Sri Lanka
Tempel, Tee und Wolkenmädchen
von Alexander Beyler
Dikwella ist nicht zu verfehlen. Denn hoch über den dicht belaubten Kronen alter Ficusbäume thront Buddha über dem kleinen Ort ganz im Süden Sri Lankas – so groß und bunt wie sonst nirgendwo auf der Insel. Mit gekreuzten Beinen sitzend, auf dem erhaben gereckten Haupt … ein Softeis? „Nein, das ist die Flamme der Erleuchtung“, belehrt uns Lionel Nanayakarra, der Guide, mit leicht österreichischem Akzent. Das alpine Deutsch hat der sympathische Srilanker vor vielen Jahren als Kellner im Salzburger Land gelernt. Wie auch uns begleitet er heute Touristen auf Rundreisen durch seine Heimat.
Den Tour-Stopp in Dikwella hat Lionel nicht allein wegen des beeindruckenden Buddhas ausgewählt. Die mit über 45 Meter Höhe landesweit größte Statue des Religionsgründers gehört zum Tempelkomplex Wewurukannala Viharaya. Touristisch weitgehend unerschlossen, zählt die noch heute von Mönchen bewohnte Anlage zu den interessantesten ihrer Art. Besonders die Abteilung „Sünden und Strafen“ zieht uns in ihren Bann. Ganz naiv, kitschig und nicht immer ganz jugendfrei wird hier gezeigt, was passiert, wenn man nicht wie ein braver Buddhist lebt. Teufel und andere Höllenfiguren malträtieren, zersägen, verbrennen die armen Sünder, die alle sehr europäisch aussehen. Verständlich. Die Kolonialzeit unter Portugiesen, Niederländern und Briten war kein Zuckerlecken für das ehemalige Ceylon! Der abschreckenden Inszenierung am Eingang folgt ein dunkler Gang mit zahlreichen Zeichungen zum gleichen Thema. Ein Gruselkabinett mit pädagogischem Anspruch. „Ach, diese armen kleinen Mönche!“, denken wir. Doch die machen einen ganz robusten Eindruck, raufen und spielen Fußball. Nebenan, in den ältesten, ungefähr 250-jährigen Gebäuden des Tempels, sind unzählige Darstellungen Buddhas zu sehen. In allen denkbaren Lebensformen, selbst als Tier oder Dämon, begegnet „der Erwachte“ dem Betrachter. Ausgerechnet er, der zu Lebzeiten jeden Kult um seine Person ablehnte, ist heute Gegenstand vielfältiger, oft götzenhafter Verehrung.
Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung Sri Lankas glauben an Buddhas naturphilosophische Lehren. Rund 15 Prozent, fast ausschließlich Angehörige der tamilischen Minderheit, sind Hinduisten. Die übrigen Insel-Bewohner gehören vor allem dem Islam und dem Christentum an. Seit Konvertierung Königs Devanampiya Tissa im Jahre 247 nach Christus ist der Buddhismus Hauptreligion des Landes. Zu den wichtigsten buddhistischen Pilgerstätten auf der Insel gehören Sri Pada, Buddhas angeblicher Fußabdruck auf dem Berg Adam’s Peak, die Dagoba von Mahiyangana östlich von Kandy, der Bhodi-Baum und der Sri Dalada Maligawa – der Zahntempel von Kandy. Da fahren wir jetzt hin – vorbei an den malerischen Stränden von Weligama und vorbei an den Stelzenfischern von Koggala. Stundenlang sitzen sie dort auf unbequemen Pfählen im Meer und warten auf Touristen, die sie für gutes Geld fotografieren. Das bringt mehr als der Fischfang. In Sri Dalada Maligawa erwartet uns ein Stau am Schuhregal. Wie an allen heiligen Plätzen des Orients sind unbeschuhte Sohlen Pflicht. Gut so, denn bei Temperaturen von über 30 Grad im Schatten ist es eine erfrischende Wohltat, barfuß über die kühlen Steinplatten zu laufen. Die namensgebende Reliquie des Tempels, ein Eckzahn des Erleuchteten, bekommt man normalerweise nicht zu sehen. „Nur alle paar Jahre, an bestimmten Feiertagen, wird sie aus ihrer Elfenbein-Kapsel geholt und gezeigt“, erklärt uns Lionel. Zumindest auf die goldenen Dagobas, unter denen die Reliquie ruht, kann man einen Blick werfen. Lionel: „Dreimal am Tag werden dazu die silberbeschlagenen Türen des Allerheiligsten – von einem Trommelwirbel begleitet – geöffnet.“ Aber auch außerhalb der Prozessionen lohnt der Besuch, denn im Gegensatz zum eher bescheidenen Äußeren der Tempelgebäude überraschen die Innenräume mit üppigem Schmuck.
Am interessantesten allerdings ist es, das turbulente Treiben im Zahntempel zu beobachten. Da es im Buddhismus kaum allgemein gültige religiöse Rituale gibt, kann den Erleuchteten offenbar jeder verehren, wie er will. Stehend, sitzend, liegend oder tanzend werden Gebete gemurmelt, gesungen oder vom Trommelklang übertönt. Vor dem heiligen Schrein ein Meer duftender Lotosblumen-Opfer. Die Natur, die in der buddhistischen Lehre einen zentralen Platz einnimmt, scheint sich mit der immergrünen Tropeninsel einen eigenen Altar geschaffen zu haben. Der unbeschreibliche Reichtum der Pflanzen- und Tierwelt Sri Lankas ließ Fremde schon vor vielen Jahrhunderten glauben, hier das Paradies gefunden zu haben. Was der dichte Dschungel der Insel unseren Blicken vorenthält, verrät ein Spaziergang durch den botanischen Garten Peradeniya in Kandy. Günstige Boden- und Klimaverhältnisse bewogen Könige bereits im 14. Jahrhundert, im Zentrum des Inselreiches einen Lustpark zu errichten. Hier gedeiht alles, was die tropische Flora zu bieten hat: zahllose Baumarten, manche von Blütengirlanden überwuchert, zauberhafte Palmenhaine, Orchideen und betörend duftende Gewürzpflanzen. Überall wachsen sonderbare Früchte. Viele davon wie die große, grüne und stachlige Jackfrucht, die nach Süßkartoffel schmeckt, kann man essen. Andere entpuppen sich zu guter Letzt als ganz andere Lebensformen – etwa als Flughunde, die wie kleine Regenschirme zusammengefaltet zu Tausenden an hohen Ästen baumeln.
Mitten auf der Wiese des Botanischen Gartens ein runder, flacher Wald, dernur auf einem einzigen Baumstamm wächst. Es handelt sich um den wohl größten Ficus der Erde, dessen Laubkrone mehr als tausend Quadratmeter Boden überschattet und so schwer ist, dass sie vielfach abgestützt werden muss. Der Einklang mit der Natur verfolgt uns bis ins Bett. Während draußen Frösche und Zikaden für eine gleichbleibende Geräuschkulisse sorgen, bläst oder besser schnarrt über mir ein Gecko sein Halali zur Mückenjagd. Als sei es das Normalste von der Welt, huscht das zierliche Echslein über die Zimmerdecke, um einige Meter weiter sofort wieder in Bewegungslosigkeit zu erstarren und auf den nächsten Leckerbissen zu zielen. Insektenschutz, ganz biologisch.Tierisch was los ist nach Sonnenuntergang auch in den Ruinenstädten des so genannten Kulturdreiecks nördlich von Kandy, wenn sich zwischen den Resten der jahrtausendealten Königspaläste und Dagobas die nachtaktiven Krait-Schlangen tummeln. Tagsüber lausen sich die Hutaffen auf den verwitterten Gemäuern, wenig beeindruckt von den vorbeiströmenden Besuchern. Hauptattraktion auf dem 40 Quadratkilometer großen Ruinenfeld von Anuradhapura ist der Sri Maha Bodhi, ein Ableger des Feigenbaums, unter dem Gautama Siddharta im Jahr 528 vor Christus erleuchtet wurde. Das heilige Gewächs gilt als der älteste Baum der Welt. In Polonnaruwa, der antiken zweiten Königsmetropole, beeindrucken uns vor allem die vier aus dem Felsen geschlagenen Kolossalstatuen von Gal Vihara durch ihre Größe und Schönheit. In kleineren Maßen, doch um so zahlreicher, erscheint Buddha in den mit prächtigen Wandmalereien verzierten Felshöhlen von Dambulla. Sein mit reichlich zwölf Metern inselweit größtes freistehendes Ebenbild steht in Aukana.
In Sigiriya, dem so genanten Löwenfels, spielen die spärlich bekleideten Wolkenmädchen mit den Sinnen ihrer Betrachter. Der frische Charme der farbigen, 1.500-jährigen singhalesischen Fresken macht die Anstrengungen des Aufstiegs schnell vergessen und ermuntert, den Weg auf den 200 Meter hohen Monolithen fortzusetzen. Ganz oben stand einst ein Luxusschloss. Neben Fundamenten sind noch Teile der ehemaligen Pool- und Gartenlandschaft mit Panoramablick auf die bewaldete Ebene erhalten. Von den vielen gut erhaltenen Ruinen der im fünften Jahrhundert erbauten Stadt künden vor allem eine Reihe von Gräben, Wällen und künstlichen Teichen, die mittels raffinierter Technologien eine permanente Wasserversorgung gewährleisteten. Vorbei an den grünen Teppichen der Reis- und Teefelder geht die Reise zurück zur Küste. Das letzte Stück mit dem Tuk-Tuk, einem äußerst preiswerten Dreiradtaxi, das so heißt, wie es klingt und an das „Krause-Duo“ in der DDR erinnert. Zum Abendessen gibt es Curries und Reis. Verblüfft erhält ein deutsches Kind ein Lob von einem einheimischen Kellner. Es hat mit den Fingern gegessen! In Sri Lanka gilt das als gute Sitte.
Sri Lanka Reiseangebot
Direkt am Strand, zwei Kilometer von Bentota entfernt, liegt das Baderesort „Taj Exotica“. Die 5-Sterne-Anlage verfügt über 162 Zimmer, bietet u.a. neben dem Hauptrestaurant drei À-la-Carte-Restaurants, zwei Bars, Swimmingpool mit Jacuzzi und separatem Kinderbecken und eine Shopping-Arcade. Schön eingerichtet: der Wellness-Bereich „Jiva Spa“ mit Laconium. Preis: Thomas Cook Reisen bietet 2 Wochen ÜF im „Taj Exotica“ inkl. Flug ab/nach Deutschland ab 1.438 € p.P im DZ an.
Sri Lanka Länderinfos
Beste Reisezeit: Februar und März.
Klima: Tropisch, mit Einfluss des Monsun. Im Nordosten dauert die Monsunzeit von Oktober bis Januar, im Südwesten regnet es zwischen Mai und August. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch. In Colombo liegen die Temperaturen bei 23 bis 31 °C, im Bergland ca. 7 Grad darunter. April und Mai sind die heißesten Monate.
Sprache: Sinhala und Tamil sind die offiziellen Sprachen. Englisch ist weit verbreitet.
Zeit: MEZ plus 5 Stunden.
Geld: Sri-Lanka-Rupie (LKR). 1 EUR = 152 LKR.
Dokumente: Reisepass, der noch mindestens 6 Monate gültig ist. Ein Touristenvisum für 30 Tage wird bei der Einreise am Flughafen von Colombo erteilt.
Gesundheit: Grundsätzlich sollte man nur mit einem aktiven Impfstatus für Hepatitis A (und B), Diphterie, Tetanus und Polio nach Sri Lanka reisen. Kein Leitungswasser trinken, an Mückenschutz denken. Die Deutsche Botschaft kann bei der Suche nach einem Arzt helfen. In Colombo gibt es das Apollo Hospital.
Essen & Trinken: Hauptmahlzeit mittags und abends, manchmal sogar zum Frühstück ist gekochter Reis mit Fleisch, Fisch oder Gemüse und würzig-scharfem Curry. Am Abend gibt es oft Roti (Fladenbrot aus Reismehl) oder Hoppers (eine Nudelart aus Reismehl, Kokosmilch und Hefe). Beliebte Süßigkeiten sind Kiribath, ein Milchreis aus Kokosmilch und Jaggery sowie ein Bonbon aus dem Saft der Kitulpalme. Arak, ein alkoholisches Getränk aus dem Blütensaft der Kokospalmen (Toddy). Der Tee Sri Lankas gehört zu den besten der Welt.
Restaurants: Sehr angesagt ist „The Gallery Café“, 2, Alfred House Road, Off Alfred House Gardens, Colombo 3. Es hat ein schönes Ambiente.
Sehenswert: Anuradhapura, die historische Königsstadt; in Sri Maha Bodhi gibt es einen Ableger von Buddhas Erleuchtungsbaum; Colombo: zahlreiche Gebäude im Kolonialstil, Uhrturm, Gordon Garden, der muslimische Stadtteil mit Basar; Polonnaruva: 300 Jahre alte Bogoda-Brücke, komplett aus Holz und ohne Nägel errichtet; Kandy: Bahariva Kanda, eine 30 m hohe Buddhastatue; Dalada Maligaw: Zahntempel mit einem Eckzahn Buddhas; heiße Quellen von Kanniyai; Adam‘s Peak, ein heiliger Berg mit einem angeblichen Fußabdruck Buddhas (Buddhisten), Shivas (Hindus) bzw. Adams (Moslems); Yala National Park.
Unbedingt machen: In Pinnawala ein Waisenhaus für Elefanten besuchen.
Unbedingt vermeiden: Bettelnden Kindern Geld geben. Das bestärkt sie zu betteln und nicht zur Schule zu gehen. Unbedacht im Meer schwimmen gehen. Besonders in der Monsunzeit können gefährliche Strömungen auftreten.
Beliebte Mitbringsel: Textilien, traditionelle Bekleidung (Batik und Saris), Schmuck, Holzschnitzereien, Korbwaren Tee, Gewürze
Literatur: Lonely Planet „Sri Lanka“, 22,95 €.
Auskünfte: Fremdenverkehrsamt Sri Lanka, Allerheiligentor 2-4, 60311 Frankfurt/M., Tel. 069/ 28 77 34, http://www.srilanka.travel.
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