Ras al-Khaimah
Geheimtipp am Persischen Golf
von Bernhard Bürkle
Dubai, seit vielen Jahren das Traumziel in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wird zunehmend zur dicht bevölkerten Megacity. Stetig wachsende Verkehrsdichte mit inzwischen ganztägigen Staus auf den mehrspurigen Stadtautobahnen erinnern erholungssuchende Touristen inzwischen doch sehr an die hektische Geschäftswelt zuhause, der sie im Urlaub eigentlich entfliehen wollten. Doch das neueste architektonische Highlight im „arabischen Disneyland“ Dubai, der Burj Khalifa, lockt erneut Touristenströme aus der ganzen Welt an den persischen Golf. Und um diese nebst den Heerscharen ausländischer Arbeitskräfte zügig durch die ausufernde Großstadt zu befördern, wurde eiligst eine Stadtbahn auf Stelzen über die kollabierenden Straßen zwischen die Hochhäuser gebaut. Mit mäßigem Erfolg: Nach wie vor herrscht zur Rushhour überwiegend stehender Verkehr auf der belebten Sheikh Zajed Road. Folgt man mit Geduld dieser Lebensader in Richtung Norden, so geht Dubai schon bald nahtlos in das Nachbar-Emirat Sharjah über, das nicht weniger belebt ist. Danach aber herrscht Ruhe, das kleine Emirat Ajman ist touristisch recht unbedeutend, ebenso Umm al-Quwain. Die Straße führt überwiegend durch die Wüste, immer an der (noch) weitgehend unbebauten Küste entlang, bis schließlich, nach etwa 60 Kilometern, im nördlichsten Teil der Vereinigten Arabischen Emirate erneut, aber durchaus überschaubar, die Zivilisation zurückkehrt.

Ras al-Khaimah, ein ehemaliges Fischer- und Piratennest, hat sich, so möchte man meinen, den Bauboom in Dubai erst einmal in aller Ruhe angeschaut, um in den letzten Jahren erst, vorsichtig und verhalten, mit dem Bau einzelner Hotels zu beginnen. Edle Herbergen, die sich in Sachen Luxus und Komfort hinter den Vorbildern der südlichen Nachbarn keineswegs verstecken müssen. Allein das Unterhaltungsangebot im Umfeld fällt (noch) vergleichsweise bescheiden aus. Dafür ist hier eben mehr Ruhe geboten. Gute Luft und saubere Strände sind Standard in Ras al-Khaimah. Kein Wunder. Das Emirat mit nur 215.000 Einwohnern ist das fruchtbarste der sieben Scheichtümer und versorgt die anderen mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen aller Art einschließlich Milchprodukten. Hier erlebt man also im wahrsten Wortsinn „Urlaub auf dem Lande“ mit allen damit verbundenen Annehmlichkeiten. Das 1.700 Quadratkilometer große Emirat gliedert sich landschaftlich in drei Bereiche: Da ist zunächst einmal das nur spärlich besiedelte Gebirge. Zwischen diesen nördlichen Ausläufern des mächtigen Hajar-Gebirges und der Küste liegt eine weite, äußerst fruchtbare Ebene, die zwar überwiegend aus Wüste besteht, dennoch aber intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Und schließlich folgt im Westen der belebte Küstenstreifen mit Städten und kleineren Ansiedlungen – und zunehmend eben auch Hotels, Shopping Malls sowie Sportanlagen und mittlerweile sogar ersten Vergnügungsparks.
Das erste Hotel, das man aus Richtung Dubai kommend ca. 15 km vor dem Stadtzentrum von Ras al-Khaimah vorfindet, ist das „Al Hamra Fort Hotel“. Abseits der Hauptstraße und dezent eingebettet in eine traumhafte Golfanlage, eröffnet sich dem Gast beim Passieren des gewaltigen Tores eine Welt, die spontan an Sindbad, den Seefahrer oder zumindest an Lawrence von Arabien erinnert. Der großzügig angelegte
Hotelkomplex besticht durch seine imposante Bauweise im arabischen Stil, also mit den typischen Windtürmen, verspielten Nischen und dem arabesken Zierwerk. Ganz im Stil eines Wüstenforts liegen die zahlreichen Einzelgebäude, alle einheitlich und landestypisch in Wüstenfarbe verputzt, zwar in Reihen zusammengebaut, insgesamt aber doch weitläufig verstreut am 1,5 Kilometer langen Sandstrand. Palmengruppen und üppige Bougainvillea-Hecken säumen die sattgrünen Rasenflächen zwischen den einzelnen, höchstens zweistöckigen Gebäuden. Allein dieser riesige Wandelgarten mit seinem verschlungenen Netz aus kleinen Wegen ist geradezu Balsam für die Seele, zumal sich inzwischen eine bunte, zwitschernde Vogelwelt in diesem blühenden Eldorado fest etabliert hat. 1999 wurde die Anlage erbaut und anno 2004 komplett renoviert, wobei der Baustil keinerlei modischen Trends unterliegt und die gewisse Reife eines Urlaubsdomizils durchaus Vorteile mit sich bringt – gediegenes Flair zum Beispiel und einen parkähnlichen Garten mit dem so beliebten alten Baumbestand. Christian Quemener, von Beginn an Manager des „Al Hamra Fort Hotel“, resümiert: „In den ersten Jahren kamen die Gäste eher spärlich und sicher auch wegen der im Vergleich zu Dubai deutlich günstigeren Preise. Inzwischen aber gibt es immer mehr Stammgäste, die sich alljährlich bei uns einfinden und am Urlaubsende gleich für die nächste Saison buchen.“
Arabische Vilen mit Garten- oder Meerblick
Fünf Spezialitäten-Restaurants bietet das Hotel, zum Beispiel das italienische „Don Camillo“, das „Al Jazeera“ mit traditioneller libanesischer Küche oder das „Cabana“ mit ausgefallenen Steak-Variationen. Zwei großzügig angelegte Swimmingpools sind vor allem bei den jüngeren Gästen beliebt, wobei der flache Sandstrand zu Spielen jeder Art geradezu verführt. Die insgesamt 485 Zimmer sind in drei Kategorien verfügbar: „Deluxe“-Zimmer sind inklusive Terrasse oder Balkon ca. 50 Quadratmeter groß und befinden sich im Haupthaus – traumhafter Meerblick inklusive. „Villa Superior Garden View“ heißen die sehr komfortabel ausgestatteten Zimmer in den Villen im weitläufigen Garten. Alle verfügen über ein sehr geräumiges Badezimmer, bei dem sich die großzügige Raumhöhe besonders angenehm auswirkt. Von der großen Terrasse oder dem ebenfalls üppig bemessenen Balkon genießt man den herrlichen Gartenblick gerne auch am Abend, wenn die ganze Anlage heimelig illuminiert und im Hintergrund nichts als das sanfte Meeresrauschen zu hören ist. Diese Villen gibt es auch direkt am Strand, dort sind sie etwas teurer und tragen die Bezeichnung „Villa Superior Sea View“. Urbane Sehenswürdigkeiten wie in Dubai darf man in Ras al-Khaimah freilich nicht erwarten, doch ein Bummel durch die Altstadt, etwa um 1500 auf einer schmalen Landzunge zwischen der Lagune und dem Golf erbaut, lohnt sich allemal. Da ist zunächst einmal das Ras al-Khaimah Museum erwähnenswert, das im zentral gelegenen Fort aus dem 19. Jahrhundert untergebracht ist. Bis Anfang der 1960er Jahre war dieses imposante, in unterschiedlichen Baustilen errichtete Gebäude die Residenz des bis heute regierenden Scheich Saqr bin Mohammed Al Qasimi. Vom Museum führt eine Straße voller Schneider- und Stoffläden zum langen, weißen Sandstrand der Corniche. Folgt man dieser Strandpromenade in Richtung Norden, so findet man den Abra Souk am Rande der Altstadt, der wegen seiner bunten Plastikwaren im Volksmund auch „Irani Souk“ genannt wird. Im Osten der Lagune erreicht man über eine Brücke den neuen Teil der Stadt, das Viertel Al Nakheel. Hier erstrecken sich Wohn- und Geschäftshäuser mit Restaurants vom Ufer des Creek bis hin bis zu den majestätischen Hajar-Bergen.
Ganz in der Nähe des „Al Hamra Fort Hotels“ liegt das Küstendorf Jazirat al- Hamra, was „rote Insel“ bedeutet. Dieser kleine Ort stand nämlich ursprünglich auf einer kleinen Landzunge, die bei Flut regelmäßig zur Insel wurde. Später wurde die Lagune aber aufgeschüttet, um auf diesem zusätzlich gewonnenen Land den neuen Ort aufzubauen. Die ursprüngliche Siedlung ist zwar längst verlassen, aber die Reste der alten Häuser zeigen die typische Bauweise der Region und eine sehenswerte Besonderheit: Das Baumaterial besteht weitgehend aus Korallenstöcken und Muscheln, mit Naturmörtel verputzt und teilweise mit völlig funktionslosen Rillen versehen. Offenbar wollte man den Einsatz des billigen Baumaterials verschleiern, indem man optisch mit vorgetäuschten Fugen echtes Mauerwerk simulierte. Über den Flughafen-Zubringer im Südosten erreicht man den Ort Digdagga mit seinen großen Rinder- und Hühnerfarmen. Bekannt und besonders für die Einheimischen bedeutungsvoll aber ist Digdagga wegen seiner Kamelrennbahn. Von Oktober bis April finden hier jeden Donnerstag – was unseren Samstagen entspricht – Kamelrennen statt, ein Spektakel, das überwiegend von der männlichen Bevölkerung lautstark verfolgt wird. Reizvolle Ausflüge in die Umgebung
Von Digdagga lohnt sich die kurze Fahrt zu der beliebten Badeanlage Khatt Hot Springs mit ihren warmen Quellen und einem kleinen Hotel auf einer Anhöhe. Für Historiker und archäologisch Interessierte dürften die Siedlungsreste der Ausgrabungsstätte bei Shimal ein echter Leckerbissen sein, die auf mindestens 3000 v. Chr. datiert werden. Das Dorf Shimal liegt am Fuße jenes Hügels, auf dem der Palast der legendären Königin von Saba gestanden haben soll. Leider ist dem jedoch nicht so – die Mauerreste stammen nachweislich von einer alten Siedlung. Dennoch lohnt sich der Ausflug allein wegen der herrlichen Aussicht auf Ras al-Khaimah und die Küstenebene. Die geografische Lage des nördlichsten der sieben Arabischen Emirate macht Ras al-Khaimah zum idealen Ausgangspunkt für Reisen in das benachbarte Sultanat Oman. Vom „Al Hamra Fort Hotel“ aus werden Tagesausflüge nach Musandam angeboten, jener atemberaubenden Fjordlandschaft in den Hajar-Ausläufern ganz im Norden an der Straße von Hormuz, gerade mal 70 Kilometer von der iranischen Küste entfernt. Gleichermaßen erreicht man in der Gegenrichtung auch die pulsierende Großstadt Dubai, zum Beispiel für eine ausgedehnte Shoppingtour. Zu den wohl aufregendsten Ausflügen in den VAE aber gehört die Durchquerung des Hajar-Gebirges von Ras al-Khaimah nach Dibba auf der historischen Handelsroute durch das Wadi al Bih – für alle, die auf Reisen gern fotografieren, ein absolutes Muss.
Ras al-Khaimah Reiseangebot
Umgeben von herrlichen Sandstränden und einer Lagune liegt die Anlage mit den beiden Hotels „Al Hamra Village Golf Resort“ (4 Sterne) und „Al Hamra Fort Beach Resort“ (5 Sterne). Zur Anlage gehören Lobby, Lounge, 5 Restaurants und Bars, Friseur, Beautysalon, Garten mit 2 Süßwasserpools, Whirlpool, 2 Poolbars. Die geschmackvoll eingerichteten Zimmer sind 35 bis 50 qm groß und verfügen über Sitzecke, Telefon, TV, Internet, Minibar, Safe, Klimaanl., Föhn, Bademäntel, Balkon. Preis: 7 Nächte DZ/F inkl. Flug ab 854 € p.P. (Thomas Cook Reisen)- siehe "Information & Buchung"
Ras al-Khaimah Länderinfos
Beste Reisezeit: November bis April. Danach wird es heiß, Temperaturen um die 40 °C sind die Regel.
Klima: Subtropisch bis trocken. Die Temperaturen liegen im Winter bei 22 bis 30 °C. Im Sommer teilweise über 45 °C.
Sprache: Arabisch. Auch Englisch wird gesprochen.
Zeit: MEZ plus 3 Stunden, MESZ plus 2 Stunden.
Geld: Dirham (AED). 1 EUR = 5,1257 AED
Dokumente: Reisepass, der noch mind. 6 Monate über den Reisetermin gültig ist, und ein kostenloses Visum, das bei Einreise für 30 Tage ausgestellt wird.
Gesundheit: Das Leitungswasser kann getrunken werden. Die Krankenhäuser bieten überwiegend modernste Technik und westlichen Standard.
Essen & Trinken: Die arabische Küche ist abwechslungsreich. Es wird sowohl Fisch als auch Fleisch (Lamm, Huhn) zubereitet. Gewürze wie Kreuzkümmel, Kardamom und Zimt geben den Gerichten einen unverwechselbaren Geschmack. Typische Gerichte: Kabsa (Hähnchenfleisch auf Reis), Kebab (Grillspieß), Kofta (Hackröllchen) oder Shish Tawook (in Joghurt marinierte Hühnerspieße). Typisch sind auch die Mezze – viele kleine Gerichte. Tee und Kaffee werden oft mit Gewürzen wie Kardamom, Safran oder Minze verfeinert. Kamelmilch probieren.
Restaurants: Das „Al Hamra Fort Hotel“ hat fünf Spezialitäten-Restaurants: Libanesisch, Italienisch, International, Seafood, Grill.
Sehenswert: Chaur Ra’s al-Chaima – Lagune, umsäumt von Mangrovenwald; hier befindet sich die Corniche mit vielen Geschäften und Einkaufszentren. Historischer Hafen. Dhau-Werft – hier kann man den Handwerkern beim Bau der traditionellen Boote über die Schulter gucken. Old Fort – das alte Fort beherbergt heute das National Museum. Ras al Khaimah Camel Race Track – hier finden im Winter am Do. und Fr. Kamelrennen statt. Heiße Quellen von Khatt.
Unbedingt machen: Wandern oder Jeep-Safaris.
Unbedingt vermeiden: Gegen Sitten und Gebräuche der Araber verstoßen: freizügige Kleidung, Alkohol in der Öffentlichkeit. Besondere Rücksichtnahme gilt während des Fastenmonats Ramadan – dann sind Essen und Trinken in der Öffentlichkeit bis Sonnenuntergang verboten.
Beliebte Mitbringsel: Teppiche, Gold und Nippes vom Souk. Die Perlen aus Ras al-Khaimah sind für ihre exquisite Qualität bekannt.
Literatur: „Vereinigte Arabische Emirate“, Reise Know-How Verlag Rump (2010), 23,90 €.
Auskünfte: Botschaft der VAE in Berlin, Tel. 030/51 65 16, http://www.vae-botschaft.de.
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