Brandenburg

Urlaub auf dem Hausboot

von Lisa Kluxen

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Das Rote? Oder das Gelbe? Vielleicht ja auch das Grüne … Während mein Partner und ich noch rätseln, welches der farbenfrohen BunBos am Anleger von Brandenburg Plaue uns wohl für die nächsten Tage gehören wird, kommt schon ein Mitarbeiter der Aquare Charter GmbH freundlich auf uns zu. BunBo – diese Abkürzung steht für Bungalow-Boot und bezeichnet ein ­Gefährt, das auf Basis von zwei Schwimmkörpern sicher übers Wasser gleitet. Versehen mit einem 15 PS ­starken Außenbord-Motor, der das schwimmende Blockhaus vorantreibt. Ein Bootsführerschein? Ist nicht erforderlich. Doch bevor es auf große Fahrt geht, bekommen wir eine gründliche Einweisung in die Handhabung des BunBos und das Verhalten auf dem Wasser. Unter anderem lernen wir, dass BunBo-Kapitäne Schwimmern, Kanus und kleineren Booten ausweichen müssen. Der freundliche Aquare-Mann erklärt uns, was die Bojen im Wasser zu bedeuten haben. Und dass auch auf den Wasserstraßen „rechts vor links“ gilt. Okay, das haben wir verstanden. Die praktische Handhabung des ­BunBo ist erstaunlich einfach. Selbst eine ausgesprochene Landratte wie ich kann unser schwimmendes Ferienhaus bereits nach kurzer Zeit sicher durch die brandenburgischen Seen und die vielen Flussarme der Havel manövrieren.

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Ab Plaue lassen sich mit den BunBos verschiedene Reviere ansteuern. Flussabwärts geht es die Untere Havel entlang in Richtung Havelberg, fluss­aufwärts nach Berlin. Wer einen Boots­führerschein besitzt, darf sogar downtown bis nach Potsdam oder Berlin schippern – direkt am Reichstag vorbei. Eine andere Route führt ab Buchholz (in Brandenburg) bis zur Müritz in der Mecklenburgischen ­Seenplatte, und ab Juni 2011 kann ein drittes Revier südöstlich von Berlin bis zum Scharmützelsee befahren werden. Aber zurück zum Anleger am Plauer See. Da stehen sie in der Sonne, die bunten BunBos. Wie eine schwedische Ferienkolonie. Unser BunBo ist von außen schwedenrot. Und auch innen ziemlich schwedisch. Im Wohn­bereich erkennen wir unser Ikea-Regal wieder, fühlen uns gleich wie Zuhause. Die Einrichtung ist einfach, aber sehr gemütlich. Selbst einen Kaminofen gibt es, für kühlere Tage. Und was man sonst noch so braucht: Gasherd, Kühlschrank, Toilette und Warmwasser­dusche. Besonders gut gefällt uns die große überdachte Terrasse mit einer Feuerstelle. Und nun heißt es „Leinen los, volle Kraft voraus“! Volle Kraft bedeutet etwa 9 Kilometer pro Stunde. Das heißt: Ganz gemütlich tuckern wir die Havel flussaufwärts. Unsere geplante Route: Vom Plauer See soll es über Brandenburg zunächst nach Ketzin gehen, ­weiter bis Werder und dann zurück. Das gemächliche Tempo gibt uns ­Gelegenheit, die Fauna und Flora des Havellandes in Ruhe zu beobachten. Wir müssen gar nicht lange warten, bis der erste Reiher vor uns auftaucht. ­Später werden wir auf unserer Havelland-Safari noch Eisvögel, Störche, ­Otter und Biber zu Gesicht bekommen.

Am Naimagechmittag erreichen wir eine kleine Bucht mit Sandstrand, die wir für uns allein haben. Ja, da kommt ­Robinson Crusoe-Feeling auf! Wir ­rammen die Ankerpfähle in den weichen Boden, schaffen Decken und Grill an den Strand und lassen den Abend mit Koteletts und Kartoffelsalat ausklingen. Als wir später im Bett liegen, schlagen die Wellen sanft gegen das BunBo, schaukeln uns in den Schlaf. Echt romantisch! Am nächsten Morgen – wir genießen gerade das Frühstück auf der ­Terrasse – gesellt sich noch ein zweites BunBo in „unsere“ Bucht. „Des iss ja göddlisch here, Mobbelsche!“, dringt es deutlich von drüben herüber. Nach einem höf­lichen, aber kurzen Smalltalk lichten wir die Anker. Es ist wunderbar, mit unserem Ferienhaus mobil zu sein. Bereits nach einem Tag hat sich unser Rhythmus dem ruhigen Tuckern des Außenborders angepasst. Stress und Hektik sind ganz weit weg. Der Weg ist das Ziel. Gemächlich ziehen wir vorbei an dichtem Schilf, weitläufigen Auen, Wäldern und kleinen Buchten. Stress und Hektik sind ganz weit weg Überall um uns herum fiept und piept es im Schilf. Ab und zu tauchen hinter einer Flussbiegung der nächste See auf oder mal wieder ein paar schnatternde Wasservögel. Die Sonne scheint. Ich lasse meine Füße von der Terrasse ins Wasser baumeln, wo sie kleine Rinnen im Fahrwasser hinterlassen. Mittags erreichen wir das erste Ziel unserer Etappe: Brandenburg an der Havel. Wir machen unseren ­BunBo zwischen zwei schnittigen Sportbooten am Anleger fest und brechen auf zur Stadterkundung.

imageBrandenburg hat einen hübschen historischen Ortskern und bietet ein so vielseitiges kulturelles Programm, dass die Stippvisite in Brandenburg fast zum Freizeitstress ausartet: „Jetzt waren wir im Dom St. Peter und Paul – schauen wir uns noch das St.Pauli­kloster an? Interessant wären außerdem der Marienberg und einige Museen. Wir könnten auch einen Einkaufs­bummel machen oder an der Jahrtausendbrücke einen Kaffee trinken … “ Als wir schließlich mit müden Füßen ablegen und Brandenburg hinter uns lassen, taucht eine Schwanenfamilie aus dem Schilf auf, begleitet uns ein Stück mit ihrem Geschnatter. Und schon ist sie wieder da – diese Gemächlichkeit, sich einfach treiben lassen und die schöne Landschaft des Havellandes passieren zu lassen. An den kommenden Tagen wird die ­Gewässerkarte zu einem wichtigen Utensil. Wir nehmen uns viel Zeit, die Region in aller Ruhe zu erkunden. Inzwischen sind wir richtig routiniert beim Anlegen und Wenden. Hier und da biegen wir in einsame Seitenarme, fühlen uns jedes Mal ein bisschen wie Entdecker. Und dort, wo es uns gefällt, bleiben wir eine Weile. Manchmal nur für einen Kaffee, den wir uns in der Bordküche zubereiten, oder für einen kleinen Spaziergang am Ufer. Bis wir schließlich Werder vor uns haben. Die Anfahrt auf die Stadt, mitten auf einer Insel gelegen, hat Postkarten-Qualität. Schon von weitem begrüßt uns die Heilig-Geist-Kirche und eine Bockwindmühle. Die Innenstadt bezaubert mit idyllischen Gassen und sanierter Altstadt. Bekannt ist Werder für den Obstanbau. Und auch in der Stadt blühen gerade viele Obstbäume. Das Erholen fällt da leicht. Nicht ohne Grund trägt Werder den Titel „Staatlich anerkannter Erholungsort“. Nun heißt es allerdings wieder Kurs nehmen auf unseren Heimathafen Plaue. Und nach einer Woche erreichen wir gut gelaunt und gut erholt den Steg, wo die BunBos auf die nächsten ­Feriengäste warten. Manchmal sind die Dinge eben doch so simpel wie ein Werbeslogan: „Hausboot mieten, ­Urlaub genießen“.

Reiseangebot

imageBeste Reisezeit: Bis auf die Monate Januar bis Ende Februar können das ganze Jahr über Touren auf der Havel unternommen werden. Die Bunbos sind gut isoliert und vor dem Kaminofen erlebt man winterliche Gemütlichkeit.
Klima: Übergang zwischen ozeanischem und kontinentalem Klima. Die Durchschnittstemperaturen im Winter liegen knapp unter dem Gefrierpunkt, im wärmsten Monat Juli bei 18 °C. Brandenburg gilt als Deutschlands sonnenreichstes Bundesland und ist relativ regenarm. Niederschläge fallen vor allem in den Sommermonaten.
Sprache: Hochdeutsch, z.T. Märkisch-Plattdeutsch.
Dokumente: Personalausweis. Bootsführerschein ist nicht erforderlich. Zum Angeln: staatlicher Fischereischein und gültige Angelkarte.
Essen & Trinken: Wegen der zahlreichen Binnengewässer gibt es viele Fischgerichte vor allem mit Hecht, Zander, Aal und Karpfen. Probieren Sie z.B. Havelzander auf Schmorgurken. In Brandenburg wird viel Gemüse angebaut: Kartoffeln, Weißkohl, Teltower Rübchen, Spreewald-Gurken, Meerrettich. Bei Werder: Obstanbau – die Birne ist besonders beliebt. Theodor Fontanes „Herr von Ribbeck“ mit dem Birnbaum berichtet darüber. Aus den Wäldern kommen frische Pilze auf den Tisch oder in den Topf – wie in den Märkischen Eintopf mit Rinderfilet. Neben bekannten Torten und Kuchen der brandenburgischen Küche z.B. Plinse (Eierpfannkuchen) oder Klemmkuchen (ein Art von Waffel) nicht fehlen.
Restaurants: „Kartoffelkäfer“, Steinstraße 56, 14776 Brandenburg an der Havel, Tel. 03381/22 41 18. Bismarck-Terrassen, Bergstraße 20, 14770 Brandenburg – ein preußisches Traditionsrestaurant.
Sehenswert: Auf dem Haveltörn erlebt man die Natur des Havellands pur und passiert viele Seen und idyllische kleine Ortschaften. Brandenburg: Altstadt mit Rathaus, Dom St.Peter und Paul, Marienberg. Werder (Havel): historischer Stadtkern. Rathenow: Optikmuseum. Havelberg: ehem. Bischofssitz mit Dom. Mit einem Bootsführerschein ist ein Törn nach Potsdam und sogar bis Berlin Zentrum möglich.
Unbedingt machen: Beliebte Aktivitäten sind Angeln (Aal, Zander und Hecht) und Wassersport wie Baden und Kanufahren sowie Tierbeobachtungen. Von Ihrem Bunbo können Sie Vögel beobachten, sogar Biber sind an der Havel beheimatet.
Unbedingt vermeiden: Wetterfeste Kleidung vergessen. Die Bunbos werden von Außen gesteuert.
Beliebte Mitbringsel: Obstweine, Holunderblütensirup, Spreewald-Gurken.
Literatur: „DuMont Reise-Taschenbuch Brandenburg: Havelland, Spreewald, Uckermark, Potsdam“ von Ulrike Wiebrecht, 14.95 €. Klassischer Buchtitel: „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ von Theodor Fontane.
Auskünfte: Aquare Charter GmbH, Große Mühlenstr. 10, 14774 Brandenburg-Plaue, Tel. 0338/28 46 61, www.bunbo.de.

Reiseinformationen

BunBos gibt es in zwei Varianten: BunBo 990 hat ein separates Schlafzimmer mit Doppelbett oder Stockbett, das BunBo 1160 für die ganze Familie ist mit zwei separaten Schlafzimmern ausgestattet. Alle Bunbos verfügen über eine große Terrasse, Küche mit Gaskocher und Kühlschrank, Sanitärbereich mit WC und Warmwasserdusche und Kaminofen. Preis: 1 Woche BunBo 990 ist in der Saison B (29.04.-09.06./ 09.09.-27.10.) schon für 695 Euro zu haben. Man kann es auch für ein Wochenende chartern (ab 245 Euro). Weitere Kosten: Charterschein 30 Euro, Endreinigung optional, Gas-und Benzin. Infos und Buchung: Aquare Charter GmbH, Tel. 03381/28 46 61, www.bunbo.de; siehe auch "Info & Buchung".

Fotos: Aquare Charter GmbH

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