Peru

Die Magie des alten Inka-Reiches

von Max Mustermann

Kommen sie oder kommen sie nicht? Heute, morgen vielleicht, solange ich noch hier bin? Oder tauchen sie gerade dann auf, wenn ich wieder nach Europa zurückfliege? Erich von Däniken, berühmtberüchtigt für sein etwas wunderliches Weltbild, in dem die kleinen, grünen Männchen aus dem All fest verankert sind, hat prophezeit: Eines Tages werden Außerirdische hier landen und jeden, der sich an diesem Ort herumtreibt, entführen und mit ihm im Nirgendwo verschwinden.Ich bin in Machu Picchu, jener rätselhaften Ruinen-Stadt der Inka in 2.630 Meter Höhe in den peruanischen Anden. Es gibt viele Theorien, was diese Stätte mal gewesen sein soll: eine Sommer-Datsche des Inka-Königs, der im 120 Kilometer entfernten Cuzco residierte, eine Kultstätte indianischer Schamamen, ein Frauenkloster (weil zwei Drittel der Mumien, die man hier fand, weiblich sind), eine schlichte Burg oder eine Verteidigungsfestung – die Vermutungen reichen von seriös bis lächerlich. Ebenso die Besucher: Da gibt es Amerikaner, die sich von einem modernen Schamanen in die Gefilde der Esoterik entführen lassen, da eilen Japaner zu einem „heiligen Stein“, betasten ihn und sind glücklich weil sich seine Energie nun auf sie selbst übertragen hat. Rätsel über Rätsel…

Es gibt nichts Schriftliches über Machu Picchu. Den Theorien sind Tür und Tor geöffnet, der Phantasie auch. Eines steht jedoch fest: Es ist ein beeindruckender Ort. Real, keineswegs eine Fata Morgana, sind hier allerdings die Nationaltiere tl_files/contao-ready-theme/content/reportagen/peru/peru_lia_jdvries_alpaka_311.jpgPerus, Lamas und Alpakas. Wenn ihnen die Touristen zu nahe kommen, spucken sie eine klebrige Flüssigkeit in Richtung Mensch – zielsicher und offenbar exakt berechnet. Aus ihrer Wolle wird der Alpaka-Schal gewebt, ein teures, aber exklusives Kleidungsstück, das in recht wenigen Shops der Hauptstadt Lima gekauft werden kann. Vorsicht ist dabei geboten: Auf den Märkten werden Fälschungen angeboten und die eigentlich seidenweiche und sehr warme Textilie entpuppt sich bald als raues, kratzendes Exemplar.Die Inka-Stadt Machu Picchu gibt uns bis heute Rätsel aufDie Metropole Lima ist wie Peru ein Ort der Gegensätze. Da findet man prachtvolle Paläste aus der spanischen Kolonialzeit, bitterarme Vorstädte, wo aber freundliche, ihrem Schicksal ergebene Menschen leben. Im Viertel Miraflores kann man entspannen, die Strände des Pazifik genießen, endlos einkaufen. Das Restaurant „La Rosa Nautica“, ein auf Stelzen hoch über den Wellen thronender Gourmet-Tempel, bietet – für nicht mal allzu viel Geld – die besten Fischgerichte der Stadt. Peru – das ist einerseits die schier endlose Pazifik-Küste, das Bergland um die ehemalige Inka-Hauptstadt Cuzco und das tiefgelegene Hinterland um den Amazonas. Letzteres wird aber eigentlich nur wenig im Zusammenhang mit Peru wahrgenommen. Dabei macht dieser Teil gut 60 Prozent der Gesamtfläche des Landes aus.

Hier gibt es seltene Tierarten, Affen, buntgefiederte Vögel, gefräßige und hochgefährliche Piranhas. Wer einen Bootstrip auf den Zubringerflüssen des Amazonas und dann auf dem gewaltigen Strom selbst unternimmt, ist überwältigt von den Lauten, die ihm aus dem Dschungel entgegenschallen. Da kreischt und krächzt es im Urwald, es fiept und pfeift, es zirpt und singt. Und da ist noch Iquitos. Die 400.000-Einwohner-Stadt war einst der Mittelpunkt des Kautschuk-Handels. tl_files/contao-ready-theme/content/reportagen/peru/peru_chicas_635.jpgHeute ist sie ziemlich verfallen, aber immer noch Ausgangspunkt für touristische Expeditionen in den Amazonas-Dschungel. Hier hat der Filmemacher Werner Herzog 1981 seinen berühmten Film „Fitzcarraldo“ mit dem genial-verrückten Klaus Kinski gedreht. Die Story handelt von einem Abenteurer, der mitten im Urwald ein Opernhaus bauen will und das Geld dazu durch den Schiffshandel mit Kautschuk beschaffen möchte. Da er den Kahn aber nicht über Stromschnellen bringen kann, lässt er ihn kurzerhand von Einheimischen über einen Berg schleppen. Den Helden dieses Stückes hat es tatsächlich gegeben. Und die Sache mit dem über den Berg gehievten Schiff auch. Allerdings hatte der Kautschukbaron Fitzcarrald – so sein richtiger Name – nichts mit der Oper im Sinn. Ihm ging es ausschließlich um Geschäfte. Heilige Schamanen haben Hochkonjunktur. Peruaner können nicht nur Schiffe durch den Urwald bewegen, sie sind auch wahre Meister des Feuerwerks. Vor allem in den Anden ist das zu sehen – und recht lautstark zu hören. In Huaraz, 3.100 Meter über dem Meer, sind die Top-Feuerwerker zu Hause. Sie basteln bis zu 20 Meter hohe Türme aus Bambusholz, an denen sie Hunderte von Sprengkörpern befestigen. Das ohrenbetäubende, aber wunderbar anzusehende Getöse gilt den Schutzheiligen. Und das ist eben auch Peru. In vielen Orten sind Glaubensvostellungen lebendig, in denen sowohl Inka-Götter wie auch katholische Heilige ihren angestammten Platz haben. Schamanen, die nach uralten Ritualen die Gegenwart oder die Zukunft deuten, haben hier Hochkonjunktur. Jeder zweite Peruaner meint, schon mal im Leben ein Ufo gesehen zu haben. Unerklärbare Flugobjekte gehören hier einfach zum Alltag, etwa so wie wir bei uns einen Passagierjet am Himmel sehen. In Sachen „Ufologie“ steht Peru weltweit an der Spitze. Vielleicht hat das ja auch den „Ufo-logen“ Erich von Däniken dazu bewogen, Machu Picchu zum Landeplatz der Außerirdischen zu erklären. Leider habe ich sie persönlich nicht erlebt. Und hoffentlich werde ich nicht demnächst in den einschlägigen Boulevard-Zeitungen lesen: „Grüne Männchen und Weibchen in Peru gelandet!“ Denn das würde mich dann doch furchtbar ärgern.

Reiseinfos

Beste Reisezeit: Juni und Juli.
Klima: An der Küste, vor allem auf der Höhe von Lima, kommt es im peruanischen Winter (Mai-September) zum garúa, dem dichten Küstennebel, und das Wasser ist zu kühl zum Baden. In den Anden herrscht dann klares, sonniges Wetter für Bergtouren, bei kalten Nächten. Die beste Reisezeit für das Amazonasgebiet sind die relativ trockenen Monate Juni und Juli.
Zeit: MEZ minus 6 Stunden.
Sprache: Spanisch, Quechua, Aymara.
Geld: Nuevo Sol (PEN). 1 Euro = ca. 4,2 Nuevo Sol.
Dokumente: Reisepass, muss bei der Einreise mindestens noch ein halbes Jahr gültig sein.
Gesundheit: Wer aus Bolivien nach Peru einreist, muss eine gültige Gelbfieberimpfung nachweisen können. Ansonsten benötigt man offiziell keine Impfungen. Urwaldgebiete sollte man nicht ohne Malaria-Prophylaxe besuchen.
Essen & Trinken: Die peruanische Küche ist regional unterschiedlich und lässt sich grob in Küsten-, Hochland- und Regenwaldgebiete unterteilen. An der Küste überwiegen Fische und Meeresfrüchte, im Hinterland Fleisch – Geflügel, Rind, Schwein und Meerschweinchen. Die wichtigsten Zutaten sind Reis, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Mais und Kochbananen. Gewürzt wird großzügig mit Knoblauch und Pfeffer.
Sehenswert: Islas Flotantes: Originell und technisch meisterhaft – die schwimmenden Schilfinseln im Titicacasee. Tal der Pyramiden: Reste von über 20 Pyramiden zeugen bei Lambayeque von einer großartigen Küstenkultur. Inka Trail: Legendäre Wanderstrecke auf den Spuren der Inka nach Machu Picchu – ein Muss für Trekkingfans!
Unbedingt machen: Das Museo Manos Peruanos in Lima bietet eine Werkschau peruanischen Kunsthandwerks. Filmreif speisen: Man muss kein Kinski-Fan sein, um das Restaurant Fitzcarraldo in Iquitos zu lieben.
Unbedingt vermeiden: Drogen nehmen: Auf dem Bild sind Handschellen zu sehen. Darunter steht: „Passend für jede Größe“. In Peru, wo dieses Plakat auf allen Flughäfen hängt, kennt man kein Pardon beim Konsum von Kokain oder Marihuana.
Beliebte Mitbringsel: Feine Pullover und Schals aus Alpaka-Wolle. Wollene Satteltaschen, filigraner Silberschmuck.
Literatur: „Peru kompakt“ von Katharina Nickoleit und Kai Ferreira Schmid, 23,95 €; Lonely Planet Reiseführer Peru, 24,95 €.
Auskünfte: Botschaft der Republik Peru, Mohrenstrasse 42, 10117 Berlin, Tel. 030/20641042.


Reiseangebot

16 Tage Peru. Erleben Sie die ganze Magie des Landes, von der kolonialen Pracht in Lima zum Zentrum der Inkakultur in Cuzco bis zu den Weiten des Amazonasgebietes! Fünf UNESCO-Weltkulturdenkmäler, Nationalparks Paracas und Colca
Canyon, Zugfahrt nach Machu Picchu, Titicaca-See etc.. Preis: ab 3.979 €. Information und Buchung

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