Teneriffa

Wandervögel zieht es auf die Kanaren

von Barbara Leuschner

Teneriffa. Das ist die Insel des ewigen Frühlings, des ganzjährigen Badeurlaubs, des Kunsthandwerks und der Fiestas. Der Ursprung Teneriffas, der größten Insel der Kanaren, liegt im Feuer und Wasser. Ihr Baumaterial bahnte sich seinen Weg aus dem Erdinneren. Es handelt sich im wahrsten Sinne des Wortes also um eine heiße Insel. Der letzte Vulkanausbruch erfolgte in relativ jüngerer Geschichte, liegt erst hundert Jahre zurück. Bereits beim Anflug zeigt sich Teneriffa von seiner schönsten Seite: grüne Steilhänge, zerklüftete Bergketten, tiefe Schluchten und traumhafte Strände. Am meisten aber fasziniert mich sofort der Teide, der mit seinen 3.718 Metern Höhe so ganz selbstverständlich im Zentrum der Insel thront. Er ist der höchste Berg Spaniens und zugleich auch die höchste Erhebung im Atlantik. Und: Im Winter liegt trotz des permanent milden Klimas auf seinem Gipfel sogar Schnee. Nach ein paar Tagen der totalen Entspannung am Strand und kultureller sowie Shopping-Highlights in der Insel-Hauptstadt Santa Cruz beschließe ich, mich diesem Berg ganz vorsichtig zu nähern. El Teide – das ist die hispanisierte Form des Wortes „Echeyde“ in der Sprache der Guanchen, der Urbevölkerung der Kanarischen Inseln. Es bezeichnet die Ebenen unterhalb des Berges. Das Innere dieses Gebietes war in der Mythologie der Guanchen die Hölle, die von Guayote, einem Dämon in Schakalgestalt bewacht wurde. Wer es wagte, ihn zu stören, dem antwortete er mit Feuer und flüssiger Glut.

Eine weitere Legende besagt, dass Guayota den Sonnengott Magec eingefangen hatte und im Echeyde festhielt. Doch die Dunkelheit verängstigte die Guanchen zutiefst und sie flehten ihren obersten Gott Achamán um Hilfe an. Der verjagte Guayota, befreite den Sonnengott und verschloss die obere Öffnung des Echeyde mit einem Stopfen, dem so genannten pan de azúcar (Zuckerbrot) oder auch pilón (Zuckerhut). Und so heißt die heutige Spitze des Teide „El Pilón“. Im wahrsten Sinne des Wortes- eine heiße Insel In nicht enden wollenden Serpentinen schraubt sich unser Bus den Berg hinauf – zum Nationalpark Teide auf 2.200 Meter Höhe. Die Baumgrenze haben wir längst hinter uns gelassen, dann endet die Fahrt genau an der Stelle, wo die Seilbahn Teleférico del Teide zum Vulkan Pico del Teide hinaufführt. Der Gipfel erhebt sich aus einem riesigen, ovalen Kessel, mit 17 mal 14 Kilometern Durchmesser: Las Cañadas. Seit 2007 zählt diese so genannte Caldera zum Weltnaturerbe der UNESCO. So verlockend El Pilón auf mich auch wirkt, eine Besteigung würde wohl meine Flachland-Kondition überfordern. Außerdem benötigt man seit 1996 für das Erklimmen des Gipfels eine Genehmigung. Und die gibt es wiederum nur in Santa Cruz. Es haben sich vermutlich schon zu viele Urlauber in Flip-Flops dorthin auf den Weg gemacht. Jetzt dürfen nur noch 150 Besucher pro Tag hinauf und der mit seinen schwefelhaltigen Ausdünstungen noch restaktive Krater von seinen 80 Metern Durchmesser bleibt uns hoffentlich noch lange erhalten.

 Teneriffa ist aber nicht nur ein Eldorado für Bergwanderer, sondern bietet zum Glück auch viele schöne Strecken für Leute wie mich,tl_files/contao-ready-theme/content/reportagen/zz_general/tenerifa_trekking_311.jpg die steile, unwirtliche Pfade scheuen. Darin bin ich ganz konform mit den Pionieren des Teneriffa-Tourismus vor mehr als 100 Jahren, die – statt zu baden und in der Sonne zu liegen – lieber durch die wunderbare Landschaft lustwandelten und so die gesunde, milde, würzige Luft genossen. Und damit das Ganze ein wenig knie- und rückenschonender abläuft, habe ich mich einer Nordic-Walking-Gruppe angeschlossen. Nordic-Walking, wo die Film-Titanen kämpften Wir stehen am Start zu einer zweistündigen Nordic-Walking-Tour durch die Cañadas del Teide. Ludmila Mayer von Gaiatours, die viele interessante Wanderungen auf Teneriffa anbieten, verteilt Stöcke und Wasser. „Das ist hier oben sehr wichtig, denn durch die permanente kühle Brise vergisst man nur allzu leicht, dass die pralle Sonne ständig mitwandert“, sagt sie. Auf ein paar Aufwärmübungen folgt Wissenswertes über die Technik des Nordic-Walking. Am wichtigsten sei es, so Ludmilla, dass man einen eigenen Laufrhythmus entwickelt – mit den Stöcken die aufrechte Haltung unterstützt und die Gelenke entlastet. Mondlandschaft, ich komme! Voller Energie legen wir los, wirbeln dabei jede Menge Staub auf. Denn zunächst walken wir auf den ebenmäßigen ehemaligen Weidewegen. Alles ist sehr karg und grau.

Ob wir uns wohl genau an der Stelle befinden, wo in diesem Jahr das Remake des Films „Kampf der Titanen“ mit Liam Neesen gedreht wurde? Sechs Wochen lang, so erzählt uns Ludmila, hätte sich das Team hier getummelt. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Götter genau hier vom Olymp stiegen, um die Schlacht der Schlachten zu schlagen. Wie ich weiß, wird ja auch die Felsgruppe der Los Azulejos immer wieder als Kulisse für Filmaufnahmen genutzt. Aber schon an der nächsten Ecke verändert sich die Landschaft total: Eigentümliche rote Felsformationen erheben sich aus Geröllmassen, deren Form und Aussehen sich sekündlich mit dem Perspektivenwechsel verändert. Zwischen manchen turmgroßen, scharfkantigen Gebilden wiederum sieht es so aus, als wäre ein schwarzer Brei ausgelaufen – ehemalige Lavaströme. Einige Gesteinsbrocken erinnern mit ihren säulenartigen Bruchstellen an alte Schlossruinen, die sich mit ihrer rotetl_files/contao-ready-theme/content/reportagen/zz_general/tene_romeria_311.jpgn Farbe dem strahlend blauen Himmel entgegen recken. Dieses wunderschöne Naturschauspiel ist das Ergebnis vieler aufeinanderfolgender Eruptionen. Völlig unvermittelt schlägt die Flora zu. Inmitten dieser Geröllwüste wächst ein üppiger Busch weißen Ginsters. Und da ist er endlich, der im Sommer blühende Tajinaste rojo (Roter Teide-Natternkopf) mit seiner schlanken Form und der beachtlichen Größe bis zu zweieinhalb Metern. Er wächst nur hier in den Cañadas. Auf „Malpais“ (schlechtes Land), den jüngeren Lavaflüssen, können keine Pflanzen gedeihen. Andere vulkanische Zonen dagegen zeigen reichhaltiges Pflanzenwachstum, das sich an die hier herrschenden klimatischen Extreme mit bis zu 40 Grad Tages- und etliche Grad unter Null Nachttemperatur perfekt angepasst hat.

 Zum Schutz dieser Pflanzen sowie der Landschaft und der Tiere sind große Teile des Nationalparks für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. So wird Wandern abseits der vorgesehenen Wege nicht geduldet und die Einhaltung des Naturschutzes durch die permanente Anwesenheit von Wildhütern kontrolliert. In leichter Steigung marschieren wir einem Tafelberg ähnlichen Gebilde mit breiten Felsbändern entgegen – dem 2.712 Meter hohen Guajara, den man unter fachkundiger Führung natürlich auch beklettern kann. Die imposanten Felsformationen scheinen um die weiten Ebenen ein Amphitheater zu bilden. Eines von Teneriffas beliebtesten Fotomotiven sind die schmalen Felstürme der Roques de Garcia im Süden. Glatt geschliffen von Wind und Wetter reckt sich der mittlere, Roque Cinchado, in den Himmel – „Finger Gottes“ wird er von den Insulanern wegen seiner Form genannt. Der "Finger Gottes" reckt sich in den Himmel Über einen kleinen Trampelpfad gelangen wir zum „Hotel Parador“, Spaniens höchstgelegenem Hotel. Ein Päuschen tut jetzt gut – nach so viel Bewegung mal die Beine ausstrecken, sich bei einem Kaffee ein wenig ausruhen und die sagenhaften Eindrücke dieses Naturschauspiels Revue passieren lassen. Einen Augenblick komme ich echt ins Grübeln, ob ich mir hier nicht spontan ein Zimmer nehmen soll. Und dann: den Sonnenuntergang über dem Teide, der ein Traum sein muss, genießen und morgen eine andere im Nordic Walking-Tour im Nationalpark machen. Allein, was ich auf unserer relativ kurzen Strecke von nur zwölf Kilometern gesehen habe, war schon überwältigend. Und das war nur ein kleiner Teil dessen, was die Cañadas insgesamt zu bieten haben. Allerdings – nach so viel Staub und Hitze gewinnt das Verlangen nach einem erfrischenden Bad im Atlantik schließlich doch die Oberhand. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Und im nächsten Jahr gibt es ja auch wieder einen Urlaub …

 

Reiseinformationen

tl_files/contao-ready-theme/content/reportagen/zz_general/tene_karte.jpgBeste Reisezeit: Teneriffa hat das ganze Jahr über Badesaison. In de Monaten September und Oktober sind die Wassertemperaturen mit 24 Grad am höchsten. Wesentlich angenehmer zum Wandern ist die Zeit zwischen November und März.
Klima: Auf der Frühlingsinsel herrscht das ganze Jahr über mildes Klima mit geringen Temperaturschwankungen. Im Süden fallen das Quecksilber auch im Winter selten unter 18 Grad Celsius. Die Sommer können sehr heiß und drückend werden, weil der Wind fehlt. Die Temperaturen im Nordosten sind oft erheblich niedriger als im Süden. In den Höhenlagen kann es kalt werden. Eine Jacke nicht vergessen!
Zeitzone: MEZ.
Sprache: Spanisch. In den Tourismusgebieten wird auch Deutsch gesprochen.
Geld: Euro.
Dokumente: Personalausweis genügt.
Gesundheit: Die ärztliche Versorgung auf den Kanarischen Inseln ist sehr gut, hat mittel-europäischen Standard. Die in den Städten und touristischen Zentren niedergelassenen Ärzte sprechen meist Deutsch oder Englisch. Fragen Sie ggf. an der Rezeption Ihres Hotels oder im deutschen Konsulat nach Adressen von deutschsprachigen Ärzten.
Essen & Trinken: Fisch, z.B eine frische Dorade oder Lubina, darf auf keiner Speisekarte fehlen. Aber auch Lamm, Kaninchen und Zicklein. Eine typische Beilage: Papas arugadas mit Mojo (runzelige Kartoffeln in einer Sauce aus Essig, Öl und Knoblauch) Dazu eine Flasche Viña Norte – so lässt sich der Urlaub genießen!
Sehenswert: Cueva del Viento, eine der längsten Lavahöhlen der Welt. Das größte Exemplar eines Dragos (Drachenbaum) finden Sie auf Teneriffa in Icod de los Vinos. Das Alter des gut 14 m hohen Riesen wird auf 500 bis 800 Jahre geschätzt; La Laguna, von der UNESCO unter Denkmalschutz gesetzt; Parque Etnográfico Pirámides de Güímar.
Unbedingt machen: An einer Führung durch die Altstadt von La Laguna teilnehmen.
Unbedingt vermeiden: Auf Basaren oder von fliegenden Händlern Markenartikel kaufen. Meist handelt es sich bei den zum Schnäppchenpreis angebotenen Waren um Fälschungen – Produktpiraterie. Taschendieben die Arbeit leicht machen: Wertsachen nicht mit an den Strand nehmen oder einfach im Auto lassen. Mieten Sie sich am besten einen Hotelsafe. An dubiosen Kaffeefahrten teilnehmen. Häufig erwartet Sie bloß Nepp. Lieber gar nicht erst mitfahren. Beliebte Mitbringsel: Teneriffa ist Duty free-Gebiet. Zollfreie Zigaretten, Alkohol, Parfum und Unterhaltungselektronik wird daher sehr günstig angeboten. Ebenso beliebt: traditionelle Handarbeiten wie Decken und Stickereiwaren aus Vilaflor oder La Orotava. Und natürlich Bananenlikör.
Literatur: Marco Polo „Teneriffa“ von Sven Weniger, MairDumont, 9,95€.
Auskünfte: Das Webportal der Inselregierung finden Sie unter www.tenerife.es.

Reiseangebot

Das 5 Sterne-Hotel „Vincci La Plantación del Sur“ in Costa Adeje ist ruhig gelegen, auf einer Anhöhe. Ein kostenloser Shuttle-Service bringt die Gäste auf Wunsch im 5-Minuten-Takt an den Strand El Duque. Das Luxushotel hat eine hervorragende Küche und einen traumhaften Spa-Bereich von 2.500 qm Größe. Preis: 1 Wo. HP inkl. Flug ab 825 € p.P. im DZ. Information und Buchung

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