Barbados
Ein idealer Ort zum Abtauchen
von Thomas Meins
Als Mann hat man für sowas ja keinen Blick, aber meine Frau bemerkt die Szene am Straßenrand sofort. „Halt doch mal an! Ist das nicht das Pärchen aus unserem Flieger?“ Die beiden Turteltäubchen, die gestern vor uns in der Condor-Maschine aus Frankfurt saßen, stehen vor einem knallbunten Holzhäuschen am Strand. Er im hellen Anzug, sie im kurzen Brautkleid, im Haar eine rote Orchidee. Klar, die beiden haben geheiratet, auf karibische Art. Unter Palmen, vor der Kulisse des türkisfarbenen Meeres gibt es ein Glas Champagner am weißen Strand, der mit dem glücklichen Pärchen aus Germany um die Wette zu strahlen scheint. Barbados ist dank unkomplizierter Bürokratie und staatlicher Abkommen ein Traumziel für Heiratswillige. Das Standesamt ist überall – in einer Strandhütte, auf einer Yacht oder im Herrenhaus einer ehemaligen Zuckerrohrplantage. Hätten meine Frau und ich noch nicht geheiratet – spätestens hier und jetzt würden wir es wohl tun! Aber wir sind nicht zum Heiraten gekommen, sondern um Sightseeing zu machen. Barbados ist klein, 36 km lang und 24 km breit, und verfügt über ein gut ausgebautes Straßennetz. Per Leihwagen kommt man schnell und sicher von Ort zu Ort. Die Wege sind kurz, aber very British: Es herrscht Linksverkehr. Bis 1966 gehörte Barbados zum Empire – insgesamt 300 Jahre lang. Noch heute regeln Officers in schmucken Uniformen den Verkehr. „Is this the way to Dover?“, frage ich einen Polizisten, als wir unser Hotel suchen. Und „Yes, Sir“ wird mir im besten Oxford-Englisch geantwortet.
Auf Barbados kommt einem vieles Englisch vor: Die Orte heißen Oxford, Cambridge oder eben Dover. Es gibt einen Trafalgar Square. Die Damen spielen Bridge, die Herren Polo oder Cricket. Alles ist sehr vertraut – nur dass es mehr Palmen und deutlich besseres Wetter auf Barbados gibt als auf der britischen Insel. Bei dieser britischen Atmosphäre liegt das Thema Shopping in der Luft – für meine Frau. Also ist die Inselhauptstadt Bridgetown – knapp 100.000 Einwohner groß und ein Mix aus britischer Tradition plus karibischer Lebensfreude – unser Ziel. Wir starten am alten Hafen der Stadt, der Careenage. Wo früher Fracht- und Segelschiffe ankerten, liegen heute Fischerboote und Yachten. Zu beiden Seiten des kleinen Hafenbeckens sind die restaurierten Lagerhäuser mit Restaurants, Bars und Läden zu neuem Leben erwacht. Über die Chamberlain Bridge gehen wir zum Trafalgar Square, dem Platz mit den sehenswertesten Baudenkmälern der Stadt – den beiden neogotischen Gebäuden des Inselparlaments und der Statue des Seehelden Lord Nelson, die 36 Jahre älter ist als das berühmte Pendant in London. Gleich hinter dem guten alten Lord beginnt die wichtigste Einkaufsstraße von Bridgetown, die Broad Street. Sie ist schmal und nur wenige hundert Meter lang, aber voller Duty-Free-Shops, Boutiquen und Einkaufspassagen. Verkauft werden vor allem Klamotten, Designer-Uhren und Parfüm. Touristen-Schnäppchen eben, aber in der Verandah Art Gallery entdecken wir eine bunte Auswahl karibischer Kunstwerke – Ölgemälde, Keramik, Textilarbeiten. Noch eine Entdeckung: die hübsche Swan Street mit pittoresken, balkongeschmückten Häuschen. Am Nachmittag stechen wir in See.
Von Bridgetown aus starten Fahrten zu den Korallenriffen an Barbados’ Westküste, einem hervorragenden Tauchrevier. Und das kann man auch trockenen Fußes bewundern. Mit einem Boot fahren wir zu einem Submarine, dem „Atlantis III“, klettern durch die Luke und nehmen Platz an einem der großen Fenster. In der nächsten knappen Stunde fühlen wir uns wie in einem Film von Jacques Costeau. Wir gleiten in die Unterwasserwelt der Karibik, tauchen bis zu 50 Metern in die Tiefe. Vor den Fenstern ziehen exotische Fische, bizarre Korallen und überwucherte Schiffswracks vorbei. Zum Greifen nah und hell erleuchtet von den Scheinwerfern der „Atlantis“. Nach ein paar Tagen Strandleben zwischendurch sind wir entspannt genug für die nächste Barbados-Exkursion: ein Trip an die raue Ostküste. Rau, weil an dieser Küste der Atlantik mit tosender Brandung auf steile Klippen trifft. Früher ein Paradies für Piraten, heute für geübte Surfer. Wir schnuppern frische Seeluft und ein bisschen Inselgeschichte. Eines der ältesten Plantagenhäuser der Karibik, erbaut Mitte des 17. Jh., steht im Norden von Barbados. Eine schmucke Allee aus Mahagonibäumen führt zu dem Renaissance-Anwesen mit seinen geschwungenen Giebeln, Eckkaminen und hohen Fenstern. Zu St. Nicholas Abbey gehören 180 Hektar Plantagen, hauptsächlich Zuckerrohr – Rohstoff für den Rum, der auf der Insel seit Jahrhunderten gebrannt wird. Hinter dem Dorf Belleplaine biegen wir auf eine Nebenstrecke ab, die direkt an der Küste entlangführt. Auf den nächsten Kilometern bewundern wir herrliche Sandstrände und mächtige, vom Atlantik umspülte Felsen. Baden ist möglich, aber lieber nur bis zu den Knien. Hohe Wellen und gefährliche Strömungen haben hier manches Opfer gefordert. Daher baden kaum noch Bajans an diesem Punkt der wilden, aber hinreißenden Ostküste. Im malerischen Bathsheba machen wir Halt zum Lunch. Auf der Meerblick-Terrasse des „Hotel Atlantis“ bestellen wir die Spezialität der Insel: „Flying Fish“. Der gegrillte, schlanke Fisch kommt mit Cou-Cou, einer Mischung aus Okra und Maismehl, auf den Teller. Dazu noch ein Löffel von der scharfen Pepper Sauce – köstlich!
Meine Frau möchte sich jetzt die Andromeda Botanic Gardens ansehen, mich zieht es zu einem echten Piratennest. Die Andromeda-Gärten, Mitte des 20. Jh. von einer engagierten Hobby-Botanikerin angelegt, gehören zu den prächtigsten Gärten der Karibik. Die Vegetation ist so üppig, wie sie unter südlicher Sonne nur sein kann. Zu sehen sind Kohlpalmen, Baumfarne, Brotfruchtbäume, Kakteen, Papyrus, Orchideen, Oleander und die Goethea cauliflora – ein nach unserem Dichterfürsten benanntes Malvengewächs. So friedlich-poetisch ging es im Osten der Insel nicht immer zu: Einige Kilometer weiter südlich herrschte einst ein echter Pirat der Karibik: Bukanier Samuel Hall Lord ließ hier 1830 am Steilufer ein georgianisches Schloss errichten. Der Legende nach soll Lord Laternen in den Kokospalmen aufgehängt und so die Schiffe auf die Klippen gelockt haben. Danach ließ er die Schiffbrüchigen töten und die Fracht rauben. Offenbar ein einträgliches Geschäft, wie das elegante Sam Lord’s Castle beweist. Bis vor wenigen Jahren residi
erte darin ein Luxushotel, heute verfällt das Haus. Unser letzter Ausflug gilt Barbados’ Platinküste nördlich von Bridgetown. Traumstrand folgt auf Traumstrand. Eine der besten Badebuchten ist die Sandy Lane Bay, wo auch das berühmte Sandy Lane Hotel mit seinem 18-Loch-Golfplatz liegt, einer von insgesamt acht Plätzen der Insel. Nach einem Bad in der Mullins Bay fahren wir weiter Richtung Norden. Die Landschaft wird karger, dafür sieht man hier überall die so genannten Chattle Houses, bunte, putzige Holzhütten mit Wellblechdach. Typische Behausungen der früheren Plantagenarbeiter – ein Mobilheim ohne Fundament, das bei Bedarf per Ochsenkarren umziehen konnte. Wäre ein Urlaub in solch einer Hütte nicht der ultimative Stresstest für Pärchen? 14 Tage lang auf 4 mal 6 Meter an einem einsamen Strand – wer das aushält, kann auch heiraten.
Reiseangebot
Beste Reisezeit: Dezember bis April.
Klima: Tropisch. Das ganze Jahr über herrschen Lufttemperaturen von ca. 26 °C mit geringen Temperaturschwankungen. Regenzeit ist von Mai bis Oktober. In dieser Zeit können Hurricans auftreten.
Sprache: Englisch.
Zeit: MEZ minus 6 Stunden.
Geld: Barbados-Dollar (BBD). 1 EUR = 2,64 BBD
Dokumente: Reisepass, der noch mindestens sechs Monate über den Reisetermin hinaus gültig ist.
Gesundheit: Achten Sie auf Lebensmittelhygiene, um Durchfallerkrankungen zu vermeiden – z.?B. kein Wasser aus der Leitung trinken! Schützen Sie sich vor Mücken. Theoretisch besteht die Gefahr einer Übertragung von Dengue-Fieber durch Stechmücken.
Essen & Trinken: In der Küche von Barbados zeigen sich Einflüsse afrikanischer, karibischer, indischer und europäischer Einwanderer. Sogar das englische Frühstück hat sich seit der Kolonialzeit bewahrt. Nationalgericht ist Flying Fish. Ebenfalls typisch: Pepperpot, ein Fleischeintopf mit Chili, Nelken und Zimt. Eine beliebte Beilage ist Cou-Cou aus Okra und Maismehl. Typische Nachspeisen: Foo Foo aus Kochbananen und Conkies – eine Mischung aus Maismehl mit Süßkartoffeln, Kokosnuss, Kürbis und Rosinen, die in einem Bananenblatt gedünstet wird. Es gibt viel frisches Gemüse wie Breadfruit (Brotfrucht) und Obst – Mango, Papaya und Zuckerrohr, aus dem der Rum gebrannt wird.
Restaurants: Das Angebot an Bajan-Küche ist groß. Unser Tipp: das „Atlantis“ in Bathsheba.
Sehenswert: Bridgetown: Bridge-Gate, Trafalgar Square mit Nelson-Säule, Parlamentsgebäude, St. Michael’s Cathedral; Speightstown, ein malerisches Fischerdorf; die Windmühle in Morgan Lewis Mill; Bathsheba, ein schöner Ort mit Andromeda Garden; St. James Church von 1660, eine der ältesten Kirchen der Karibik; das Barbados Museum dokumentiert die Geschichte der Insel und auch St. Nicholas Abbey vermittelt einen Eindruck vom Leben im 18. Jahrhundert; Barbados Wildlife Reserve, ein Gehege mit heimischen Tierarten wie Schildkröten und Affen; Fairley Hill National Park; Harrisons´s Cave; Welchman Hall Gully.
Unbedingt machen: Baden und Schnorcheln, am besten an der Westküste. Auf dem East Coast Highway fahren und die Landschaft genießen.
Unbedingt vermeiden: An der Atlantikküste zu weit aufs Meer hinausschwimmen. Es gibt starke Strömungen.
Beliebte Mitbringsel: Rum, Porzellan, Parfüm, Bekleidung, einige technische Geräte und Uhren kann man auf Barbados besonders günstig (duty free) erwerben. Zum Shopping empfiehlt sich in Bridgetown die Broad Street und samstags der Fairchild Market.
Literatur: ADAC Reiseführer „Karibik“ von Gerold Jung, 7,95 €.
Auskünfte: Barbados Tourism Authority c/o AVIAREPS Tourism GmbH, Sonnenstraße 9, 80331 München, www.barbados-karibik.de.
Reiseinformationen
An der Südküste von Barbados, direkt am feinen Sandstrand in Christ Church, liegt das charmante „Silverpoint Hotel“. Die komfortablen Zimmer und das weitläufige Sonnendeck bieten einen wunderbaren Blick auf den Strand und das Meer, das an dieser Stelle der Insel bei Wassersportlern sehr beliebt ist. Das 4-Sterne-Hotel verfügt u.?a. über eine ansprechende Pool-Area mit zwei Pools, ein À-la-carte-Restaurant und eine Bar. Preis: TUI hat 7 Tage „Silverpoint Hotel“ p.?P. im DZ inkl. Flug ab/bis Deutschland schon für 1.404 Euro im Katalog. Wahlweise ist nur Unterkunft, ÜF oder HP buchbar.
Fotos: Barbados Tourism Authority
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