Norwegens Fjorde
Pure Faszination
von Jürgen Römer
Der Name: Slartibartfaß. Sein Beruf: Planetenkonstrukteur. Sein Meisterwerk: ein krakeliges Stück Meeresküste irgendwo auf der nördlichen Erdhalbkugel. Sogar einen Design-Preis hat er dafür bekommen. Jedenfalls in dem Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams. Wir Erdenbewohner wissen natürlich nicht, was sich die Jury dabei gedacht hat. Aber ansehen kann und sollte man sich das Meisterwerk auf jeden Fall: die norwegische Fjordküste. Vorab ein paar Zahlen: Luftlinie vom Nordkap bis zum Kap Lindesnes, dem südlichsten Punkt Norwegens: 1.700 Kilometer. Küstenlänge, die von Inseln und Inselchen nicht mitgerechnet: rund 25.000 Kilometer. Fazit: Herr Slartibartfaß hat sich bei seinem Job richtig Mühe gegeben. Zum Beispiel im Sognefjord. Keine Angst, nicht schon wieder Zahlen – dafür umso mehr Atmosphäre. Da bleibt auch dem nüchternen Betrachter die Luft weg Wir fahren mit einem kleinen Boot über das spiegelglatte, grünschwarze Wasser. Nur das leise Brummeln des Motors ist zu hören und das Plitsch-Platsch der Wellen am Bug. Nebel liegt über dem Wasser. Die schwarz-drohenden Felswände links und rechts verschwinden nach oben irgendwo im Grau. Leichter Wind kommt auf und bringt den Nebel in Bewegung. Liebhaber der Knopf-im-Ohr-Musik klicken sich jetzt durch zu Grieg. Peer Gynt, Morgenstimmung. Aber bitte nur ganz leise, damit die Mitreisenden weiter dem leisen Plätschern lauschen können, das ab und an als Echo von den steilen Felswänden zurückschallt.
Der Nebel wird durchsichtiger, der Blick wandert am Fels nach oben. Weiter. Noch weiter. Der Nebel reißt auf und die Sonne beleuchtet goldgelb den gewaltigen Felsvorsprung ganz weit da oben. Der „Preikestolen“, der Predigerstuhl. Ein scharf geschnittener Felsklotz, 600 Meter senkrecht über dem Fjord. Als kleine schwarze Pünktchen sind ein paar Menschen oben auf der Felskante zu erkennen. Da bleibt dann auch dem nüchtern gesinnten Reisenden einfach die Luft weg. Die Fjorde. Das ist Ruhe. Das ist überwältigende Natur. Musik. Und manchmal auch Nackenschmerzen. Gelegentlich ist die Musik auch etwas lauter. Wir stehen dort, wo sich der Sognefjord zum Meer öffnet. Regen prasselt, Sturmböen schrillen um die Felsen. Grau, weiß geädert, rollen steile Nordsee-Brecher herein. Gischt spritzt meterhoch, wenn die Wogen an die Felsen wummern. Man meint zu fühlen, wie der Boden zittert. Möwen jagen kreischend um die Felsen, aus denen Wasser weißschäumend zurückläuft. Musik? Ja, bitte. Diesmal darf es Hardrock sein! Ausgangspunkt für Reisen im Fjordland Mittelnorwegens könnte Bergen sein. Von hier fahren die Postschiffe der Hurtigruten entlang der gesamten Küste bis herum ums Nordkap, nach Kirkenes. Wer eine Hin- und Rückfahrt bucht, sieht in zwölf Tagen – dank pfiffiger Fahrplanung – wirklich alle norwegischen Fjorde. Die Orte, die auf der Hinfahrt tagsüber angelaufen werden, passiert das Schiff auf der Rückreise in der Nacht. Und umgekehrt. Gründlicher und komfortabler geht Fjorde-Gucken kaum. 
Bergen selbst sollte Besuchern auch ein paar Tage wert sein. Musikfreunde erwartet – je nach Geschmacksrichtung – das Grieg-Museum mit Erinnerungsstücken aus dem Leben des großen norwegischen Komponisten. Oder eine sehr lebendige Musikszene in den vielen kleinen Clubs der Universitätsstadt. Country, Heavy Metal, Gothic – in Clubs wie dem „Garage“ oder im „Det Akademiske Kvarter“ spielen gerade angesagte Bands. Wer auf den Spuren der Geschichte wandeln möchte, besucht die alten Speicherhäuser an der Hafenmeile „Bryggen“. Hier arbeiteten und lebten zu Zeiten der Hanse bis zu 2.000 Kaufleute. Sie hatten das Monopol für die Ausfuhr von Stockfisch, genossen Steuerfreiheit für ihre Geschäfte, lebten zölibatär und tugendsam. Die Zeiten sind längst vorbei. Heute sind die knarzigen Kaufleute ausgestorben, und ihre Speicherhäuser werden von den Norwegern mit Liebe in Stand gehalten. Die Skipper wissen, wo es etwas zu fangen git Die klitzekleine Innenstadt Bergens zeichnet sich übrigens durch ein paar sehr steile Straßen aus. Wer hier mit seinem Wohnmobil keine Probleme hat, braucht sich für den Rest des Landes auch keine Sorgen zu machen. Also auf zu den Fjorden! An allen Zielen zwischen Trondheim und Stavanger locken interessante Angebote für Touristen. Angler beispielsweise können Boote leihen und auf eigene Faust ihr Glück suchen. Oder auf einer der vielen Angeltouren mitfahren. Da wissen die Skipper immer, wo es was zu fangen gibt. Erfolg ist quasi garantiert. In allen Fjorden gibt es Schiffstouren, um Gästen das Panorama von da zu zeigen, wo es am wirkungsvollsten ist – ganz unten vom Wasser aus. Auch Kajaktouren, je nach Wunsch mit oder ohne Führung, sind überall zu buchen. Selbst auf ganz normalen Autofähren wird in der Reisezeit per Lautsprecher erklärt, was gerade zu sehen ist. Etwa im Geiranger-Fjord, auf der Fähre von Geiranger nach Hellesylt.
Während das Schiffchen durch den zum Unesco-Weltnaturerbe erklärten Fjord tuckert, weist der Lautsprecher derweil auf die „Sieben Schwestern“ oder den „Brautschleier“ hin – dicht beieinanderliegende Wasserfälle, die aus der Entfernung aussehen wie feine weiße Fäden. Erst aus der Fjordfrosch-Perspektive erkennt man, dass da gewaltige Wassermengen Hunderte von Metern an der fast senkrechen Felswand herunterrauschen. Und zum Teil, noch ehe sie unten angekommen sind, als Gischtfetzen im Winde verwehen. Oder man hört die Geschichten von den armen Bauern, deren winzige Hütten irgendwo da oben an den Felsen geklebt waren, über einem kleinen, steilen Stück Ziegenweide. Kleine Kinder wurden angeleint. Und wenn der Steuereintreiber des Königs kam, wurde schnell die Leiter hochgezogen. Folklore aus Norwegens Paradefjord, gepaart mit ständigen Oh- und Ah-Perspektiven. Einmalig! Aber auch von der Landseite gibt es viel zu entdecken. Die Norweger haben rund um alle größeren Fjorde Wanderwege ausgebaut, vom Spazierweg bis zum anspruchsvollen Kletterpfad. Allen gemeinsam sind die atemberaubenden Ausblicke auf Felsen, Fjorde, Gipfel oder Gletscher. Wie zum Beispiel der Weg zum Briksdal-Gletscher. Der ist sogar für ungeübte Stadtmenschen gut begehbar und liefert Gänsehaut-Gefühle. Der Blick auf unendliche Eismassen vom Berg oben bis hinunter vor die eigenen Füße ist gigantisch. Durch das viele Eis sinkt auch die Temperatur merkbar. Pullover nicht vergessen!
Angenehm für Natur-Touristen: Seit einigen Jahren baut Norwegen die landschaftlich großartig gelegenen Straßen rund um die Fjorde gezielt weiter aus. Der Grund liegt nahe. Die Ölquellen in der Nordsee, die Norwegen zu einem der reichsten Länder der Erde gemacht haben, werden in nicht allzu ferner Zukunft versiegen. Die Ozeane sind ziemlich leergefischt, da ist mit Fischerei auch kein Staat mehr zu machen. Also setzt m
an bei „Statens vegvesen“, dem staatlichen Straßenbauamt in Lillehammer, auf den Auto- und Wohnmobil-Tourismus. „Wir wollen Alternativen zu den Hauptverkehrsstraßen bieten und Routen bauen, bei denen die Schönheit der Natur vom Lenkrad aus erlebbar ist“, heißt es. Ansprechen will man besonders die „Golden Greys“ (ein Begriff, mit dem Marketing-Leute heute „reiche Rentner“ bezeichnen), die mit ihren Wohnmobilen Europas Norden bereisen. Ergebnis: Bis jetzt wurden sechs „nasjonale touristveger“ angelegt, die ungewöhnliche Haltepunkte am Straßenrand mit traumhaften Ausblicke bieten. Ein gigantischer Thron auf massivem Sockel. Wer sich hineinsetzt, genießt einen überwältigenden Blick über den Geiranger-Fjord. Eine Brücke mit Glasboden über den wild tobenden und tosenden Gudbrandsjuvet. Ein breiter Holzsteg hoch über dem Aurlandsfjord. 35 Meter weit führt er vom Rastplatz an der Straße waagerecht ins Leere. Links und rechts stabile Geländer. Und am Ende: nichts! Doch – eine Glasplatte. Da steht man dann wie ganz vorne auf dem 10-Meter-Brett im Schwimmbad. Nur mit dem Unterschied: Hier fängt das Wasser erst 600 Meter weiter unten an.
Reiseangebot
Beste Reisezeit: Ganzjährig. An Bord sind alle Jahreszeiten schön. Gleiches gilt für Norwegens Hauptstadt. Der Golfstrom führt milde Luft- und Wassermassen in den Atlantik und sorgt damit für angenehmeres Klima in Oslo, als es dem nördlichen Breitengrad entsprechen würde. Im Winter wird es durchschnittlich bis minus 4 C° kalt, im Sommer (Juli-August) durchschnittlich 16 C° warm.
Sprache: Norwegisch. Englisch und Deutsch sind weit verbreitete Fremdsprachen.
Zeit: MEZ/MESZ.
Geld: Norwegische Krone (NOK), 1 EUR = 8 NOK. EC- und Kreditkarten werden überall akzeptiert.
Gesundheit: Behandlungskosten werden durch die Europäische Krankenversicherungskarte abgedeckt. Beim Zahnarzt muss evtl. noch bar bezahlt werden.
Essen & Trinken: Die Kreuzfahrtschiffe Color Magic und Color Fantasy haben acht sehr unterschiedliche Restaurants an Bord, die keine Wünsche offen lassen. In Norwegen sollten Reisende unbedingt Pølser-Hot-Dog probieren – ein leuchtend rot eingefärbtes Würstchen (Røde Pølser) im Brötchen mit Soßen und Zutaten nach Wahl.
Sehenswert: Im Kon-Tiki-Museum sind Wasserfahrzeuge und Gegenstände der Expeditionen von Thor Heyerdahl wie das Original-Floß von 1947 ausgestellt. Im Wikingerschiffmuseum (Viking-skipshuset) werden die am besten bewahrten Wikingerschiffe der Welt gezeigt. Sie stammen aus dem 9. Jahrhundert. Die Akershus festning (Festung) ließ König Håkon V. 1299 errichten, im 14. Jahrhundert wurde die Burganlage weiter ausgebaut. Der Vigeland Skulpturenpark (Vigelandsparken) mit mehr als 200 Skulpturen in Bronze, Granit und Schmiedeeisen über den Zyklus des Lebens ist eine der beliebtesten Attraktionen Norwegens – mit über einer Million Besucher jährlich. Er ist das Lebenswerk des Bildhauers Gustav Vigeland (1869-1943). Der Park ist ganzjährig geöffnet.
Literatur: „Iwanowski’s Norwegen“, Tipps für individuelle Entdecker, mit Landkarte, 22,95 €.
Auskünfte: Königlich Norwegische Botschaft, Rauchstr. 1, 10787 Berlin. Tel.: 030 - 50 50 50. Internet: www.norwegen.no und www.visitnorway.de; Color Line GmbH, Norwegenkai, 24143 Kiel, Tel. 0431/73 00-300, www.colorline.de.
Reiseinformationen
Willkommen im „Lærdal Ferie- og Fritidspark“. Die Ferienanlage liegt in naturschöner Umgebung am Sognefjord. Auf dem Gelände befinden sich Rezeption mit Kiosk, Café und Restaurant, Service-Gebäude mit Waschmaschine und Wäschetrockner. Tennisplatz, Boots- und Fahrradverleih, Spielplatz, Badestelle. Angebot: 3 Übernachtungen in einer Hütte vom Typ A, inkl. Überfahrt Dänemark-Norwegen-Dänemark. Bei Typ A handelt es sich um gemütliche Hütten (guter Standard) für 4-6 Pers. (max. 4 Erw.), 38 qm groß plus ein Hängeboden von 15 qm. Kombinierte Wohnküche mit Herd, Backofen, Kühlschrank/Gefrierfach und TV. 1 Schlafraum mit 2 Betten, Hängeboden 2-4 Betten. Du/WC. Preis: ab 98 € pro Person bei 4-Personen-Belegung/Hütte Typ A. Information und Buchung: Color Line GmbH, Norwegenkai, 24143 Kiel, Tel. 0431/73 00-300, www.colorline.de.Innovation Norway
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