Texas

Cowgirls und der Wilde Westen

von Barbara Leuschner

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Jihaah!“ Texas, da kommt Wildwest-Romantik auf. Da sehe ich den Cowboy vor mir, der in den Sonnenuntergang reitet, nach getaner Arbeit mit seinen Kumpels am Lagerfeuer sitzt und … Ach so, nein – das ist ja die Zigarettenwerbung, die mir da in den Sinn kommt. Aber hat sie nicht entscheidend mein Bild vom Cowboyleben geprägt? Natürlich. ­Neben unendlichen Western mit John Wayne, Clint Eastwood und wer auch immer der coolste Typ der Prärie sein wollte. Und dann, eines Dienstagabends Ende der 70er, als der Western längst tot­gesagt war, erschien ein ­fieser, platt­füßiger Ölmulti mit Cowboyhut auf der Bildfläche und führte uns in die­ Machenschaften der Familie Ewing ein. „Dallas“ hieß der Straßenfeger, und genau dort bin ich eben gerade ge­landet, auf den Spuren des Wilden Westens. Die „Southfork Ranch“, der Stammsitz des Ewing-Clans und beliebtes Tou­ristenziel, liegt übrigens eine Dreiviertelstunde nördlich der drittgrößten Stadt des Landes. Hier wie dort scheint es so, als würde J.R. gleich um die Ecke kommen. Für alle Fans der Serie sei an dieser Stelle noch angemerkt, dass sie tatsächlich in diesem Jahr in neuem Gewand zurück auf den Bildschirm kommt – mit J.R. und Bobby in Nebenrollen! Natürlich hatte auch Familienoberhaupt Jock Ewing im fruchtbaren ­Norden des Landes zunächst sein Geld mit der Viehzucht verdient, bis irgendwann zufälligerweise auf seinem Land Ölvorkommnisse festgestellt wurden. Und so war diese Serie exemplarisch für den „Traum vom schwarzen Gold in Texas“, auch wenn bis Anfang der 80er Jahre das meiste Öl eher im Süden gefördert wurde.

Der „Lone Star State“, dereinst eine unabhängige Republik, ist fest in den Händen der Ölmagnaten, worauf sie relativ ungeniert mit großen Gedenktafeln hinweisen und somit Mäzene der Kunst- und Kulturszene von Texas sind. Auch im Anzug mit ­Aktenköfferchen (und natürlich dem Cowboyhut) geben sie noch die ganzen Kerle, die, wie ich zugeben muss, mein Männerbild doch entscheidend geprägt haben. imageBeim traditionellen Viehtrieb im rund 60 Minuten westlich von Dallas gelegenen Fort Worth sind es eher die verwegenen Kerle, die, angeführt von Cowgirl Kristin Jaworski, zweimal täglich für die Touristen die texanischen Longhorns auf imposante Weise durch die Stockyards im National Historic District der Stadt treiben und somit an die goldenen Zeiten der großen Viehtriebe erinnern. Diese Straße, wo sich Saloons an Western Wear-Stores reihen und selbst der Schuhputzer nicht fehlt, wirkt wie eine Filmkulisse. Im „National Cowgirl Museum“, dem weltweit einzigen Museum zu Ehren der Cowgirls, muss ich mein Bild von den Frauen im Wilden Westen dann revidieren. Dachte ich doch immer, dass sie nur für Haus und Hof zuständig waren. Weit gefehlt! Hier gibt es ­sogar eine „Hall of Fame“. Auf der Cowgirl University erprobe ich gleich einmal meine Cowgirl-Talente: Mit ­einem Chuck-Wagon, der mobilen ­Versorgungseinheit der Cowboys, und der Ranch-Küche komme ich schon zurecht, aber das „Roping“ – das Einfangen von Kühen mit dem Lasso – sieht leichter aus, als es ist. Selbstredend hat es mich beim ­Rodeo auf dem elektrischen Bullen gleich in der ersten Kurve rausgehauen. Rodeos gibt es übrigens überall in Texas. Die älteste Livestock- und Indoor-Rodeo- Show findet seit 1896 vom 14. Januar bis 5. Februar in Fort Worth statt. Wenn auch die Texaner ein furchtbar konservatives Völkchen sind, so macht die landschaftliche Schönheit doch manches wieder wett – die endlose Weite der Prärie vor hügeligem Hinterland, die rotglühenden Canyons und die zahlreichen Flüsse. imageWährend ich im Bus in Richtung Abilene unterwegs bin, ziehen Baumwollplantagen an mir vorüber. War es nicht die Sklaverei hierzulande, die 1836 zur endgültigen Abspaltung von Mexiko führte? Die ­gemeinsame Vergangenheit und die Nähe zu Mexiko sind jedoch allgegenwärtig, nicht zuletzt in der hervor­ragenden Tex-Mex-Küche.

Nach einer Stärkung auf der „Perini Ranch“, wo noch „echte“ Texas-Gerichte nach traditionellen Rezepten aufgetischt werden, geht es ins ­„Frontier ­Texas!“. Das außergewöhn­liche Museum stellt anhand von authentischen Berichten und filmischen Effekten die Geschichte von Western Texas dar. Ich lerne, wie die Menschen hier zwischen 1780 und 1880 gelebt ­haben. Insbesondere, wie hart das ­Leben der Siedlerfrauen war und mit ­welcher Kraft sie sich ihm stellten. Fast schäme ich mich, dass ich jetzt ein paar entspannte Tage auf der „Wildcatter Ranch“ im Norden von Abilene einlegen werde. Aber nach all der ­Theorie möchte ich nur noch eines: Reiten. Die Ranch liegt malerisch auf einem Hügel in der Nähe eines Sees, der Ausritt führt entlang des Flussbetts, gesäumt von Kakteen, durch eine Landschaft, die völlig unberührt zu sein scheint. Diese Weite sind wir Europäer gar nicht gewohnt. Abends, im Schaukelstuhl auf der Veranda, pflege ich meinen Muskelkater, träume in den Sonnenuntergang hinein. Diese Weite sind wir Europäer gar nicht gewohnt Die nächste Station: Lubbock, eine moderne, gut durchorganisierte Universitätsstadt, in der sich das „National Ranching Heritage Center“ befindet. Hier tauche ich erneut ein in die Geschichte und die Anfänge des Wilden Westens. 47 authentisch restaurierte Ranches aus Nordamerika stehen hier, Exponate vom späten 17. Jahrhundert bis in die 1950er Jahre. Das reicht quasi von der Erdhöhle bis zur „Southfork Ranch“ und vermittelt mir hautnah, wie sich das Leben in diesem Land für die ehemaligen Europäer entwickelte. Texaner deutscher Abstammung sind im Übrigen die zweitgrößte Gruppe nach den Mexiko-Abkömmlingen. Karl May lässt grüßen! Zum touristischen Pflichtprogramm in Lubbock gehört natürlich der Besuch des Buddy Holly Centers. Songs wie „That’ll Be The Day“, „Peggy Sue“ und „Oh Boy!“ summe ich dort sofort mit. Das sind die Klassiker eines Genies, dessen Leben einfach viel zu kurz war. Der Rock ‘n‘ Roller, der mit 13 Jahren als Countrysänger seine ­Musikkarriere begann, starb mit nur 23 Jahren – „The Day the Music Died“, wie Don McLean es in seinem Lied „American Pie“ für die Musikgeschichte verewigte und ­Buddy Holly, der die Beatles und die Rolling Stones entscheidend beeinflusste, damit ein musikalisches Denkmal setzte.

Mein letzter Stopp ist Amarillo. „Show me the way to Amarillo“ von Tony Christie, das hier übrigens niemand kennt, wird in mir zum Ohrwurm. Die Fahrt durch den Palo Duro Canyon beschert mir atemberaubende Ausblicke. Und den Anblick einer „echten“ ­ersten Behausung von Siedlern – in der Tat nichts anderes als ein simples Erdloch, das in den Hang gegraben wurde. Wenn sie die Indianer nicht so barbarisch ausgerottet hätten, gäbe es kaum jemanden, dem ich mehr Respekt ­zollen würde als den ersten Siedlern Amerikas.Da die legendäre Route 66 die Stadt durchkreuzt, muss ich ihr natürlich ­einen Besuch abstatten – aber nicht ohne an der „Cadillac Ranch“ von ­Helium-Millionär Stanley Marsh III. Halt zu machen. Auch ich hinterlasse auf den zehn dort mit der vorderen Hälfte in einer Linie und im gleichen Winkel im Boden eines Maisfeldes eingegrabenen Cadillacs meine Botschaft. Das ist nicht etwa verboten, sondern ausdrücklich erwünscht – ist zu einer „roadside attraction“ geworden, die „die große Flucht, die Freiheit der Wahl, die Möglichkeit, einfach abzuhauen“ symbolisieren soll. Nach einem kurzen Zwischenstopp im „American Quarter Horse Hall of Fame & Museum“ besuche ich die „Cowboy Mounted Simagehooting World ­Finals“ im Amarillo National Center. Und siehe da: Beim Schießen auf Hindernisse im Galopp können die Cowboys noch eine Menge von ihren weiblichen Konkurrenten lernen. In diesem Moment beschließe ich: Ich komme wieder nach Texas, werde das alljähr­liche „Cowgirl Round Up and Show-deo“ in Bandera besuchen, wo es nur um die Themen Frauen, Pferde und Wilder Westen geht. Der Eintrittspreis ist übrigens sehr günstig. Es genügt ganz einfach, ­einen Cowboyhut zu ­tragen – „howdy!“.

 

 

Reiseangebot

imageBeste Reisezeit: Frühjahr und Herbst, an der Ostküste Oktober bis April. Im Sommer zwischen 30 bis 40 °C, an der Ostküste dazu noch schwül. Juni bis November ist Hurricane-Saison an der Ostküste. Im Winter ist es im Norden sehr kalt, teilweise mit Blizzards (Schneestürmen), im Süden mild bis warm.
Klima: Überwiegend trocken und heiß (Wüsten-klima), im Osten tropisch.
Sprache: Englisch. Spanisch ist weit verbreitet.
Zeit: MEZ minus 6 Stunden.
Geld: US Dollar (USD) 1 EUR = 1, 38 USD. Mit der EC-Karte kann man an vielen Automaten Geld abholen. Zahlung per Kreditkarte ist sehr verbreitet.
Dokumente: Erwachsene und Kinder benötigen bei der Einreise je einen eigenen maschinenlesbaren Reisepass. Reisen Sie als Tourist in die USA, geht das für 90 Tage visumfrei (Visa Waiver Program).
Gesundheit: Behandlungen in den USA müssen stets bar bezahlt werden – auch nach Abschluss einer Auslandskrankenversicherung.
Essen & Trinken: Tex-Mex-Küche ist eine Mischung aus der Südstaaten-Küche mit mexikanischen Einflüssen. Bekanntestes Gericht ist Chili con Carne, außerdem die mexikanischen Maisfladen (Tortillas) in allen Varianten: Burritos, Flautas, Tacos mit Hähnchen und Fried Beans (Bohnen gebraten mit Zwiebeln und Speck). Nicht wegzudenken sind Steaks (Rindfleisch). Sehr beliebt ist auch Barbecue (BBQ).
Restaurants: Legendär: Big Texan Steak Ranch, Amarillo. Wer es schafft, ein über 2 kg schweres Steak samt Beilagen innerhalb 1 Stunde zu verzehren, muss nicht zahlen. Geschafft haben es nur wenige – eine Liste gibt es auf www.bigtexan.com.
Sehenswert: Houston: Space-Center, Museum of Fine Arts. San Antonio: Riverwalk, Sea World, The Alamo (Kloster, das zum Fort umgebaut wurde und an den Widerstand der Texaner gegen die mexikanische Belagerung erinnert.). Dallas: Sixth Floor Museum – Kennedy-Ausstellung in dem Gebäude, von dem aus JFK erschossen worden sein soll. Southfork Ranch in Parker: Hier kann das Haus der Ewings aus der TV-Serie „Dallas“ besichtigt werden. Galveston: Mardi Gras (Karneval) im Februar. Corpus Christi: Texas State Aquarium. Fredericksburg ist von deutschen Siedlern gegründet worden und bewahrt noch heute deutsche Traditionen (Oktoberfest, deutsches Essen). Amarillo: Cadillac-Ranch. Nationalparks: Big-Bend-Nationalpark, Guadalupe-Mountains-Nationalpark.
Unbedingt machen: Es gibt viele organisierte Touren für echtes Wildwest-Feeling, z.B. Ferien auf einer Ranch, Longhorn Cattle Drives (Viehtrieb) oder Rafting-Touren auf dem Río Grande. Von Study Butte nach Presidio mit dem Auto entlang am Rio Grande: Eine Western-Filmkulisse zieht am Autofenster vorbei.
Unbedingt vermeiden: Unvorbereitet in den Guadalupe Nationalpark. Hier gibt es in der Nähe weder Restaurant noch Shop oder Tankstelle. Vorher im Besucherzentrum bei Pine Springs anhalten.
Beliebte Mitbringsel: Westernbekleidung, Sportartikel und Mode von US-Designern.
Literatur: „USA – Südwesten“, Reiseführer von Iwanowski, 25,95 €.
Auskünfte: www.traveltex.com.

Reiseinformationen

Dass in Texas auch guter Wein angebaut wird, beweist eindrucksvoll eine elftägige„Weinreise“, die von der Reisevermittlung Bärbel Kurtzahn veranstaltet wird. Die Teilnehmer erwartet zwischen Austin und Dallas, auf den Spuren (deutscher) Siedler und Winzer und Events wie dem „Addison Oktoberfest“ köstliche kulinarische Erlebnisse. Plus jede Menge Cowboy-Feeling, z. B. in Fort Worth mit seinem berühmten Chisholm Trail. Termin: September 2011. Preis: ab ca. 2.700 € p. P. Information und Buchung: siehe "Info & Buchung".

Fotos: Texas Tourism

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