Hamburg
Umwelthauptstadt 2011
von Thomas Meins
Hamburg darf sich mit einem weiteren Titel schmücken: Die EU-Kommission ernannte die Elbmetropole zur Umwelthauptstadt Europas 2011. In Brüssel ist man der Meinung, Hamburg habe in den vergangenen Jahren exzellente Umweltstandards erreicht und für die Zukunft vielversprechende Pläne, die die Stadt noch grüner machen. Geplant ist unter anderem, eine ganze Autobahn unter einem bepflanzten Deckel verschwinden zu lassen und einen halben Stadtteil im Zuge der Internationalen Gartenschau 2013 in einen Landschaftspark zu verwandeln. Das sind sicherlich schöne Visionen, aber den Hamburger lässt es ziemlich kalt, ob seine Stadt sich dafür – und für ehrgeizige CO2-Einsparungsziele – Umwelthauptstadt nennen darf. Denn der Hamburger weiß schon lange, dass er in einer der grünsten Städte Europas lebt. Und zwar im Wortsinne und unabhängig davon, wie viele grüne Politiker gerade in Bürgerschaft oder Senat sitzen. Um grün zu sehen, braucht man sich nur auf die Lombardsbrücke zwischen Binnen- und Außenalster mitten in der City zu stellen: Zur einen Seite liegt das Häusermeer der Innenstadt, zur anderen ein von Parks und Grünflächen gesäumter See, auf dem Segelboote ihre Kreise ziehen. Die nackten Zahlen bestätigen diesen Eindruck: Rund 40 Prozent der Gesamtfläche Hamburgs sind grün in Form von landwirtschaftlichen Flächen, Parks, Wäldern und Wiesen. Etwa ein Fünftel des Stadtgebiets wird landwirtschaftlich genutzt. Immerhin 6.200 Rinder und 1.900 Schafe weiden mehr oder weniger mitten in der Stadt. Dass es in Hamburg mehr Bäume als Hamburger gibt, ist ebenfalls eine Tatsache. Wer die Stadt von Ost nach West oder von Nord nach Süd zu Fuß oder per Rad durchqueren will, kann dies tun, ohne dabei eine Grünfläche zu verlassen. Wenn der Hamburger mal genug von Straßenschluchten, Shopping-Passagen und Containern hat und einen Ausflug ins Grüne machen möchte – bleibt er einfach in der Stadt. Er holt sein Rad aus dem Keller oder schnappt sich eines der roten Stadträder, die man an jeder Ecke leihen kann, und fährt ein paar Kilometer bis zu nächsten Liegewiese oder Parkanlage.
Manchmal lernt auch ein Hamburger dabei noch Seiten an seiner Stadt kennen, die ihm bisher verborgen geblieben sind. Und das gilt erst recht für Hamburg-Touristen, die vielleicht nur für ein paar Stunden eine Alternative zu Hafenrundfahrt, Reeperbahn und Musical-Besuch suchen. Die schönste aller Stadtrundfahrten ist eine Kanutour auf der Alster. Rund 50 Bootsverleihe von der Innenstadt bis zum Oberlauf bieten ihre Dienste an. Am reizvollsten: die Erkundung der Seitenarme und Nebengewässer der Außenalster. Feen- und Rondeelteich am Ostufer sind zauberhafte, von weißen Villen gesäumte Idyllen. Ein paar Meter weiter locken dunkle Kanäle in einen grünen Dschungel aus dicht bewachsenen Ufergrundstücken vornehmer Wohnpaläste. Verlässt man die Außenalster am nördlichen Ende, auf der Route der Alsterdampfer, gleitet man durch das gründerzeitliche Eppendorf – kilometerweit herrliche Ansichten feiner Häuser in parkähnlicher Landschaft. Durch den Goldbekanal, der oberhalb des Nordausgangs der Außenalster abzweigt, gelangt man in Hamburgs grüne Lunge, den Stadtpark. Der 150 Hektar große Park, zu Beginn des 20 Jh. vom Hamburger Baudirektor Fritz Schumacher entworfen, ist tatsächlich per Boot erreichbar. Er hat einen See, der über Kanäle mit der Alster verbunden ist. Der See – mit Insel als Bootsanlegeplatz – fungiert auch als Badeanstalt. Genaugenommen badet man hier im etwas trüben Alsterwasser. Aber an heißen Tagen vermisst niemand die klare Sicht unter Wasser. Sowieso sind die Aussichten im Stadtpark prächtig. Gleich oberhalb der Badeanstalt logiert „Schumanns“, einer der bekanntesten Biergärten Hamburgs. Von der Terrasse genießt man einen majestätischen Blick über den ganzen Park – und kein Haus, keine Staße stört den Eindruck, mitten in einer exotisch anmutenden Traumlandschaft zu sitzen. Unten dümpelt ein Alsterdampfer im See. Dahinter erstreckt sich, flankiert von Büschen und Bäumen, die riesige Liegewiese, auf der aus zahllosen Grills Rauchwölckchen aufsteigen, und am Parkende erhebt sich der Backsteinturm des Planetariums.
Bei Sonnenuntergang ist „Schumanns“ der Platz, wo selbst coole Hamburger südländisches Temperament entwickeln. Hamburg hat auch einen Park direkt in der City. Es lohnt sich, ein paar Schritte vom Dammtorbahnhof oder Gänsemarkt zu machen und in die Grünzone im Herzen der Stadt abzutauchen. „Planten und Blomen“, der Name des Parks, ist Programm. Auf dem langgestreckten Areal zwischen Stephansplatz und St. Pauli wächst tatsächlich fast alles, was es an Pflanzen und Blumen auf unserem Planeten gibt. In den historischen Wallanlagen aus dem 17. Jh. grünt und blüht es an allen Ecken und Enden. Aus dem Park die freie Sicht auf die Elbe In den Schaugewächshäusern der Uni kann man in gut 15 Minuten durch fünf Klimazonen spazieren – vom feuchtheißen Tropenhaus mit Palmen, Bananenstauden und Orchideen bis zum staubtrockenen Kakteenhaus. Die Gewächshäuser sind Teil des alten Botanischen Gartens. Rund um die zeltartigen Glashallen wurden die verschiedensten Gärten angelegt: zwei japanische mit Wasserläufen und Teehaus, die Mittelmeerterrassen, ein Rosengarten, dazu Spielplätze, Seen und Teiche, Liegewiesen und viele Bänke. Geschäftsleute strömen in der Mittagspause aus den Büros in den Park, um vorübergehend ihren Stress zu vergessen und ein Eis zu schlecken. Die Businessmen früherer Tage mussten nicht in öffentlichen Parks wandeln, sie besaßen ihre eigenen. Reiche Hamburger Kaufleute, Reeder und Bankiers des 18. und 19. Jh., zogen vor die Stadt, um am Elbufer ihre palastartigen Villen zu errichten. Zum guten Ton in jenen Tagen gehörte es, um das Haus herum so viel Grünfläche zu haben, dass niemand hereinschauen konnte, aber man jederzeit aus dem Haus freie Sicht auf die Elbe hatte. Manchmal sorgt die Geschichte jedoch für soziale Ausgeglichenheit: Heute sind diese prachtvollen Parks am Elbhang alle öffentlich, die noblen Vororte längst eingemeindet. Zu beiden Seiten der Elbchaussee in Altona, Othmarschen und Blankenese zieht sich eine ganze Kette dieser vornehmen Gartenanlagen, alle von einem Spaziergang am Elbuferweg aus zu erreichen. Der wohl schönste dieser Parks ist der Jenischpark. 1797 ließ der Kaufmann Johann Caspar Voght vor den Toren der Stadt einen englischen Landschaftsgarten mit Farmbetrieb anlegen. Später übernahm der Senator Johann Jenisch das Gelände und ließ 1832 ein Landhaus in den Park setzen, ein Juwel des Klassizismus. Heute ist das Jenischhaus ein Museum – und bevor man den Park mit seinen Wiesen, Wäldchen, Hügeln und Bachläufen durchschreitet, sollte man einen Blick zwischen den Säulen der Terrasse hindurch auf die Elbe werfen. Ein grandioses Panorama, das Weite und Luxus vermittelt. Nicht hochherrschaftlich, sondern ländlich-bäuerlich geht es elbaufwärts zu. Die Vier- und Marschlande im Südosten Hamburgs sind Deutschlands größtes geschlossenes Gemüse- und Obstanbaugebiet. Eine dörfliche Idylle hinterm Deich mit Reetdachkaten, Gewächshäusern, Wiesen, Weiden, Wasserläufen und Badeseen. Immerhin mit über 13.000 Hektar fast so groß wie die gesamte Stadt Freiburg. Auf den schmalen Straßen herrscht wenig Verkehr, von der Elbe weht eine frische Brise über das grüne Land – ein ideales Terrain für eine Fahrradtour.
Über die Entenwerder Halbinsel, die Billwerder Insel und die Tatenberger Schleuse gelangt man in einer guten halben Stunde aus der City per Rad in Hamburgs Garten. Gut möglich, dass man dort mehr Pferde und Schafe als Menschen zu Gesicht bekommt. Auf einem ehemaligen Bahndamm radelt man gemütlich durch die Plantagen und die von Deichen und Kanälen durchzogene Landschaft, kehrt im Ochsenwerder Dorfkrug ein oder radelt eine halbe Stunde weiter bis zum Zollenspieker Fährhaus, einem Gasthaus und Biergarten direkt am Elbdeich. Von der knapp 20 Kilometer weit entfernten City ist außer den Kirchturmspitzen nichts mehr zu sehen. Das sind für viele Hanseaten die schönsten grünen Seiten ihrer Umwelthauptstadt. BU 1. DS Städtisches Hamburg Das sind die beliebten und bekannten Touristenziele der Hansestadt: der Bau der neuen Elbphilharmonie in der HafenCity, das Rathaus bei den Alsterarkaden, der Stadtteil St. Pauli mit mit den Amüsiermeilen Große Freiheit und Reeperbahn und die historische Speicherstadt. BU 2. DS Grünes Hamburg Die Außenalster ist ein Freizeitparadies – wer einmal um den von Parks umgebenen See radelt (knapp 8 km), kommt durch einige der schönsten Viertel der Stadt. Der Elbstrand ist ein prima Picknickplatz – und das Baden erlaubt.
Reiseangebot
Beste Reisezeit: Ganzjährig. Klima: Gemäßigt mit milden Wintern und Sommern. Wärmster Monat ist Juli mit 18 °C im Schnitt. Durch vorherrschende Westwinde maritim-feuchtes Klima. Sprache: Hochdeutsch und Plattdeutsch – eine Mischung ist Missingsch (Hamburger Dialekt, zu hören im Ohnsorg Theater). Gesundheit: Das Hamam (türkisches Dampfbad), Feldstraße 39, verheißt mit Ganzkörperpeeling und Seifenschaummassage Entspannung und Erholung für müde Touristen (Terminvereinbarung nötig). Essen & Trinken: Es gibt eine Reihe von typisch hamburgischen Gerichten: Labskaus – Püree aus Fleisch, Kartoffeln und Rote Bete, traditionell serviert mit Spiegelei und Gewürzgurke; Finkenwerder Scholle – gebratene Scholle mit Speck; Stint; Hamburger Aalsuppe. „Rundstück warm“ ist ein Brötchen mit Braten und Soße. Beliebte Süßspeisen sind Rote Grütze und Franzbrötchen. Biere aus Hamburger Brauerein sind Holsten, Astra und Gröninger. Restaurants: „Old Commercial Room“ – das Hamburger Traditionsrestaurant; Englische Planke 10, Tel. 040/36 63 19, täglich geöffnet von 12 bis 24 Uhr. Gröninger Braukeller, Willy-Brandt-Straße 47 – deftige Küche und frisch gebrautes Bier. Sehenswert: Wahrzeichen Hamburgs: St. Michaelis-Kirche („Michel“). Entlang der Elbe: Hafen, Speicherstadt, Landungsbrücken, Alter Elbtunnel, Elbstrand bei Övelgönne, Köhlbrandbrücke, Willkommhöft (Schiffbegrüßungsanlage), das Blankeneser Treppenviertel sowie die Hafencity – neues Stadtviertel mit Elbphilharmonie im Bau. City: Rathaus, Chilehaus, Alster und Alsterarkaden, Park „Planten & Blomen“, die Krameramtsstuben, Kunst- halle und Museum für Hamburger Geschichte; St.Pauli mit Reeperbahn, Hagenbecks Tierpark. Shopping: ab Spitaler Straße vom Hauptbahnhof über Mönckebergstraße und Jungfernstieg bis zum Gänsemarkt. Unbedingt machen: Umweltfreundlich durch die Stadt mit den mietbaren „StadtRAD“ (Citybikes). Hafenrundfahrt. Fischmarkt besuchen (sonntags, 5 bis 10 Uhr). Das kulturelle Programm scheint uner- messlich: Es gibt an die 60 Theater und Museen, Musikclubs und die bekannten Musicals „König der Löwen“, „Tarzan“ und „Sister Act“ machen die Auswahl schwer und die Nächte lang. Unbedingt vermeiden: Die Reeperbahn bei Tag besuchen: eher Schmuddel- als Amüsiermeile. Beliebte Mitbringsel: Buddelschiffe, Artikel mit Hamburg-Wappen. Literatur: „ADAC Reiseführer Hamburg“, 6,50 €. Auskünfte: www.hamburg.de.
Reiseinformationen
Reiseangebot Am Hauptbahnhof, direkt neben dem Schauspielhaus und der Kunsthalle, liegt das privat geführte First Class Hotel „Europäischer Hof“. Das Haus verfügt über Restaurant, Bistro, Bar, Kneipe, Weinkeller, Raucherlounge, WLAN in den öff. Bereichen, Garage (16 €/Tag), großes Sport-/Freizeitzentrum über sieben Etagen u.a. mit Pool, 3 Saunen, Golf-Simulator, Squash. Die Zimmer verfügen u.a. TV, Minibar, Bad oder Dusche. Special: Der Zimmerausweis berechtigt zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Preis: ab 79 Euro inkl. Frühstrück im DZ pro Person und Nacht bei TUI. Information und Buchung: siehe Seite 175.
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