Ibiza

Trendsetter der Club-Kultur

von Thomas Meins

Ibiza

Wer an Ibiza denkt, hat Party im Sinn. Und zwar im XXL-Format. Die kleine Balearen-Insel hat die größten Discos, die trendigsten Clubs, das wildeste Partyvolk der Welt. Wer hierher kommt, ist entweder reich, schön oder prominent. Am besten alles zusammen. Oder wenigstens amüsierwillig bis zum Abwinken. Laute Musik, zuckende Leiber, Drogen, Eskapaden, 24 Stunden am Tag. So lautet das Klischee. Faszinierend, aber auch ein ­wenig befremdlich für einen wie mich, der bereits Kinder im Partyalter hat.

Aber seit Jahren schwärmt mir eine Freundin von Ibiza vor. Iris, in etwa mein Jahrgang, fährt jeden Sommer auf die Insel. Um Sonne zu tanken und um abzufeiern. „In den Clubs legen die besten DJs auf, das Publikum ist gut drauf und auf der ganzen Insel herrscht eine tolle Atmosphäre“, schwärmt Iris. Aber ist man nicht irgendwann zu alt für sowas? „Quatsch! In den Discos ist es so schummrig, da sieht man die ­Falten gar nicht!“, lacht Iris. Okay, über-­redet. Was kann schon passieren außer Sonnenbrand und Brummschädel? Einige Wochen später sitzen Iris und ich tatsächlich in einer Bar an der ­Carrer de Barcelona – schauen zu, wie die ­Meute an uns vorüberzieht. Im ­Hafen­viertel von Ibiza-Stadt, ­unterhalb der prächtigen Festung Dalt Vila, sammelt man sich gegen Abend zur Pre-Party. Menschen aus aller Herren Länder – schick, laut und offenbar mit reichlich Taschengeld ­gesegnet. Denn meine erste Party-Lektion auf Ibiza ­lautet: Feiern ist teuertl_files/contao-ready-theme/content/reportagen/ibiza/ibiza_hafen_311.jpg! Die Preise für Drinks sind heftig. Disco-Tickets ­kosten zwischen 30 und 60 Euro. Kurz vor Mitternacht geht der Trubel erst richtig los. Promotion-Teams ziehen durch die Gassen, trommeln für die großen Clubs zwischen Ibiza-Stadt und Sant Antoni. Schrill kostümierte bis halbnackte Models, Muskelmänner und Transen verteilen Karten für die Motto-Partys im „Pacha“, „Privilege“ oder „Amnesia“. Per Discobus rollt das animierte Volk dann in die Amüsiertempel – wo ab 2 Uhr die Erde bebt. Wir trinken unsere Drinks aus und machen uns auf den Weg. Nicht den Massen hinterher, sondern in Iris’ derzeitigen Lieblingsclub: „Aura Ibiza“. Meine zweite Lektion: Es gibt auch ein Partyleben abseits der Großdiscos. Das „Aura“ liegt etwas versteckt im Norden der Insel und ist ein Edel-Mix aus Gartenrestaurant, Bar und Lounge. Am Abend kommt man zum Essen, ab 1 Uhr legt ein DJ auf. Das Publikum ist zwischen 30 und 50, die Küche mediterran-trendy. Man speist unter Grape­fruit-Bäumen, hängt ab in schicken Sitzmöbeln oder nimmt einen Drink auf der Cocktail-Terrasse zwischen Bougainvilleas und Jasminblüten. Eine sehr angenehme, unaufdringliche Art, die Nacht zum Tag zu machen. „Hier trifft man keine Vögel in Sonnenbrille und Bikini“, wie Aura-Chef Hayden Trethewy betont. Bis 4 Uhr tanzen wir. Dann ist Feierabend im „Aura“.

Auf Ibiza gibt es diverse Hot Spots wie das „Aura“ – lässige Verbindungen von Gastronomie und Entertainment. Die derzeit wohl edelste Location, um einen sonnigen Strandtag sanft in eine Party übergehen zu lassen, ist das „Blue Marlin“ an der Cala Jondal im Süden. Leonardo DiCaprio, Robert De Niro und Naomi Campbell waren bereits hier. Und sie wissen, warum. Das „Blue Marlin“ ist kein Massenbetrieb, sondern ein kleiner, feiner Beachclub an einer der schönsten Buchten der Insel. Man relaxt auf komfortablen Liegen, bestellt ein paar Happen beim Sushi-Meister und braucht nur ein paar Schritte bis zur Erfrischung im Mittelmeer. Verschwindet die Sonne, wärmt ein DJ mit groovy Klängen. Sonntags gibt es Livemusik, oft mit Paco Fernandez, dem Insel-Gitarrero. Knapp Volljährige neben Vollreifen Eine tolle Lage, luxuriöses Ambiente und eine anspruchsvolle Küche sind auch das Rezept von Rolf Finkbeiner und Manuel Lopez. Der Gastronom und der Ex-„Privilege“-Manager eröffneten vor wenigen Monaten das „Novum“. Mitten in Ibizas ländlichem Norden entstand ein Country-Club mit Finca-Atmosphäre. Zur Anlage gehören ein Gourmettempel, ein Asia-Restaurant, eine Zelt-Lounge, zwei Bars und eine Boutique. Eine filmreife Kulisse unter Palmen in weiß und schwarz. Wenn abends Top-DJs auflegen, ist die Hütte voll. „Der kommende Laden“, meint Iris.

Ist da überhaupt noch Platz für das Völkchen, das Ibiza in den 60ern zum Party-Mekka gemacht hat? Definitiv ja. Der Geist der Hippie-Ära lebt noch. Im „Bambuddha Groove“ zum Beispiel, bei Santa Gertrudis im Herzen der ­Insel. Wir sitzen auf kuscheligen Sofas unter Madonnenbildern und Buddha-Statuentl_files/contao-ready-theme/content/reportagen/ibiza/ibiza_turm_311.jpg. Serviert wird indische und thailän­dische Küche aus biologischem Anbau. Die Cocktails heißen Karma­pirinhas und Shivalinga. Für den ­passenden Sound sorgt DJ Paoli. ­Chillen ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Der letzte Abend bleibt einer Ibiza-Legende vorbehalten: dem „Pacha“. Seit 1973 ist der Club an der Marina ­Botafoch Flaggschiff einer weltweiten Disco-Kette, Spielplatz der Reichen, Schönen und Prominenten. Und noch immer eine der besten Party-Adressen. Das „Pacha“ fasst 3.000 Menschen. Die verteilen sich auf mehrere Ebenen – Dachterrasse, diverse Bars und Nebenräume, drei Dancefloors. Vom Plüschsofa aus beobachten wir die Gäste: aufgestylte Prinzessinnen, testosteron­getriebene Typen, kleine Engländerinnen, feurige Spanierinnen, Hausfrauen, Daddys, knapp Volljährige neben Vollreifen. Iris zieht mich zum Mainfloor, wo knackiger House aus den Boxen wummert. Ein Raunen geht durch den Saal. Wie aus dem Nichts tauchen über der Menge Tänzer auf, makellose Schönheiten in fantastischen Kostümen, die in einer mitreißenden Choreografie über die Bühne wirbeln. Spätestens jetzt hebt der Laden ab. Tausende bewegen sich im Rhythmus – johlen, jubeln. Für ein paar Stunden bleiben wir Teil des wogenden Disco-Kollektivs. Und gehen so gegen 6 Uhr erschöpft, aber beglückt hinaus in den Sonnenaufgang. Für eine gute Party ist man eben nie zu alt.

Ibiza Reiseangebot

tl_files/contao-ready-theme/content/reportagen/ibiza/IbizaKartecJR.jpgOberhalb der Playa Figueral, einer der beliebtesten Strandbuchten Ibizas mit feinsandigem, flach abfallenden Strand und in reizvoller Umgebung liegen die 4-Sterne-Ferienclubs „Invisa Figueral Resort Cala Blanca & Cala Verde“. Preis: Jahn Reisen bietet hier 1 Woche inkl. Flug ab 313 € pro Person an. Zur Auswahl stehen Selbstversorgung, HP plus oder Alles inklusive.

Ibiza Länderinfos

Beste Reisezeit: Besonders schön ist es auf Ibiza zur Mandelblüte im Februar/März. Die Hochsaison dauert von Mitte Juni bis Ende August. Ab September leert sich die Insel wieder. Baden ist bis Ende Oktober möglich (ca. 19 °C). Wintertourismus gibt es nicht. Viele Restaurants und Hotels schließen bis zum Frühjahr. 
Klima: Das Klima ist sehr ausgewogen. Das Thermometer sinkt auch im Winter nicht unter 15 °C. Im Hochsommer sorgt ein angenehmer Wind dafür, dass die Hitze erträglich bleibt und die Temperaturen nicht über 29 °C steigen. Die meisten Niederschläge fallen im Herbst.
Sprache: Spanisch und Ibizenk, ein katalanischer Dialekt. In den Touristen-Hochburgen wird Englisch, oftmals auch Deutsch gesprochen.
Zeit: MEZ.
Geld: Euro.
Dokumente: Personalausweis.
Gesundheit: Die Europäische Versicherungskarte (EHIC) wird nur im Krankenhaus in Ibiza-Stadt für eine kostenlose Behandlung akzeptiert. Ansonsten muss ein Arztbesuch zunächst bar bezahlt werden. Die Rechnung wird zu Hause der Krankenkasse vorgelegt, die dann die Kosten erstattet.
Essen & Trinken: Typische Gerichte sind Paella und Tapas, aber auch Eintöpfe, z. B. Guisado (Fisch oder Fleisch mit Gemüse) oder Sofrit Pages (Fleisch mit Kartoffeln und Gemüse, gewürzt mit Zimt und Safran). Frischer Fisch, z. B. Dorade in Salzkruste oder als Zarzuela (Fischeintopf). Freunde von Meeresfrüchten bestellen eine „Bandeja de Mariscos“. Leckeres Gebäck: Ensaimada (Hefeschnecke), Greixonera (Käsekuchen aus einer Tonform) und Flao (Ibizenkischer Käsekuchen mit Minze). Typische Getränke sind Kräuterliköre, z. B. Frígola (Tymianlikör) und Horchata (Mandelmilch).
Restaurant: Ein typisch spanisches Restaurant mit reichhaltigem Mittagstisch ist das „Germa“, C. Ramón y Cajal, 42. Beliebt: die Paella am Sonntagmittag.
Sehenswert: Dalt Vila, die Altstadt von Ibiza, ist ein Welterbe der Unesco; Cala d‘Albarca, eine Bucht gesäumt von Kiefern und Klippen; Sant Josep, Ibizas höchste Erhebung (475 m); Puig de Missa, der Kirchhügel von Santa Eulària mit Wehrkirche und einem traumhaften Panorama; Cova de Can Marçà, Tropfstein­höhle bei Port de Sant Miquel; Cala d‘Hort, ein schöner Strand mit Blick auf die Nachbarinseln Es Vedranell und Es Vedrà.
Unbedingt machen: Am Donnerstagabend nach Sant Miquel de Balansat fahren. Hier gibt es Volkstänze, traditionelle Musik und bunte Trachten. Den Sonnenuntergang am Westzipfel der Insel Cala Conta genießen – traumhaft! Mit der Fähre Insel-Hopping nach Formentera (Fahrzeit ca. 30 min., ca. 12 €) machen.
Unbedingt vermeiden: In der Hochsaison anreisen, wenn man Ruhe sucht.
Beliebte Mitbringsel: Mode, Schmuck und Kunsthandwerk von den Hippie-Märkten z. B. am Mittwoch in Es Caná oder am Samstag in San Carlos.
Literatur: Thomas Schröder: „Ibiza & Formentera“, Michael Müller Verlag, 15,90 €.
Auskünfte: http://www.spain.info/de.

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