Vancouver

Lässiges Lebensgefühl am Pazifik

von Petra Dietz

Vancouver

Oh, sorry“, murmele ich, denn offensichtlich stehe ich im Weg. Die Jogger und Skater, die an mir vorbeiflitzen, nehmen es gelassen. Kaum in Vancouver angekommen, habe ich mich sogleich auf eine der Hauptattraktionen der drittgrößten Stadt Kanadas gestürzt, den Stanley Park. Die grüne Oase bietet 200 Kilometer Spazierpfade durch einen Urwald mit fast 900 Jahre alten Bäumen. Kunstvolle Totempfähle zieren den Park, und ein riesiges Aquarium lädt zu Exkursionen in die Welt über und unter Wasser ein. Die idyllischen Uferwege entlang des Meeres sind wie geschaffen zum Laufen, Skaten und Fahrradfahren. Jegliche Art von Outdoor-Aktivität steht in der Küstenstadt hoch im Kurs. Und wer den Blick schweifen lässt, der weiß auch, warum. Im Westen locken lange Sandstrände, im Norden die schneebedeckten Berge und im Osten das idyllische Fraser Valley. Im Sommer wird gesurft, gesegelt, geschwommen und gewandert, im Winter fährt man in das etwa 130 Kilometer entfernte Ski-Eldorado Whistler und wedelt die olympischen Pisten hinunter.

tl_files/contao-ready-theme/content/reportagen/vancouver/vancouver_baer_311.jpgEs fällt mir schwer, den weitläufigen Stanley Park wieder zu verlassen, doch auf mich wartet ein Tisch im „Market“. Das Fine-Dining-Restaurant liegt im ersten Stock meines Hotels, dem ex­klusiven „Shangri-La“. Das neue Luxusdomizil in Vancouver Downtown ist in der Nähe der Robson Street, der tren­digen Einkaufsmeile der Stadt. Mit ­gerade mal 119 Zimmern hat das ­„Shangri-La“ Boutiquehotel-Charakter. Das Hotelleben ist angenehm überschaubar, was für Gäste und Service gleichermaßen gilt. Schnell werde ich hier mit Namen angesprochen, jeder Wunsch wird mir von den Augen abgelesen. Besser residieren geht eigentlich nicht. Besser essen auch nicht, wie ich wenig später feststellen darf. Das angesagte „Market“ gehört dem New Yorker Sternekoch Jean-Georges Vongerichten, der hier hin und wieder sogar höchstpersönlich den Kochlöffel schwingt. Die Küche überzeugt mit ­frischen, kanadischen Produkten – Fisch aus dem Pazifik, Rindfleisch aus British Columbia, erstklassigen Weinen aus dem milden Okanagan Valley. ­Alles ist nicht nur exquisit, sondern auch noch bezahlbar. Nach diesem kulinarischen Erlebnis weiß ich, warum das renommierte „Food & Wine Magazine“ Vancouver in die Liste der „10 Best ­Restaurant Cities in the World“ aufgenommen hat.

tl_files/contao-ready-theme/content/reportagen/vancouver/vancouver_fairmont-hotel_311.jpgGlänzende Wolkenkratzer und zauberhafte Backsteinbauten. Moderne Hochbahn und gemütliche Pferdekutschen. Vancouver liebt und lebt Gegensätze jeglicher Art. Das macht das Flair dieser gerade mal 120 Jahre alten Stadt aus, die wirklich an jeder Ecke mit Sehenswürdigkeiten auftrumpft. Downtown im historischen Gastown beispielsweise, wo an der Waterstreet die berühmte, dampfbetriebene Steam Clock jede Viertelstunde pfeift. Was auffällt: Essen und Trinken findet, wenn es das Wetter zulässt, meist draußen statt. Die etwa 2,2 Millionen Einwohner lieben es, ihre Zeit „outdoor“ zu verbringen. Von Gastown sind es nur wenige Gehminuten bis Chinatown, nach San Francisco das zweitgrößte chinesische Viertel in Nordamerika. Wer seinen Augen und seinem Geist eine beruhigende Auszeit gönnen möchte, sollte hier den Dr. Sun Yat Sen Classical Chinese Garden besuchen, der streng nach Vorbildern aus dem 14. bis 17. Jahrhundert gebaut wurde. Vancouver ist eine auffallend junge, aufgeschlossene Stadt. Ihrem multikulturellen Lifestyle, ihrer Energie und Freundlichkeit kann man sich nicht entziehen. So lässig wie das Ambiente sind auch die Einwohner. Fragt man Vancouveraner nach ihrer Lieblings-Location, kommt als Antwort oft Yaletown mit seinen schicken Bars und ­Restaurants. Und Granville Island, der Szene-Stadtteil schlechthin. Die „Insel“ liegt gleich hinter der Granville Bridge und bietet eine bunte Mischung aus Boutiquen, Galerien und Cafés. Ein echtes Highlight für die ­Sinne ist die Markthalle. Alles Essbare wird hier so frisch und einladend dargeboten, dass mir das Wasser im Mund zusammenläuft. Der Aquabus, ein buntes Wassertaxi, bringt mich innerhalb weniger Minuten zurück nach Downtown. Ganz in der Nähe der Anlegestelle liegt das „Nu“, eines der In-Restaurants der Stadt. Sein Erfolgsgeheimnis: stylisches Interieur, traumhafter Blick auf den False Creek und natürlich gutes Essen. Wer keinen Hunger hat, sollte in der „Nu-Lounge“ wenigstens mal einen Cocktail trinken. Schon wegen der Aussicht.

Vancouver gehört zur Provinz British Columbia, kurz BC. Die Möglichkeiten, die BC offenbart, sind unerschöpflich – das ganze Jahr über. Was viele nicht wissen: Die Winter in Vancouver sind eher mild und zweistellige Temperaturen keine Seltenheit – wie man bei der ­Winterolympiade 2010 sehen konnte. Da saßen die Zuschauer bei frühlingshaften 15 Grad draußen und genossen die Wettbewerbe im Sonnenschein. Egal, wo man sich in Vancouver aufhält, die Wildnis ist nie weit entfernt. Wer Ruhe und Natur sucht, hat die Qual der Wahl. Vancouver Island ist eine anderthalbstündige Fährfahrt entfernt, und der Garibaldi Provincial Park lockt nur 60 Kilometer weiter mit grünen Wäldern und beeindruckenden Bergen. Ich entscheide mich jedoch für die Sunshine Coast, die man mit Fähre und Auto innerhalb von zwei Stunden erreichen kann. Hier werde ich drei Tage lang zelten. Naja, nicht so wie man sich das im Allgemeinen vorstellt. Mein Heim ist ein Luxuszelt auf Stelzen mit allem, was das Traveller-Herz begehrt: Kingsize-Bett, Rainforest-Dusche und ein Jacuzzi mit Hydrotherapie. Von meiner Holzveranda, umgeben von alten Bäumen und Eichhörnchen, habe ich einen ­fantastischen Blick auf die Bucht. Gesellschaft leistet mir ein putziger Waschbär, der die Umgebung nach Fressbarem absucht. Die „Tenthouse Suites“ gehören zum exklusiven Rockwater Secret Cove ­Resort, das seine anspruchsvollen ­Gäste mit einer unglaublichen Natur, einer hervorragenden Küche und zahlreichen Sportmöglichkeiten verwöhnt. Kanufahren, Tauchen, Fischen oder Wandern – langweilig wird es nicht. Mit etwas Glück erspäht man Schwarzbären, Weißkopfseeadler, Rehe, Seehunde, Delfine oder sogar Schwert­wale. Tipp: Eine Spa-Behandlung im Zelt unmittelbar am plätschernden Pazifikufer – ein Wohlfühltraum!

tl_files/contao-ready-theme/content/reportagen/vancouver/vancouver_totem_311.jpgZum Abschluss meines Vancouver-Aufenthalts lasse ich mich im „Fairmont Pacific Rim“ verwöhnen. Das luxuriöse Hotel hat erst kurz vor den Olympischen Winterspielen seine Pforten geöffnet und liegt im Herzen des historischen Hafens und des Finanzdistrikts, gleich neben dem Convention Centre. Von meinem Zimmer habe ich einen fan­tastischen Blick auf das Meer, Lions Gate Bridge, die North Shore Mountains. Die exklusive Residenz ver­fügt über 377 Zimmer, ein erstklassiges Spa, einen Dachpool mit Jacuzzi und eine stilvolle Bar mit Livemusik. Ein exzellentes Restaurant fehlt natürlich auch nicht. Das „Oru“ bietet anspruchsvollen Gaumen eine außergewöhnliche pazifisch-asiatische Küche. Kleiner Tipp für Naschkatzen: Gleich um die Ecke des Hotels kreiert James Coleridge in seiner „Bella Gelateria“ köstliche Eissorten. Keine Frage, der Maestro Gelatiere versteht sein Handwerk. Der nächste Tag begrüßt mich mit strahlend blauem Himmel und angenehmen 24 Grad. Eigentlich viel zu schön, um ins Museum zu gehen. ­Mache ich aber dennoch und werde nicht enttäuscht. Das Museum of Antropology zeigt unter anderem historische und zeitgenössische Kunst der ört­lichen Ureinwohner, der First Nations. Mehrmals täglich findet eine etwa einstündige (englischsprachige) Führung statt, die man nicht verpassen sollte. Nach der Kultur dann in die Natur: Die Suspension Bridge im Stadtteil ­Capilano, mit fast 140 Metern die längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt, steht noch auf meiner Sightseeing-Liste. Danach geht es mit der Seilbahn hoch auf den Grouse Mountain, der im Sommer zum Spazieren und im Winter zum Skifahren einlädt. Auch wenn es mir nicht gefällt, meine Vancouver-Reise neigt sich dem Ende. Die charmante Stadt mit ihrem lässigen Lebensgefühl hat mich um den Finger gewickelt. Ich fange an zu träumen, von einem Holzhaus in North Vancouver am Lighthouse Park, das auf Stelzen in die Klippen gebaut ist. Hinter mir die Berge, vor mir das Meer. Es wird ein Traum bleiben. „They always say, we were the lucky ones“, sang der Van­couveraner Michael Bublé in seiner Olympia-Hymne. Recht hat er.

 

Vancouver Reiseangebot

tl_files/contao-ready-theme/content/reportagen/vancouver/vancouverkarteJR.jpgDas „Fairmont Pacific Rim“ liegt mitten im Finanz­distrikt der Stadt und ist das neueste Hotel der Fairmont-Gruppe (2010 eröffnet). Die 400 Zimmer der 5-Sterne-Luxusherberge sind ab ca. 37 qm groß und entsprechen höchsten Komfortansprüchen: TV, DVD-Player, Internet (geg. Gebühr), Mini-Kühlschrank, Safe, Marmorbad, Bademantel. Zur Hotel-Ausstattung zählen ein exzellentes Restaurant mit Blick über den Hafen, Pool mit Dachterrasse, Fitness-, Wellnesscenter „Willow Stream Spa“. Preis: Dertour bietet die Übernachtung ab 83 € pro Person im DZ an.

Vancouver Länderinfos

Beste Reisezeit: Ganzjährig.
Klima: Der Sommer meist trocken und sonnig. Selbst hohe Temperaturen von 25 bis 30 °C sind angenehm, weil meist eine angenehme Brise weht. Der Herbst bringt oft Regen mit sehr, aber den nehmen die Vancouveraner ganz gelassen hin. Der Winter ist mit Durchschnitts-temperaturen von 3 °C überraschend mild. Schon im Februar erblickt man die ersten Blüten. 
Sprache: Englisch.
Zeit: MEZ minus 9 Stunden.
Geld: Kanadischer Dollar (CAD). 1 EUR = 1,39 CAD.
Dokumente: Reisepass, der bei Ankunft noch mindestens sechs Monate gültig sein muss.
Gesundheit: Impfungen sind nicht notwendig. Die ärztliche Versorgung ist sehr gut. Es sollte jedoch eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen werden (Behandlungen werden dennoch bar bezahlt.). 
Essen & Trinken: Dank der vielen Einwanderer offenbart Vancouver eine unglaubliche kulinarische Vielfalt. Man kann sich sozusagen einmal um die Welt essen. Ganz vorne dabei ist die asiatische Küche: In Chinatown und Richmond (Vorort von Vancouver) gibt es exzellente Restaurants. Typisch kanadisch ist der Maple Syrup (Ahorn-Sirup) und natürlich Lachs, frisch oder geräuchert. 
Restaurants: Stylisch und lecker – das „Nu“ in der Granville Street ist ein Szene-Restaurant mit einem fantastischen Blick über den False-Creek-Fjord. Das „Market“ im Shangri La bietet wirklich eine exzellente, kanadische Küche. Hier trifft man auch immer mal wieder Stars und Sternchen – schließlich ist Vancouver das kanadische Hollywood. Leckere Kleinigkeiten gibt´s in der Markthalle auf Granville Island – Süßes und Deftiges zum Mitnehmen, oder man setzt sich mitten ins Getümmel. Für Fans der süßen Kugel: Das beste Eis macht James Coleridge in seiner „Bella Gelateria“ in der West Cordova Street. Der Maestro hat sein Handwerk in Italien gelernt und ist ein wahrer Gelato-Künstler.
Sehenswert: Stanley Park, Granville Island, Museum of Anthropology, Gastown, China Town, Canada Place, Aquarium, Lighthouse Park, Robson Street (Shopping). 
Unbedingt machen: Mit der Seilbahn auf den Grouse Mountain- von hier hat man einen tollen Blick auf die Stadt und kann außerdem Wölfe und Bären beobachten.
Unbedingt vermeiden: Drinnen sitzen. Wenn es das Wetter zulässt, outdoor genießen. Wem es zu kalt wird: Viele Bars und Restaurants bieten warme Decken an, einfach nachfragen.
Beliebte Mitbringsel: Ahorn Sirup, geräucherter Lachs, Schmuck und Kunstwerke der First Nation.
Literatur: „CityTrip Vancouver“ von Thomas Barkemeier (2011), Reise Know-How Verlag, 9,80 €.
Airline-Tipp: Air Transat bietet nicht nur ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis, sondern auch freundlichen Service. Abflug ab Frankfurt, Hamburg und München (von Mai bis Oktober). 
Auskünfte: Kostenfreies Info-Material erhalten Sie bei Touristikdienst Lange, Tel. 01805/52 62 32 (14 c/min Festnetz), canada-info@ t-online.de, http://www.BritishColumbia.travel,http://www.tourismvancouver.com.


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