Tel Aviv

Die Sin City des Gelobten Landes

von Lisa Kluxen

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Ari ist zu spät. Aber was macht das schon, wenn man in einer Stadt wie Tel Aviv warten muss, wo das Leben um einen herum pulsiert? Ich setze mir also meine überdimensionale Sonnenbrille auf, die ich gerade von einem Straßenhändler erworben habe, und schaue mich um. Autos und Motorroller dröhnen ­hupend vorbei, irgendwo klingelt ein Handy mit einem Tekkno-Sound. Tel Aviv ist eine junge Metropole. Erst 1909 wurde sie gegründet. Und sie wirkt auch demographisch sehr jung. Auf den Straßen begegnen einem überwiegend Menschen unter 30 Jahren, so scheint es. Die Stadt macht den Eindruck eines lebensfrohen, quirligen Ameisenhaufens. Zugegeben, wenn man an eine Szene-Stadt denkt, dann fallen einem zunächst London, New York oder Paris ein – weniger eine Stadt im Nahen ­Osten. Noch dazu in einem Land, das täglich zwischen Normalität und ­Chaos pendelt. Aber wir werden sehen …

Plötzlich quietschende Reifen, und vor mir hält ein klappriges Fahrrad. Immerhin mit einer Halterung für den iPod. Ari, mein Stadtführer, ebenfalls mit viel zu großer Sonnenbrille, steigt abtl_files/contao-ready-theme/content/reportagen/telaviv/tel_city_311.jpg. Großes „Shalom“ und „Ma Nishma?“ (was gibt’s Neues?) folgen, und schon geht es los zur Stadterkundung. Dafür bietet sich ein Fahrrad geradezu an. Die City ist überschaubar groß und es gibt keine nennenswerten Steigungen. Zunächst geht es nach Jaffa-Stadt, dem arabischen Teil der Stadt. Wir ­parken unseren Drahtesel, schlendern gemütlich durch die alten Gassen. In der Gründerzeit eher etwas heruntergekommen, entwickelte sich Jaffa in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem schicken Trendspot mit angesagten Restaurants und renovierten Luxuswohnungen. Es gibt viele kleine Geschäfte und Basars, die zum Stöbern einladen. Für einen kurzen Moment ärgere ich mich, dass ich nicht doch mit dem Auto unterwegs bin – das schöne Messingtablett bekomme ich unmöglich auf den Gepäckträger. Wir radeln weiter. Nicht weit entfernt befindet sich der Platz Kikar Ha-­Medina mit Boutiquen und ein Park. Hier gibt es viele junge Designer, die ihre Entwürfe in kleinen Geschäften verkaufen.

Die Dizengoff Road pulsiert wie Jaffas Schlagader in die Neustadt, mit dem großen Dizengoff-Einkaufszentrum, Kinos und einigen bemerkenswerten Architektur-Objekten. Auf den Straßen ein buntes Gewimmel von Menschen – Tel Avivis, wie man hier sagt. Zeit für einen Imbiss. Natürlich im Imbiss. Nicht ohne mein Hummus! Zur Auswahl stehen zahlreiche kleine Stände, an denen Falafel, Kebab, Shawarma und andere Snacks ange­boten werden. Wer keine ­Hülsenfrüchte mag, hat es allerdings schwer in Tel Aviv. Hummus, der Kichererbsenbrei, ist hier quasi Grundnahrungsmittel und darf auf keiner Falafel fehlen. Und selbst die frittierten Falafel-Bällchen bestehen aus – man ahnt es bereits – geschroteten Kichererbsen. Auch die Supermärkte bieten unzählige verschiedene Hummussorten an. Und ­natürlich hat jeder Tel Avivi seinen eigenen Favoriten. Auffallend sind die hebräischen Buchstaben KSR an vielen Bistros und Restaurants. Sie bedeuten nicht, dass es sich hierbei um Filialen eines amerikanischen Hähnchen-Grills handelt, sondern, dass das Essen koscher zu­bereitet wird – strikt getrennt nach „fleischig“ und „milchig“. Dass in Tel Aviv auch ganz andere Dienstleistungen streng orthodox angeboten werden, kann man auf einer Fahrt mit dem Sabbat-Fahrstuhl erleben. Da am Sabbat, dem jüdischen Ruhe­tag, keine elektrischen Geräte betätigt ­werden dürfen, hält der Aufzug vorprogrammiert in jeder Etage – ohne dass ein Knopf gedrückt werden muss.

Ari und ich ziehen weiter in Richtung Neve Tsedek, der Ursiedlung Tel Avivs, wo es viele Galerien und schöne Cafés gibt. Vorher passieren wir den Stadtteil Yafo, wo ein Besuch des ebenso be­liebten wie belebten Karmel-Markt keinesfalls fehlen darf. Und dann, auf dem Rothschild Boulevard, beein­drucken mich die Häuser im Bauhaus-Stil. Ihnen verdankt Tel Aviv auch die Bezeichnung „weiße Stadt“. Tel Aviv bedeutet übrigens „Hügel des Frühlings“– ein Name, der sich aber nicht von der geographischen Gegeben­heit ableitet. Die ist eher sandig als frühlingshaft. Die Stadt wurde vielmehr benannt nach dem Roman „Altneuland“ von Theodor Herzl, ein Vorkämpfer des Zionismus. Er hatte die Vision eines Judenstaates, die in Tel Aviv als erster rein jüdischen Stadt verwirklicht werden sollte. Das heutige Tel Aviv zeigt sich aber tl_files/contao-ready-theme/content/reportagen/telaviv/Tel_party_311.jpgeher als Schmelztiegel der Kulturen. Im Gegensatz zu Jerusalem spielt die religiöse Zugehörigkeit hier nur eine untergeordnete Rolle. Die Stadt vereint, was eigentlich nicht zusammen passt. Da prallen eine ultraorthodoxe Lebensweise auf ultrakurze Miniröcke, Kippah und Kaftan auf die aktuelle Dolce & Gabbana-Kollektion. Juden mit Schläfenlocken, Moslems, Schwule – es ist ein Mix der unterschiedlichen Meinungen und Mentalitäten. Gerade am Wochenende scheint es nur ein Volk in Tel Aviv zu geben: das Party-Volk. Dessen Puls schlägt in der Allenby- und Sheinkin-Street. Dort wird ausgelassen gefeiert, bis in die frühen Morgenstunden. Das Tel Aviver Nachtleben ist sogar derart hip, dass es Party-Touristen aus aller Welt anzieht. Am Tag danach steht dann Relaxen am Strand auf dem Programm. Tel Aviv bietet dafür beste Bedingungen. Der Sommer reicht bis in den November. Da heißt es an Geula Beach oder Trumpeldor: Sehen und gesehen werden. Und auch am Strand ist multikulturelles Zusammenleben angesagt. Ob Bikini oder Burkini (eine Burka zum Baden) – wen interessiert das schon, wenn die Sonne scheint und die ­Wellen rauschen?

 

Tel Aviv Reiseangebot

tl_files/contao-ready-theme/content/reportagen/telaviv/TelAvivKartecJR.jpgIm Herzen von Tel Aviv, nur wenige Gehminuten vom Strand und den vielen Geschäften rund um den Dizengoff-Platz entfernt, aber dennoch in einer ruhigen Straße gelegen ist das „City Hotel Tel Aviv“. Das 3-Sterne-Haus hat 96 Zimmer, die hell und freundlich eingerichtet sind. Sie verfügen über Bad/WC, Fön, Sat.-TV, Klimaanlage, WLAN etc. Preis: TUI bietet 1 Übernachtung/Frühstück ab 56 € p. P. im DZ an.
 

Tel Aviv Länderinfos

Beste Reisezeit: Ganzjährig. Badesaison ist von Mai bis November.
Klima: Subtropisches Mittelmeerklima. Die Sommer sind feucht und bis zu 30 °C heiß, die Winter mild und regnerisch mit Temperaturen zwischen 6 und 15 °C.
Sprache: Hebräisch und Arabisch. Die meisten Tel Avivis sprechen auch Englisch.
Zeit: MEZ.
Geld: Neuer Schekel (ILS). 1 EUR = 4,8603 ILS.
Dokumente: Reisepass, der mindestens noch weitere 6 Monate gültig ist. Bei der Ausreise sind scharfe Kontrollen und Befragungen der Reisenden üblich. Planen Sie vor dem Abflug dafür Zeit ein.
Gesundheit: Die ärztliche Versorgung ist gut. 
Essen & Trinken: Es gibt keine typische israelische Küche. Die Gerichte sind ein Mix der verschiedenen Kulturen, die dort leben. In der Gastronomie finden sich vor allem arabische Einflüsse wieder, z. B. Sharwarma, Falafel, Kebab. Schweinefleisch ist nach den jüdischen Speisegesetzen nicht koscher, es gibt daher vorwiegend Rind- und Lammfleisch, Hühnchen und Fisch in vielen Variationen. Gern gegessen werden Auberginen. Gewürzt wird viel mit Kreuzkümmel, Koriander, Knoblauch. Israelischer Wein ist genauso zu empfehlen wie heimische Biersorten. BeT‘awon – guten Appetit!
Restaurant: Nir Zuk ist der Shooting-Star der israelischen Gastro-Szene. Gleich drei Restaurants betreibt er in Jaffa: „Cordelia“, „Noa“, „Jaffa Bar“.
Sehenswert: Arabisches Viertel in Jaffa; St. Peter´s Kirche; Cafés und Boutiquen in Neve Tzedek; Tel Avivs Hafen; Yarkon-Park, ein Ausflugsziel für die ganze Familie mit Tropischem Garten, See und Kletterwand; Independence Hall (Bet HaAzma‘ut) am Rothschild-Boulevard – hier rief David Ben Gurion 1948 den Staat Israel aus; Tel Aviv Museum of Art; Azrieli Center Circular Tower, das höchste Gebäude der Stadt mit einer Aussichts-Plattform im 49. Stock. Partyszene: Hippe Bars befinden sich in der Allenby- und der Lilienblum-Street. Angesagt ist „Banana Beach“ am Strand und Discos im alten Hafen. 
Unbedingt machen: An einer Führung des Bauhaus-Zentrums am Dizengoff-Platz teilnehmen.
Unbedingt vermeiden: Ohne Ausweis ausgehen. 
Beliebte Mitbringsel: Modeschmuck, Bekleidung, Technik und Nippes aller Art. Shopping-Tempel sind das Dizengoff- und das Azrieli-Center. Ein beliebter Flohmarkte ist der Nachlat Binyamin-Markt, Di. und Fr. in der Dizengoff Street.
Literatur: Marco Polo Reiseführer „Israel“, 9,95 €.
Auskünfte: Staatliches Israelisches Verkehrsbüro, Friedrichstraße 95, 10117 Berlin. Tel, 030/203 99 70, http://www.goisreal.dehttp://www.visit-tlv.com.

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