Wallis

Lecker wandern auf höchstem Niveau

von Thomas Meins

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Die Nacht zu fünft im Massen­lager auf dem „Berghaus Vernissage“ war hart und kurz. Bei dünner Höhenluft und schnarchenden Wanderern fiel der Schlaf eher unruhig aus. In aller Herrgottsfrühe, es ist noch dunkel in den Walliser Alpen, holt uns der Wecker aus den schmalen Betten. Unsere ­kleine Gruppe versammelt sich auf der Terrasse des Berghauses, um ein grandioses Naturschauspiel zu verfolgen: den Sonnenaufgang im Hochgebirge. Der Gipfelkranz der Viertausender über Saas-Fee glüht rot in der Morgensonne, der Allalin-Gletscher leuchtet. Unten im Tal rauscht das Wasser durchs Dorf. Wir sind nicht die einzigen, die zu so früher Stunde in über 2.400 Metern Höhe auf den Beinen sind. Auf dem Felsgrat über dem Berghaus zeichnet sich im Gegenlicht die Silhouette eines Steinbocks ab. Vollkommen unbeeindruckt von uns neugierigen Zwei­beinern reckt das Tier sein mächtiges Gehörn den ersten Sonnenstrahlen entgegen. So viel Natur erquickt die Seele – und macht Appetit auf das ­kräftige Frühstück, das Hüttenwart Isa in der Berghaus-Stube vorbereitet hat. Nach Kaffee, Brötchen, Wurst und Käse schnallen wir wieder den Rucksack um. Auf zum nächsten Gipfel-Genuss. Saas-Fee und das Saastal sind ein ­Eldorado für Wanderer. 350 Kilometer Wanderwege ziehen sich vor der Ku­lisse von 18 Viertausendern durch ­Wälder und Wiesen, über Felsen und Gletscher.

Anspruchsvimageolle Touren über knapp 3.000 Meter hohe Pässe sind ebenso dabei wie gemütliche Pro­menaden zwischen Edelweiß und ­Enzian. Elf Bergbahnen bringen Wanderer im Sommer die Berge rauf und wieder runter. Die spektakulärste Strecke ist die unterirdische Zahnradbahn auf den Allalin-Gletscher (3.500 m), die höchstgelegene „U-Bahn“ der Welt. Von dort geht es am Seil gesichert durch das ewige Eis auf das Allalinhorn (4.027 m). Knapp 3.000 Höhenmeter darunter bietet das Saastal wildromantische Wandererlebnisse ganz anderer Art. Am Suonenweg bei Saas-Almagell rauscht das Wasser von allen Seiten durch Bäche und alte Wasser­leitungen zu Tal. Die findigen Walliser haben diesen natürlichen Ressourcen längst eine weitere Dimension hinzugefügt: Saas-Fee gilt als alpine Hochburg der feinen Küche. Über 100 Restaurants sorgen in dem Gletscherdorf für kulinarische Highlights – von Käsefondue bis gedämpftem Hummer. Zu den feinen ­Adressen zählen das 5-Sterne-Hotel „Ferienart“ mit seinen sieben Re­staurants, der „Schweizerhof“ mit 14 Gault-Millau-Punkten und das „Waldhotel Fletschhorn“, in dem Sternekoch Markus Neff am Herd steht. Entspannt wandern und gut essen sind also selbstverständlich in Saas-Fee – und beides lässt sich auf das ­Angenehmste verbinden.

Am 26. Juni 2011 veranstalten die Saaser Hoteliers und Chefköche bereits zum dritten Mal den „Gourmet-Trail“, eine Ein-­Tages-Wanderung voller kulinarischer und landschaftlicher Hochgenüsse. Ein hochalpiner Spaziergang mit ­Luxus-Catering. Gleich von Beginn an. Am Startpunkt, der Talstation der ­Hannigbahn, gibt es erst einmal ein gutes „Tröpfli“, prickelnden Walliser Sekt. In der Gondel wird ein „Auffahrts-Amuse-Bouche“ serviert. Beste Aussicht über das Saastal Oben auf 2.350 m angekommen wird es dann doch Zeit, die Wanderschuhe zu schnüren. Jedenfalls müssen ein paar Schritte bergab bewältigt werden, bevor es wieder etwas zu essen und zu trinken gibt. Der Weg an der Sonnenseite des Saaser Hochplateaus ist breit, bequem und bietet beste Aussicht über Saas-Fee und das Saastal. Hinunter ins Dorf (auf 1.800 m) führt der Trail an sechs Kochstationen vorbei. Die gut 500 Höhenmeter vergehen wie im Fluge. In jeder zweiten Kurve, im Halbstundentakt, wird Halt gemacht. Man plaudert an Stehtischen, rastet auf Decken im Gras, genießt das Panorama über Gipfel und Gletscher und die Köstlichkeiten der Saaser ­Küche. Während die Wanderer entspannt schlemmen und Walliser Weine verkosten, vollbringen die Köche Meisterleistungen: die Leckereien von Jakobsmuscheln über Galloway-Rind bis zu Frischkäse-Ravioli werden vor Ort frisch zubereitet. Sternekoch ­Markus Neff und seine Kollegen stehen persönlich an den Töpfen und Pfannen unter freiem Himmel und sorgen dafür, dass die Speisen perfekt zubereitet auf den Tellern landen. Nach gut drei Stunden endet der Trail beim „Hohnegg Alpine Resort“ in ausgelassener Stimmung mit einem Dessert-Finale. Sportlicher, aber nicht weniger schmackhaft ist das Angebot der ­Saaser Genuss-Wander-Pauschale, die es erstmals in diesem Sommer gibt. Auf einer dreitägigen Tour über die Hausberge von Saas-Fee werden einige Kilometer auch über mittelschwere Wege zurückgelegt. Ungeübten Wanderern stehen für jede Etappe Alternativrouten zur Auswahl.

Das Quartier wird täglich gewechselt, jeden Tag kümmimageert sich ein anderer Koch um das leibliche Wohl. Zum Aufwärmen gibt es ein Drei-Gang-Menü und für die erste Nacht ein Zimmer im „Ferienart“, die Stationen der folgenden Tage sind das „Berghaus Vernissage“, der „Schweizerhof“ und das „Fletschhorn“. Für den Gepäcktransport sorgen die Hoteliers, für ­unterwegs reicht ein Rucksack mit Wasser, Lunchpaket und Sonnencreme. Die Tagesetappen lassen genügend Zeit, die Natur am Wegesrand zu ­genießen: knorrige Lärchen, Murmeltiere, Tannenhäher und in größeren Höhen, wie beim Berghaus, Stein­böcke. Das Berghaus ist die einzige Wanderstation, die nicht mit einem Drei-Gang-Menü aufwartet. Dafür aber mit einem kräftigen Nachtessen, einer herrlichen Sonnenterrasse und der urigen Atmosphäre der ältesten Berghütte im Saastal. Und wer nicht stilecht im 8-er-Zimmer nächtigen will, bucht halt das einzige Doppelzimmer auf der Hütte.

Reiseangebot

imageBeste Reisezeit: Ganzjährig. Von Dezember bis April/Mai ist Wintersport möglich, von Mai bis Oktober Wanderungen auf dem Aletschgletscher.
Klima: Gemäßigt, aber mit nur 85 Regentagen/Jahr recht trocken. Zwei Gebirgsmassive, zwischen denen das Wallis eingebettet ist, fangen Niederschläge ab.
Sprache: Deutsch im Oberwallis (Walliserdeutsch), im Unterwallis Französisch.
Geld: Schweizer Franken (Sfr). 1 Euro = 1,28 Sfr.
Dokumente: Personalausweis genügt. Reisende mit PKW müssen eine Autobahnvignette erwerben.
Gesundheit: Das Schweizer Gesundheitswesen ist als eines der besten der Welt bekannt. Die Versorgung und Rückerstattung der Kosten wird durch die Europäische Krankenversicherungskarte geregelt. Die Schweiz ist Gebiet von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) durch Zeckenbisse. Im Frühjahr und Sommer kann eine Impfung ratsam sein.
Essen & Trinken: In der Küche dominieren vor allem Fleisch und Milchprodukte. Typische Gerichte sind Walliser Trockenfleisch mit Brot, Gsottus mit Trockenfleisch, Kartoffeln, Reis und Kohl und Gärschtäsuppa (Gerstensuppe). Raclette und Fondue dürfen bei einem Schweiz-Urlaub außerdem nicht fehlen. Dazu sollte man Weine der Region genießen, z.B. aus Visperterminen.
Restaurants: Das „Metro-Alpin“ an der Bergstation Mittelallalin ist das höchstgelegene Drehrestaurant der Welt, das nicht nur einen tollen Ausblick verspricht, sondern auch exquisite Küche.
Sehenswert: Saas-Fee bietet allerlei sehenswerte Superlative: Mit der der welthöchsten unterirdischen Standseilbahn, der Metro Alpin, geht es auch in den Sommermonaten zum Mittelallalin zum Sommerski auf den Feegletscher (3.162 bis 3.573 m Höhe). Hier kann der Eispavillion, die weltweit größte Eisgrotte, besichtigt werden. Der Natur-Staudamm Mattmark ist der größte Erddamm Europas. Gourmettrail-Start ab Talstation Hannig. Auf Hohsaas (3.100 m) lohnt der Ausblick auf 18 umliegenden Viertausender. Aktive erwandern die Umgebung um Saas-Fee, z.B. Saaser Höhenwege, die Alpenblumen-Promenade vom Kreuzboden nach Saas-Grund (Dauer ca. 3 Std.), den Kappellenweg von Saas-Grund nach Saas-Fee (Dauer etwa 1 Std.) oder den Erlebnisweg von Furggstalden nach Saas-Almagell (u.a. über eine 60m lange Hängebrücke). Saaser Museum. In der Umgebung: Belalp: Mutige überqueren die 124 m lange Hängebrücke über der 50 m tiefen Massaschlucht. Bettmeralp: Murmeltier­beobachtung.
Unbedingt machen: Schwindelfreie sollten sich die Schluchtbegehung durch die „Gorge Alpine“ zwischen Saas-Fee und Saas-Grund nicht entgehen lassen – am Seil hangelt man sich von Wand zu Wand.
Unbedingt vermeiden: Ohne richtige Ausrüstung (festes Schuhwerk, Kleidung für Wetterwechsel) und Karten ins Gebirge.
Beliebte Mitbringsel: Bergkäse, Weine.
Literatur: „Marco Polo Reiseführer Schweiz mit Insider-Tipps“ von Judith Stofer, MairDumont, 9,95 €.
Auskünfte: Tourismusbüro Saas-Fee, Tel. +41/27 958/18 58, www.saas-fee.ch.

Reiseinformationen

Saas-Fee für Gourmets: Der diesjährige Saaser Gourmet-Trail findet am 26. Juni 2011 statt. Start: ab 10 Uhr an der Talstation Hannig, Ende gegen Nachmittag. Preise: 130 Franken (ca. 100 Euro) ohne Bergbahnticket, 140 Franken (ca. 109 Euro) inkl. Bergbahnticket. Diese Preise verstehen sich inkl. der unterwegs servierten Speisen und Getränke. Anmeldung: Waldhotel Fletschhorn, CH-3906 Saas-Fee, Tel. +41 27 957 21 31, info@fletschhorn.ch . Die Saaser Genuss-Wander-Pauschale ist für die Zeit vom 15. Juni bis 31. Oktober 2011 buchbar. Die Pauschale umfasst vier Übernachtungen, drei Wanderungen, Gepäcktransport, Frühstück, Abendessen. Untergebracht werden die Wanderer in den Hotels Ferienart Resort & Spa, Schweizerhof Gourmet & Spa, Waldhotel Fletschhorn und im Berghaus Vernissage. Preis: ab 887 Franken (633 Euro) pro Person. Anmeldung: Hotel Ferienart Resort & Spa, CH-3906 Saas-Fee, Tel. +41/27 958 19 00, reservation@ferienart.ch. Information und Buchung: Wallis Tourismus, Tel. +41/27 327/35 70, www.wallis.ch; siehe auch "Info & Buchung".

Fotos: Photopress/Saas-Fee/Christof Sonderegger

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