Türkei

Eine Herausforderung für Entdecker

von Barbara Leuschner

Foto

Urlaub + Strand = alles prima! Das ist eine Gleichung, die aufgeht. Für mich persönlich allerdings nur drei Tage lang. Diese Zeit benötige ich, um dem Alltag zu entfliehen, Stress abzubauen und mich in meine Urlaubslektüre einzu­lesen. Doch dann will ich wissen, wo ich bin, was es zu entdecken gibt, wie die Leute hier ticken. Also los! Ein morgendlicher Spaziergang ist ein guter Anfang. Auch um den müden Kreislauf auf Touren zu bringen. Bald liegen die Bettenburgen von ­Kemer hinter mir, ist der Hindernislauf um die Liegen am Strand beendet, und ich steigere meine Fortbewegung über Walken bis hin zum Joggen. Stolz auf meine erste Aktivität stärke ich mich in einem Café mit einem ­„türkischen“ Frühstück“: Tee, dazu ­ein Sesamring, Feta, Oliven, Tomaten und Gurke. Und das alles bei strahlendem Sonnenschein mit Blick aufs Meer! In der Ferne verlässt gerade eine ­Armada von Ausflugsdampfern, Gulets genannt, den Hafen. Auch eine ver­lockende Sache … Und schon sitze ich am nächsten Tag an Bord eines Motorseglers, der an der Küste entlang die schönsten Buchten der Region an­steuert. Und vom Meer aus betrachtet wird mir die malerische Lage von ­Kemer am Fuße des Taurusgebirges erst richtig bewusst. In der Bucht von Phaselis, einer zweitausend Jahre alten Stadt, die mit ihren drei Naturhäfen einst sehr imposant gewesen sein muss, legen wir einen Stopp ein. Diese Ruinenstadt, in der Alexander der Große im vierten Jahrhundert vor Christus einen Winter verbrachte, werde ich mir später noch einmal auf dem Landweg zu Gemüte führen, beschließe ich. „Wenn Sie gern Schiff fahren und sich für Geschichte interessieren, dann müssen Sie die Mehrtagesfahrt nach Kekova, der versunkenen Stadt, mitmachen“, rät mir ein deutsches Ehepaar an Bord. „Das ist ein spannendes Erlebnis. Besonders für Leute, die gern schnorcheln. Und das blau-grüne Meer – ein Traum in türkisch Türkis.“

Ja, dieser Landstrich hat viel zu bieten. Von mehr oder weniger schönen, ­teilweise überfüllten Stränden über ­historische Stätten bis hin zum 3.000 Meter hohen Taurusgebirge, das über allem thront. Das Meer- ein Traum in türkisch türkis Und das will ich als ­nächstes erkunden. Eine Jeepsafari führt uns vorbei an hellgrün leuchtenden, 18 Grad kühlen Bergseen hinauf in einsame Berg­dörfer. In Gedelme, etwa 800 Meter hoch gelegen, gibt es sogar ein erstes Hotel für diejenigen, die die Bergwelt von hier aus genauer erkunden wollen. Wir machen Rast in einem Wandererlager für Einheimische, die mit ihren Ziegen auf die Almen ziehen. Auf dem Boden sitzend werden uns lecker einheimische Speisen kredenzt. Weiter geht es zu einer alten Burgruine, neben der sich der Eingang zu einer beeindruckenden Tropfsteinhöhle befindet. Und schließlich stehen wir auf einem Plateau – genießen eine tolle Aussicht! „Für morgen hat der Wetterbericht wieder wolkenlosen Himmel vorhergesagt. Da solltet ihr mit der Seilbahn auf den Tahtali fahren“, empfiehlt uns unser Guide. Ein guter Tipp. Am ­nächsten Morgen ist der Berg bis zur Spitze klar zu sehen. Und getreu dem Spruch „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ sitze ich mit einer kleinen Gruppe gleichgesinnter „Aussichtshungriger“ in der Gondel nach oben. Die Kabinenbahnbetreiber werben mit dem Slogan „Sea to Sky“. Und dem wird schon die sensationelle Auffahrt gerecht. Hoch über steilen Felswänden und uralten Zedern blickt man hin­unter aufs Meer. Für mich – die ich nicht unbedingt ein erklärter Seilbahn-Fan bin – sehr beruhigend: Die 80 Per­sonen fassende Gondel schaukelt kaum! Nach zehn Minuten Fahrt für tl_files/contao-ready-theme/content/reportagen/zz_general/taurus_kemer_panorama_635.jpgeine Strecke von 4.350 Metern befinden wir uns auf dem 2.365 Meter hohen Tahtali-­Gipfel und erfreuen uns bei klarer Luft in angenehmer Temperatur an einem grandiosen 360 Grad-Panorama. Auch das ist die Türkische Riviera! Da wir an festes Schuhwerk gedacht haben, können wir von hier aus eine kleine Wandertour unternehmen. Auf das Essen im Gipfel-Restaurant mit Freiterrasse verzichten wir allerdings, da uns später im Tal ein Forellenessen in Ulupinar erwartet. Und dort, in feuchtfröhlicher Runde, beschließen wir, den nächsten Tag kultur-historisch in Olympos zu verbringen. Die antike Hafenstadt Olympos mit ihren teilweise freigelegten antiken Gebäuden, Bädern und Tempeln liegt etwa 40 Kilometer südlich von Kemer. Zu Zeiten römischer Herrschaft unter Kaiser Hadrian war diese Bergstadt berühmt für ihren Kult um Hephaistos, den Gott des Feuers und der Schmiede.

Und warum das so war, erschließt sich uns beim abendlichen Besuch der ­Ewigen Feuer im nahen Cirali. Mit Taschenlampen bewaffnet erklimmen wir den Berg der Yanartas, der brennenden Steine. Der beschwerliche Aufstieg wird mit der sensa­tionellen Atmosphäre der Chimaira belohnt: Wie von Geisterhand ­schlagen an mehreren, ständig wechselnden Stellen Flammen aus dem felsigen ­Boden des Berghangs. Das Feuer entsteht durch Gase, die aus Rissen, Spalten und kleineren ­Öffnungen austreten. Diese wissenschaftliche Erklärung tut aber dem überwältigenden Naturschauspiel keinerlei Abbruch. Mittlerweile sind die Flammen recht klein, jedoch sollen sie den Überlieferungen zufolge in der Antike weithin geleuchtet haben und halfen so den Seefahrern bei der ­Orientierung. Was wäre die Türkei ohne den Besuch eines Basars? Es ist Freitag, und ich fahre nach Göynük – einst ein verträumtes Fischerdorf und mittlerweile eine Stadt mit großen Hotels, deren ­Architektur eigenwilliger und ­absurder nicht sein kann. Schon allein des­wegen lohnt sich ein Besuch. Der Basar hingegen scheint sich im Lauf der Zeit kaum verändert zu ­haben. Nachdem ich mich mit dem Strom der Touristen durch die scheinbar end­losen Reihen der Händler ­habe treiben lassen, stoße ich auf ein bekanntes ­Gesicht von meiner Jeepsafari: ein Holzlöffelfabrikant aus einem Bergdorf nahe demimage Nationalpark Kezme Bogazi. Das erinnert mich an ein weiteres Vorhaben: eine Canyon-Tour. Zum Glück findet sich im „Erendiz ­Kemer Resort Hotel“ eine Gruppe Wanderfreudiger. Denn man sollte sich auf solche Touren nicht allein, schon gar nicht ohne Handy, begeben. Wie schnell kommt man wegen eines einzigartigen Fotos vom Weg ab – und wenn dann ein ­Unfall passiert, erfährt man die Ab­geschiedenheit von der Zivilisation auf lebensbedrohliche Weise. Daher begeben wir uns ­unter fachkundiger Führung in die Schluchten. Und wenn da diese Quad-Fahrer nicht wären, die auf ihren lauten Maschinen durch ausgetrocknete Flussbetten brettern, dann würde ich nur noch auf solchen Pfaden wandern wollen. Anspruchsvolle Pfade führen uns zu einer durch Felsen gestauten Stelle des Flusses. Schwimmen oder übersetzen lassen – das ist hier die Frage. Denn ­natürlich haben geschäftstüchtige Fährleute an diesem Ort die Möglichkeit einer touristischen Einnahmequelle erkannt. Mir ist heiß. Ich gehe ins Wasser! Das ist sehr erfrischend, erfordert allerdings weitere Kraxeleien auf den glattgewaschenen Felsen. Zur Belohnung erwartet uns dann auf dem Rückweg ein gedeckter Tisch im Bachbett. Manche Hoteliers lesen ­einem halt die Wünsche von den ­Augen ab …

Reiseangebot

imageBeste Reisezeit: Frühjahr und Spätsommer.
Klima: An der Küste herrscht mediterranes Klima mit heißen Sommern und feuchten, kühlen Wintern. Im Taurusgebirge ist es deutlich kälter, auch im Sommer. Im Winter schneit es hier.
Sprache: Türkisch. Hier einige Kostproben: Hallo – merhaba; danke – tesekkür; auf Wiedersehen – güle güle. In den touristischen Zentren wird Englisch, oftmals auch Deutsch verstanden.
Zeit: MEZ plus 1 Stunde.
Geld: Türkische Lira (TL). 1 EUR = 1,99 TL.
Dokumente: Personalausweis oder Reisepass.
Gesundheit: Das Taurus-Gebirge ist nur dünn besiedelt und die medizinische Versorgung überwiegend an der Mittelmeerküste möglich. Eine gute gesundheitliche Verfassung ist für eine Trekking-Tour Voraussetzung.
Essen & Trinken: Es gibt viele klare Gewässer im Taurus, in denen Forellen gefangen werden. Die Bergbauern halten Schafe und Ziegen. Zur typisch türkischen Küche gehören Meze (kleine Vorspeisen) mit gefüllten Weinblättern, Fava (Püree aus dicken Bohnen), Schafskäse, Oliven und anderen Dips. Viele Speisen werden mit Joghurt zubereitet. Die Nachspeisen sind zum Teil sehr süß, z.?B. Baklava (dünner Blätterteig mit Pistazien und Honig), Lokum (türkischer Honig). Getrunken wird schwarzer Tee (Cay) und Ayran. Guten Appetit – afiyet olsun!
Sehenswert: Der Lykische Weg, ein 500 km langer Wanderweg von Antalya bis Fethiye.
Unbedingt machen: Eine Fahrt mit der Seilbahn auf den Tahtali (2.365 m); eine Bootstour entlang der Küste; das Landesinnere auf einer Jeep-Safari, per Mountainbike oder zu Pferd erkunden. Spannend: eine Fahrt mit der Bagdadbahn durch den Taurus. Der Express fährt ab Istanbul durch die engen Schluchten des Taurus bis nach Gaziantep.
Unbedingt vermeiden: Die Wetterwechsel im Taurusgebirge unterschätzen und mit unangemessener Kleidung ins Gelände gehen.
Beliebte Mitbringsel: Auf den Basaren an den Mittelmeerorten (z.?B. in Antalya) können Sie von Gewürzen über Bekleidung und Teppiche bis hin zu Goldschmuck manches Schnäppchen machen. Feilschen gehört dabei zum guten Ton.
Literatur: „Türkische Riviera: Lykische Küste von Antalya bis Fethiye“, 40 Touren inklusive dem Lykischen Weg, Bergverlag Rother, 12,90 €.
Auskünfte: Türkisches Generalkonsulat, Baseler Str. 37, 60329 Frankfurt/M., Tel. 069/23 30 81, www.reiseland-tuerkei-info.de.

Reiseinformationen

Das liebevoll gestaltete „Erendiz Kemer Resort Hotel“ liegt am Rande von Kemer, am Fuße des Tahtali-Gebirges. Die Anlage ist eine Oase der Ruhe – im „Erendiz“ geht es entschleunigt zu. Das 3,5-Sterne-Hotel verfügt über einen großen botanischen Garten mit Streichelzoo und Voliere sowie einen wunderschönen Pool. Zum nahen Sand-/Kiesstrand wird viermal am Tag ein kostenloser Shuttle-Service angeboten. Das Hotel bietet täglich kostenlos geführte Wanderungen und Yoga an. Hotelchefin Ellen Gerleigner organisiert gern individuelle Touren in kleinen Gruppen: Wandern auf dem lykischen Weg, Biking im Taurusgebirge, Kreuzfahrten mit der Segeljacht, Ausflüge nach Iskenderun oder zum Ararat sowie Weinreisen, die Kultur und Genuss verbinden. Zwischen März und November finden spezielle Aktiv-Wochen statt: Well-Vital, Yoga-Intensiv, Feldenkrais, Middendorf-Therapie. Information und Buchung oder Erendiz Kemer Resort Hotel, Tel.+90/242 814 2504, Fax +90/0242 814 3742, info@erendiz.de, www.erendiz.de.

Fotos: Erendiz Hotel

Zurück

Einen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder