 die Kleine Antillen-Insel nordöstlich von Trinidad. Ob er damit die Gestalt der Insel meinte oder die schönen Formen, die es auch heute noch an den meist einsamen Stränden zu bewundern gibt, ist allerdings nicht bekannt … „Neu-Kurland“ hieß das Eiland im 17. Jahrhundert, als es zwischen Niederländern, Briten und Franzosen mal von den Letten besetzt war. Der Name der schönsten Bucht, Great Courland Bay, erinnert an die zeitweilige Inselherrschaft des Herzogs von Kurland (jetzt Lettland), ebenso wie einige Festungsreste und Denkmäler. Durchgesetzt hat sich die alte Bezeichnung Tobago. Das ursprünglich aus der Sprache der qualmenden Kariben stammende Wort kann „Tabak“ oder „Pfeife“ bedeuten. Egal, heute müssen Raucher trotzdem vor die Tür. Palmen, Sand, ein Cocktail im Pool. Great Courland Bay im Westen von Tobago ist ein recht exklusiver Küstenstreifen mit passablen Übernachtungsmöglichkeiten in unmittelbarer Strandlage wie dem „Rex Turtle Beach Hotel“, dem „Mount Irvine Bay Hotel“ an der gleichnamigen Bucht sowie dem „Le Grand Courland“ an der Stonehaven Bay. Ein Golfplatz ist auch vorhanden. Außer den hoteleigenen gibt es den öffentlichen Strand Mount Irvine Beach. Ein Eldorado für Surfer und eine Fundgrube für Schnorchler. Der Meeresgrund besteht aus Sand und Felsen. Auf einer steinigen Anhöhe an der Nordseite der Stonehaven Bay liegt Fort Bennet. Abgesehen von einigen Kanonen erinnert jedoch nur noch wenig an die Festung. Doch die Aussicht auf die Küste ist famos. Je weiter man nach Osten kommt, desto rauer und schöner wird die Gegend. Rund acht Kilometer östlich von Scarborough liegt Granby Point, eine Landzunge, die die Barbados Bay von der Pinfold Bay trennt. Vom Parkplatz bis zum Standort der ehemaligen Festung Fort Granby, von der leider wenig erhalten ist, sind es nur wenige Gehminuten. Von der Anhöhe aus hat man einen herrlichen Blick über das nahegelegene Smith’s Island.

Gleich hinter Scarborough wird die Landschaft bergig und ländlich. Die Windward Road nach Speyside im Nordosten führt durch vereinzelte Dörfer, vorbei an Urwaldtälern und braunen Sandstränden. Kurz hinter Goodwood zweigt eine kleine Straße ins Inselinnere ab. Hier beginnt das Main Ridge Forest Reserve. Dieser Regenwald wurde bereits 1776 zum Naturschutzgebiet erklärt, zählt damit zu den ältesten der Welt. Ein Schlaraffenland für Naturliebhaber Es ist schwül, aber deutlich kühler als vor wenigen Minuten auf der Küstenstraße. Schattiges Blätterdickicht über den Köpfen, teppichweicher Boden unter den Füßen. Bunte Schmetterlinge und Insekten, Kolibris und Papageien. Kleine Affen. Lichte Bambushaine wechseln mit dichtem Dschungel. Plötzlich hören wir Plätschern und Rauschen. Es ist einer von sechs großen und zahlreichen kleinen Wasserfällen, die sich über den Felsen des Bergregenwaldes ergießen. Unter dem Rainbow Waterfall bildet der Goldsborough River einen natürlichen Pool. Ein Bad im Regenwald – herrlich erfrischend! Über fast 30 Kilometer, quer durch das Reservat, erstreckt sich der Rücken des Tobago-Gebirges, dessen höchste Erhebung mit 576 Metern der Pigeon Peak ist.
Neben Motmots, Cocoricos und vielen anderen exotischen Vogelarten findet man hier auch seltene Pflanzen, die es sonst am Amazonas gibt. Der Grund dafür ist, dass Tobago und Trinidad erst gegen Ende der letzten Eiszeit vom südamerikanischen Festland abgetrennt wurden. Der am besten markierte Weg durch das Main Ridge Forest Reserve ist der Gilpin Trace. Er startet in den Bergen an der Roxborough-Parlatuvier-Straße und führt Regenwaldbesucher bergab an einem kleinen Wasserfall vorbei zur Bloody Bay, die ihren Namen einer blutigen Seeschlacht verdankt. Ein verträumtes Dorf, über dessen Hauptstraße man direkt ans Meer gelangt, ist Buccoo. Jeden Sonntagabend steigt hier am Strand eine große Party, die Sunday School. Bei Rum, Carib, heißer Musik und Tanz versammelt sich die halbe Insel und feiert bis in die frühen Morgenstunden.
Eines der berühmtesten Korallenriffe ist das Buccoo Reef in Crown Point, zwischen Pigeon Point und Buccoo Bay an Tobagos Südwestküste gelegen. Ein atemberaubender Unterwassergarten von ungefähr 15 Hektar lädt zum Schnorcheln und Tauchen ein. Hier tummeln sich tropische Fische 70 verschiedener Arten. Absolutes Highlight ist der Nylon Pool in der Mitte des Riffs – eine riesige, nur einen Meter tiefe, natürliche Badewanne! Little Tobago, auch bekannt als Bird of Paradise Island, ist eine halbe Bootsstunde von Speyside entfernt, bietet Naturliebhabern eine wahrhaft paradiesische Vielfalt. Obwohl das Inselchen im Durchmesser nur knapp 100 Meter misst, befinden sich hier recht steile Anhöhen mit Wanderwegen. Und es lohnt sich, nach oben zu steigen, denn es gibt Beobachtungsmöglichkeiten ohne Ende. Um die Vögel anzulocken, wurden extra früchtetragende Bäume und Sträucher gepflanzt. Vor der Rückfahrt legen wir am Riff vor Goat Island und am Little Tobago Riff an der Südwestseite der Insel Zwischenstopps zum Schnorcheln ein.
Das Wasser ist dort so klar, dass man bis zu 20 Meter Tiefe gut sehen kann. An den seichteren Stellen liegen die Korallenriffe kaum einen bis zwei Meter unter der Wasseroberfläche. Deshalb lohnt sich auch die Fahrt mit einem Glasbodenboot. Start ist am Restaurant „Jemma’s Treehouse“ oder am Hotel „Blue Waters Inn“. Auch das verträumte Fischerdörfchen Charlotteville, gleich hinter Speyside, an der Man of War Bay, bietet tolle Plätze – zum Essen und, wie die Einheimischen sagen, zum „Limen“. Aber: Zum Nichtstun ist Tobago eigentlich viel zu schade.
Reiseangebot
Beste Reisezeit: Ganzjährig.
Klima: Aufgrund der Nähe zum Äquator bietet Tobago mit durchschnittlich 29 °C Luft- und 26 °C Wassertemperatur ganzjährig gleichbleibende klimatische Bedingungen.
Sprache: Englisch.
Zeit: MEZ minus 5 Stunden.
Geld: Landeswährung ist der Trinidad & Tobago Dollar (TT$). 1 EUR = 8,28 TT$.
Dokumente: Für die Einreise nach Trinidad und Tobago wird ein Reisepass benötigt, der nach Ausreise noch mindestens 6 Monate gültig ist, sowie ein Rück- bzw. Weiterreiseticket.
Gesundheit: Die ärztliche Versorgung ist gut. In Scarborough gibt es ein kleines Krankenhaus. Eine Auslandskrankenversicherung ist ratsam.
Essen & Trinken: Kreolische, afrikanische und indische Küche in einem einzigartigen Mix. Gern gegessen werden Fischgerichte. Es gibt aber auch Fleisch, das meist mit Curry-Saucen zubereitet wird. Dazu werden Rotis (Fladenbrot) und Dumplings (Teigklöße) serviert. Vor Chili- und Pfeffersoßen sollte man sich in Acht nehmen, diese sind meist extrem scharf. Bekannte Gerichte sind: Pelau (Reis mit Erbsen und Fleisch), Pumpkin Soup with Ginger (Kürbissuppe mit Ingwer und Buljohl (Salat aus Avocados, Fisch, Tomaten und Zwiebeln). Ein einheimisches Gemüse: Callalloo aus der Dasheen-Pflanze, ähnelt Spinat.
Restaurant: „Jemma’s Tree House“, Speyside, kleine Hütten auf Stelzen mit Meerblick.
Sehenswert: Scarborough: Fort King George, eine ehemalige militärische Befestigung der britischen Kolonialherren und der botanische Garten der Stadt; Pigeon Point, ein bekannter Strand – ein Postkartenmotiv; Man O’War Bay bei Charlotteville, schöne Bucht und nettes Fischerdorf; Korallenriff Buccoo Reef, ein Taucherparadies; Argyle-Waterfall bei Roxborough; Pigeon Peak (576 m), die höchste Erhebung der Insel; Main Ridge Forest Reserve and Creation Site, ein Naturschutzgebiet im Regenwald mit vielen verschiedenen Vogelarten.
Unbedingt machen: Tour mit dem Glasbodenboot ab Speyside zur „Bird of Paradise Island“ (Little Tobago) inkl. Schnorchelausflug zur größten Hirnkoralle der Welt. Im Zeitraum März bis August die Riesenschildkröten bei der Eiablage beobachten. Ausflug auf die Nachbarinsel Trinidad.
Unbedingt vermeiden: Beim Losfahren mit dem Mietwagen vergessen, dass Linksverkehr herrscht.
Beliebte Mitbringsel: CDs mit den nationalen Musikrichtungen wie Steelpan, Calypso, Soca, Rapso, Chutney und Parang. Einheimische Rumsorten und der weltbekannte Angostura Bitter. Kleider und Stoffe. Es gibt sogar eine Trinidad & Tobago Fashion Week, und einige Designer wie Heather Jones sind mittlerweile schon international gefragt.
Literatur: „Karibik/Kleine Antillen“, Iwanowski’s Reieseführer, 22,95 €.
Auskünfte: Fremdenverkehrsamt Trinidad & Tobago, Postfach 2647, 55016 Mainz, Tel. 06131/333 29 99, info@gotnt.de, www.gotnt.de.
Reiseinformationen
Direkt am feinsandigen Strand der Great Courtland Bay und etwa 20 Autominuten von der Inselhauptstadt Scarborough entfernt liegt das „Turtle Beach by Rex Resorts“. In der 3-Sterne-Anlage mit 125 Zimmern bietet FTI eine Woche Übernachtung inkl. Flug ab/nach Frankfurt oder Düsseldorf ab 1.148 € pro Person im DZ an. Wahlweise kann Frühstücksbuffet oder All inclusive gebucht werden. Information und Buchung
Fotos: Fremdenverkehrsamt Trinidad & Tobago
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